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RUSSLAND: «Im Einklang mit Vorgaben ‹geschäften›»

Die Schweiz hat im angespannten politischen Umfeld zwischen Russland und westlichen Ländern keine Sanktionen erlassen. Trotzdem gibt es Einschränkungen. Michael Kühn von der Exportförderorganisation S-GE analysiert die Lage für Schweizer KMU.
Thorsten Fischer
Russland hat mit 150 Millionen Konsumenten Potenzial – doch es gilt, wichtige Punkte zu beachten. (Bild: Srdjan Suki/EPA (St. Petersburg, 28. Juni 2017))

Russland hat mit 150 Millionen Konsumenten Potenzial – doch es gilt, wichtige Punkte zu beachten. (Bild: Srdjan Suki/EPA (St. Petersburg, 28. Juni 2017))

Interview: Thorsten Fischer

Michael Kühn, seit der Krim-Krise nehmen die politischen Spannungen zwischen Russland und westlichen Ländern zu. Spüren Sie das auch als Schweizer Exportförder­organisation? Gibt es mehr Anfragen verunsicherter KMU zu diesem Thema?

Die Zahl der Anfragen war vor allem im Jahr 2014 hoch, als sich der neue Ost-West-Konflikt um die Ereignisse auf der Krim und im Osten der Ukraine verschärfte. Schweizer Unternehmen wollten sich informieren, ob ihre Aktivitäten im russischen Markt von den Sanktionen betroffen sind und was sich jetzt allenfalls für sie ändert.

Sanktionen wurden sowohl von der EU als auch von den Vereinigten Staaten verhängt. Gibt es denn Massnahmen gegen Russland, welche auch den Schweizer Handel einschränken?

Insgesamt lässt sich festhalten: Der Grossteil der Exporte hiesiger Unternehmen nach Russland ist nicht betroffen. Der Bundesrat hat selbst keine Sanktionen ergriffen. Allerdings setzte der Bund 2014 unverzüglich Massnahmen um, damit die Schweiz von ausländischen Firmen nicht als Plattform für Umgehungs­geschäfte nach Russland genutzt werden kann.

Dennoch bestehen Einschränkungen für einzelne Produkte, an die sich auch Schweizer Firmen halten müssen.

Ja, es handelt sich zum Beispiel um die Produktgruppe der Dual-Use-Güter, die neben ihrem zivilen Nutzen auch für Rüstungszwecke eingesetzt werden könnten. Dabei geht es häufig um Fahrzeuge, Getriebe oder grössere Maschinen. Aber auch kleine Dinge wie optische Linsen können darunterfallen.

Was raten Sie in der aktuellen Lage unentschlossenen Unternehmen?

Sowohl beim Staatssekretariat für Wirtschaft als auch bei uns als Exportförderorganisation sind schriftliche Leitfäden sowie eine weiterführende Beratung für einen Markteintritt in Russland erhältlich. Das Seco kann in konkreten Fällen für Unternehmen auch prüfen, wie es sich mit geplanten Ausfuhren oder Investitionen verhält. Auch wenn die Schweiz in diesem Fall keine Sanktionen veranlasst hat: Es bleibt natürlich wichtig, im Einklang mit den Vorgaben des Bundesrates zu «geschäften».

Wie entwickelt sich Russland ökonomisch?

Schon im Jahr 2014 und vor den Sanktionen hatte sich das Wachstum deutlich verlangsamt. Dabei spielte der Rückgang des Ölpreises eine Rolle. Der Rubel geriet zusehends unter Druck, Investitionen und Konsum waren rückläufig. Das schwierige wirtschaftliche Umfeld beschäftigte auch die dort engagierten Schweizer KMU stark. Inzwischen hat sich die Lage aber stabilisiert. Für das laufende Jahr zeichnet sich sogar ein leichtes Wachstum ab.

Aus welchen Gründen entscheiden sich Schweizer Firmen, den russischen Markt zu erschliessen, was macht ihn für diese Unternehmen attraktiv?

Geografisch ist Russland ein sehr grosser und zugleich relativ einheitlicher Markt. Es gibt traditionell gut entwickelte Industrien. Allerdings besteht Nachholbedarf in der Infrastruktur. Gerade das eröffnet aber neue Geschäftsmöglichkeiten, vom Bahnverkehr bis hin zu Maschinen. Tendenziell verfügt der russische Mittelstand über mehr Geld und kann sich entsprechend teurere Produkte leisten. In der aktuellen Handelsbilanz zwischen der Schweiz und Russland finden sich vor allem Güter aus der Maschinenindustrie, pharmazeutische Produkte oder Lebensmittel. Ebenso ist Russland ein Türöffner zu weiteren Ländern im eurasischen Raum.

Auf welche konkreten Hürden im Alltag treffen Schweizer KMU vor Ort?

Nicht zu unterschätzen ist der Mehraufwand in der Deklarierung. Nicht nur wegen der Sprache und Schrift. Für vieles braucht es separate Zertifikate, da europäische und schweizerische Standards nicht automatisch übernommen werden können. Eine Hürde, aber zugleich auch eine Chance, sind die Vorschriften, bei öffentlichen Aufträgen einen bestimmten Anteil vor Ort in Russland zu produzieren. Für ein einzelnes, ausländisches KMU ist das meist nicht zu stemmen. Aber im Team, als Zulieferer für einen grösseren Konzern, können teilweise auch KMU von solchen Projekten profitieren.

Hinweis

Michael Kühn von der Exportförderorganisation Switzerland Global Enterprise (S-GE) ist als Senior Consultant zuständig für Russland, GUS-­Länder und das Baltikum. S-GE berät im Auftrag von Bund und Kantonen Firmen bei Fragen zu den internationalen Märkten. Mit den Swiss Business Hubs als Anlaufstelle ist sie zudem in diversen Ländern präsent.

Michael Kühn, Senior Consultant Russia + CIS von Switzerland Global Enterprise. (Bild: PD)

Michael Kühn, Senior Consultant Russia + CIS von Switzerland Global Enterprise. (Bild: PD)

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