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RUSSLAND: Zwielichtige Rolle der Zentralbank

Im vergangenen Jahr hat die russische Zentralbank drei Grossbanken unter ihre Kontrolle genommen. Die Branche gerät immer mehr in Staatshand.
Eingang zur Bank Rossii, der Zentralbank Russlands in Moskau. (Bild: Andrey Rudakow/Bloomberg (13. März 2015))

Eingang zur Bank Rossii, der Zentralbank Russlands in Moskau. (Bild: Andrey Rudakow/Bloomberg (13. März 2015))

Das Jahr endete böse für Dmitri Ananjew, den Besitzer der Promswjasbank. «Sie haben die Bank totgeschossen und ihr Fell in den Konsolidierungsfonds geschmissen», klagte er Weihnachten in der Wirtschaftszeitung «Wedomosti». Kurz zuvor hatte die Zentralbank Russlands Ananjews Geldhaus unter Zwangsverwaltung gestellt; nach der Bank Otkrytije und der Bin-Bank war es das dritte Privatunternehmen unter den 15 grössten Banken Russlands, das sie 2017 unter Kontrolle nahm. Im Gegensatz zu anderen Bankiers hatte Ananjew keineswegs darum gebeten. Bis zum Schluss hatte er mit der Zentralbank ein eigenes Sanierungsprogramm verhandelt – ohne Erfolg.

Im vergangenen Jahr entzog die Zentralbank etwa 50 Geldhäusern die Lizenz. Seit 2013 verloren rund 350 russische Banken ihre Lizenzen, 35 wurden saniert. Fachleute streiten, ob Russlands Banksektor in einer Dauerkrise steckt oder in epochale Säuberung geraten ist.

Viele Geldtransfers von Klein- zu Grossbanken

«Ich würde das nicht Krise nennen, eher eine ernsthafte Rekonstruktion des Banksystems», sagt Alexander Abramow, Finanzexperte der Moskauer Hochschule für Wirtschaft. «Die Banken haben Probleme. Weniger weil sie nicht effektiv arbeiten, sondern wegen der schwachen Wirtschaft in Folge versäumter Strukturreformen und wegen der rigiden Kreditpolitik der Zentralbank.» Deren hohe Leitzinsen machten es den Finanzinstituten schwer, Geld zu verdienen. Andererseits verfüge die Zentralbank über gigantische Summen aus den staatlichen Gold- und Hartwährungsreserven. «Sie wird verschuldeten Grossbanken auch 2018 unter die Arme greifen können.»

Kritiker wie der Ökonomist Pawel Kowtschan werfen der Zentralbank vor, dass das Dickicht ihrer Vorschriften sowie ihre schlampige Aufsicht die vaterländischen Banken in riskante und illegale Geschäfte drängten.

Dabei steckte die Zentralbank laut der Rating-Agentur Fitch zwischen Januar 2014 und August 2017 umgerechnet über 46 Milliarden Euro in die Branche. Und die funktioniert: Zwar sank laut der Finanzagentur Nafi 2017 das Vertrauen der Russen in ihre Banken von 67 auf 60 Prozent. Aber viele Kunden tragen ihre Ersparnisse aus Klein- in die Grossbanken. Angesichts der niedrigen Inflation nehmen sie wieder vermehrt Privatkredite auf.

Gemäss einer Börsenzeitung steigerte der staatliche Branchenführer Sberbank seine Gewinne in den ersten drei Quartalen 2017 um 44 Prozent, die private Alfa-Bank verzwölffachte ihre Gewinne gar. Unter dem Strich konzentriert sich das Bankgeschäft immer mehr in Staatshand. «Das ist keine Nationalisierung, wie sie die Bolschewisten nach 1917 veranstalteten», sagt Abramow, «die Zentralbank fühlt sich eher genötigt, angeschlagene Banken zu übernehmen.» Ihre Zwangsverwaltung mache diese nicht effektiver, stabilisiere sie aber finanziell – mit dem Ziel, sie an private Investoren zu verkaufen. «Wann sich diese finden, ist aber unklar.»

Ungewisse Zukunft für die Privatbanken

Laut der Zeitung «Nesawissimaja Gaseta» sind inzwischen 75 Prozent des Banksektors unter staatlicher Kontrolle. Hinter Sberbank, Wneschtorgbank und Gasprombank ist die Gruppe «Konsolidierungsfonds der Zentralbank» schon die viertgrösste Kraft der Branche.

«Es ist eine paradoxe Situation», schreibt das Portal «Gazeta.ru». «Die Zentralbank, zu deren Aufgaben die Regulierung des Finanzmarkts gehört, ist einer seiner grössten Teilnehmer geworden.» Eine teure Teilnahme: Laut Zentralbankchefin Elwira Naibullina muss der Staat in der Kasse der Promswasbank ein Loch von umgerechnet knapp 3 Milliarden Euro stopfen.

Und es könnte noch grösser werden: Die Zentralbank bezifferte auch die Sanierungskosten für die Bank Otkrytije auf 3 Milliarden Euro, nach Angaben mehrerer Wirtschaftsmedien stiegen sie auf 15 Milliarden Euro. «Das Finanzloch in der Bank wird maximiert», schimpft Dmitri Ananjew, «die Probleme mit Hilfe von Staatsgeldern verdeckt und alle Schuld auf frühere Besitzer und Manager abgewälzt.» Die Zentralbank hat eine Anzeige gegen ihn angekündigt – wegen verschwundener Akten über Promswjasbank-Kredite von umgerechnet gut 1,5 Milliarden Euro. «Für die Privatbanken wird es sehr schwierig, zu überleben, wenn diese Strategie fortgesetzt wird», prophezeit Ananjew düster.

Stefan Scholl, Moskau

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