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SARNEN: Was bedeutet Erfolg?

Am Wirtschaftsforum Unterwalden sprachen ein Manager, ein Börsenjournalist und ein ehemaliger Fussballclub-Präsident über ihre Auffassung von Erfolg – nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht.
Urs-Ueli Schorno
Analytiker durch und durch: Migros-Chef Herbert Bolliger bei seiner Ansprache in der Aula Cher in Sarnen. (Bild: Roger Grütter (20. September 2017))

Analytiker durch und durch: Migros-Chef Herbert Bolliger bei seiner Ansprache in der Aula Cher in Sarnen. (Bild: Roger Grütter (20. September 2017))

Urs-Ueli Schorno

Moderator Stephan Klapproth begrüsste 450 Unternehmer aus Obwalden und Nidwalden, die der Einladung des Wirtschaftsforums Unterwalden (WFU) nach Sarnen gefolgt waren. «Erfolg» war das Thema der Referatreihe. Ans Rednerpult in der Aula Cher traten Migros-Chef Herbert Bolliger, Börsenkorrespondent Jens Korte und der ehemalige Präsident des FC Basel Bernhard Heusler. Nie um einen Scherz verlegen, sorgte der ehemalige «10 vor 10»-Sprecher Klapproth für den ersten Schmunzler an diesem Nachmittag: «Sie, liebe Anwesenden, sind die Erfolgreichen, sonst könnten Sie es sich nicht leisten, werktags hier zu sein», begrüsste er die 450 Teilnehmer – ein Rekord, wie WFU-Präsident Norbert Paw zuvor stolz verkündet hatte.

Unbestritten erfolgreich ist auch Herbert Bolliger. Als ­Mi­gros-Chef ist er einer der ­bekanntesten Schweizer Wirt­schafts­kapitäne, um in der Seemannssprache zu bleiben, der sich der Moderator ausgiebig bediente. Als «begnadeter Analytiker» und «Zahlenmensch» wurde Bolliger eingeführt. Er, der nach zwölf Jahren als Mi­gros-CEO das Unternehmen in Richtung Pensionierung verlassen wird, machte seinem Ruf alle Ehre. Anhand von Statistiken zeigte er auf, wie die Umsätze der Warenhäuser in den vergangenen Jahren unter Druck gerieten. Grund dafür sei einerseits, dass Herr und Frau Schweizer verstärkt im Ausland einkaufen. «Jeder zehnte Franken wird heute im Ausland ausgegeben», so Bolliger. Andererseits wachse der Onlinemarkt unbeirrt und führe zu weniger Kunden in den Läden. «Wir erwarten hier auch weiter eine massive Entwicklung.» Mit dem Zukauf des Onlinehändlers Digitec Galaxus AG sei die Migros aber in dieser Sparte gut aufgestellt. Dass sich sein Unternehmen auch in Zeiten des Wandels erfolgreich behauptet, führt er grundlegend auf die von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler ver­tretenen Werte zurück. «Wir haben eine starke Verankerung in der Kultur sowie eine Strategie, die gute Produkte zu einem günstigen Preis anbieten will.» Dar­über hinaus befasse man sich intensiv mit der Nachhaltigkeit des Wirtschaftens.

Entscheidungen aus dem Bauch heraus

Nicht ohne Stolz verwies Bolliger auf Rankings, in denen die Migros auch im internationalen Vergleich in den Sparten «Soziales und Nachhaltigkeit» an der Spitze erscheint. Schliesslich sei man auch die Schweizer Marke mit der besten Reputation – noch vor der Rettungsflugwacht Rega. «Es würde mich schon schmerzen, auf die zweite Position zurückzufallen», so Bolliger.

Im anschliessenden Gespräch mit Stephan Klapproth sagte Bolliger aber auch, dass Zahlen nicht alleinige Erfolgs­garanten wären. «Es gibt Entscheidungen, die man aus dem Bauch heraus treffen muss.» Etwa den Kauf des Discounters Denner, der eine grosse Investition gewesen sei – gemunkelt wird von rund einer Milliarde Schweizer Franken. «Ich habe auch viel Glück gehabt. Nicht aller Erfolg ist planbar», fügte Bolliger an. Und schliesslich sei Erfolg auch «eine funktionierende Beziehung und eine Familie, die einem Halt gibt».

Das unterstrich auch der zweite Redner, Börsenjournalist Jens Korte. Er, der täglich den Dow Jones analysiert, beleuchtete «Amerikas Wirtschaft unter Trump».

«Trump hatte in vielem nicht Unrecht»

Kortes Nüchternheit in der Analyse war dabei wohltuend. Klapproth hatte es zuvor mit den Trump-Beleidigungen, wenn auch rhetorisch gekonnt, etwas übertrieben. «Trump hatte eben in vielem nicht Unrecht», wagte Korte einen Erklärungsversuch für den überraschenden Wahlsieg des Unternehmers. «Obamacare, aufgeblasene Bürokratie, China, Arbeitslosigkeit – all das beschäftigt die Amerikaner. Er hat die Themen als Einziger angesprochen.» Dass Trumps drastische ­Lösungsvorschläge allerdings ­erfolgversprechend seien, bezweifelt Korte. «Bis heute hat er noch keine der Massnahmen, die er im Wahlkampf ankündete, umgesetzt.» Bei der Strategie, mit einem Immigrationsstopp Arbeitsplätze für Amerikaner zu erhalten, sei er zudem einer falschen Analyse erlegen: «Nicht ausländische Arbeiter sind das Problem, sondern die Automatisierung von industriellen Prozessen.» Sowieso sei das Problem vieler Amerikaner nicht, dass sie keine Jobs hätten, sondern dass ihnen diese Jobs nur ein unregelmässiges Einkommen einbrächten. Dennoch schloss Korte seine Rede optimistisch: «Auf die amerikanische Wirtschaft hat die Politik nur kurzfristige Effekte.» Oder anders gesagt: Ihr Erfolg hängt nicht nur vom Präsidenten ab.

Schliesslich spielte Korte dem Schlussredner den Ball zu – indem er Moderator Klapproth mit einem Augenzwinkern verriet, sein Sohn wolle zurzeit lieber Fussballprofi werden, als an der Börse einzusteigen. So war es an Bernhard Heusler, seines Zeichens ehemaliger FC-Basel-Präsident, die Anwesenden zum Apéro zu entlassen. Dort durften die Wirtschaftskapitäne Bande knüpfen – vielleicht bei einem Gespräch über ihre persönlichen Erfolgsrezepte.

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