Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SANKTIONEN: Russen-Bann trifft Schweizer Börse

Die Aktien von Industrieunternehmen aus dem Einflussbereich des Oligarchen Viktor Vekselberg fallen tief. Die Firmen geben sich aber gelassen.
Daniel Zulauf
Blick auf den Standort des Industriekonzerns Sulzer in der Sparte Chemtech. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Winterthur, 11. März 2016))

Blick auf den Standort des Industriekonzerns Sulzer in der Sparte Chemtech. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Winterthur, 11. März 2016))

Daniel Zulauf

Das seit dem vergangenen Freitag geltende amerikanische Sanktionsregime gegen sieben mächtige russische Geschäftsleute und deren Unternehmen hinterlässt im Schweizer Firmenimperium von Viktor Vekselberg tiefe Spuren.

Der in Winterthur ansässige Industriekonzern Sulzer wird diese Woche fünf Millionen Sulzer-Aktien von Vekselbergs Holding Renova übernehmen, um die ­Titel via Börse auf andere Eigentümer zu verteilen.

Schwieriger Umgang mit Sanktionen

Renova steht auf der Sanktionsliste, zusammen mit elf weiteren Firmen, die den sanktionierten Oligarchen gehören. Das Ziel der gestern von Sulzer angekündigten Übung besteht darin, Vekselbergs Anteil von aktuell über 63 Prozent auf 48,8 Prozent zu reduzieren. Damit stünde der Konzern wenigstens formal nicht mehr direkt im Einflussbereich der US-Sanktionen. Die Sulzer-Aktien reagierten heftig auf die anstehende Aktienplatzierung. Die Titel verloren gestern mehr als 13 Prozent ihres Wertes. Mit der verbindlichen Vereinbarung, bei der die vier Vekselberg-Vertreter im insgesamt achtköpfigen Sulzer-Verwaltungsrat in den Ausstand treten mussten, wolle man «Störungen von Sulzers Geschäftsaktivitäten minimieren», heisst es in der Pressemitteilung.

Die Firma zeigt sich überzeugt, dass sie auf diese Weise «jegliche Zweifel an Sulzers Unabhängigkeit ausräumen» werde. Direkt sanktionierte Firmen, zu denen etwa der Aluminium-Konzern Rusal des Oligarchen Oleg Deripaska gehört, dürfen nach Auflage der US-Behörden keine neuen Bestellungen mehr entgegennehmen. Den Banken sind Dollar-Transaktionen mit solchen Firmen untersagt. Diese Gefahr dürfte Sulzer vorerst abgewendet haben.

Doch die Frage bleibt, inwiefern Kunden und Banken das ­Risiko auf sich nehmen wollen, mit Sulzer weiter zu geschäften. Nicht vollständig ausschliessen lässt sich die Möglichkeit, dass die US-Behörden Geschäftspartner von Sulzer zu einem späteren Zeitpunkt trotz Vekselbergs Teilrückzug der Zuwiderhandlung gegen Sanktionsbestimmungen anklagen könnten. «Die Situation ist für alle sehr schwierig einzuschätzen und letztlich muss jeder seine eigene Risikoeinschätzung vornehmen», sagt Urs Bigger, ein Spezialist für Compliance-Fragen im Bankensektor. Der Umstand, dass Sanktionen heutzutage zunehmend als politisches Druckmittel eingesetzt würden, mache den praktischen Umgang mit ihnen besonders schwierig, meint Bigger. Sulzer liess sich nach Auskunft eines Unternehmenssprechers beim angekündigten Vorgehen von amerikanischen Anwälten beraten. Das Geld aus der Aktienplatzierung, das Renova zusteht, werde zurückbehalten, bis das Sanktionsregime eine Freigabe erlaube.

Auch Glencore ist indirekt betroffen

Der Industriekonzern Oerlikon mit Sitz in Pfäffikon SZ steht zu rund 43 Prozent im Besitz von Renova beziehungsweise von Vekselberg. Aufgrund dessen glaubt man dort nach «ersten Analysen» nicht, dass die Firma «direkt von den Sanktionen betroffen ist». Doch es ist klar: Auch Oerlikon bleibt stark exponiert, zumal vieles von der Einschätzung der Banken und der Kunden abhängt. Oerlikon-Präsident ­Michael Süss ist Direktor von Vekselbergs Renova Management AG. Auch die Oerlikon-Aktien notierten gestern zeitweise fast 10 Prozent im Minus.

Auch die Titel des Luzerner Stahlherstellers Schmolz + Bickenbach gingen gestern auf Tauch­station, obschon Vekselberg seine dortige Beteiligung von 42 Prozent mit Gründerfamilien des ursprünglich deutschen Konzerns teilt. Beim Stahlhersteller sieht man sich «nicht wesentlich betroffen von den Sanktionen». Man erwarte nach heutigem Kenntnisstand keine wesentlichen Auswirkungen der Sanktionen auf das Geschäft, weder in den Vereinigten Staaten noch in anderen Teilen der Welt, teilte der Stahlhersteller gestern mit.

Die nächste wichtige Entwicklung wird die Reaktion der EU auf das US-Sanktionsregime sein. Während die Schweiz direkt keine US-Sanktionen umsetzt, nimmt sie grosse Rücksicht auf die Politik der EU. Allfällige EU-Sanktionen könnten dann direkt auch für Schweizer Firmen und Banken verpflichtend werden, wenn sie vom Berner Staatssekretariat für Wirtschaft erwartungsgemäss nachvollzogen würden.

Indirekt hart getroffen wurde derweil bereits der Zuger Rohstoffkonzern Glencore, der mit fast 9 Prozent an Deripaskas Rusal-Konzern beteiligt ist und mit CEO Ivan Glasenberg auch einen Verwaltungsrat stellt. Die Rusal-Aktien haben in den vergangenen Tagen mehr als 50 Prozent ihres Wertes eingebüsst. Glencore ist die grösste Abnehmerin von Rusal-Aluminium. Die Glencore-Aktien gaben gestern in London ebenfalls 1 Prozent nach.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.