Sauberes REisen
Flug ohne Viren: Helvetic testet UV-Roboter als Corona-Killer an Bord

Die Schweizer Fluggesellschaft prüft eine neue Technologie, um die Kabine noch hygienischer zu machen. Damit ist sie nicht allein.

Benjamin Weinmann
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Der UV-Roboter der Schweizer Firma Uveya im Einsatz in einer Embraer-Maschine von Helvetic.

Der UV-Roboter der Schweizer Firma Uveya im Einsatz in einer Embraer-Maschine von Helvetic.

Dnata

Es ist ein Kampf um die Sauberkeit. Seit Ausbrechen der Corona-Pandemie bemüht sich die Luftfahrtbranche so sauber wie möglich zu präsentieren, sei es mit Desinfektionsspendern am Flughafen oder Reinigungstüchlein an Bord. Helvetic Airways, die Schweizer Fluggesellschaft von Milliardär Martin Ebner, prüft nun eine weitere Massnahme.

Die Airline hat zusammen mit dem Aviatik-Dienstleister Dnata und dem Schweizer Technologieunternehmen Uveya den Einsatz von ultraviolettem Licht (UV) zur Kabinen-Desinfektion getestet, wie Dnata in einem Communiqué schreibt. Ein Helvetic-Sprecher bestätigt die Tests auf Anfrage.

Laut Dnata kann der Entkeimungsroboter von Uveya mit konzentriertem UV-Licht über 99 Prozent aller Bakterien und Krankheitserreger wie dem Coronavirus in der Luft und auf Oberflächen in wenigen Minuten abtöten, ohne dass Chemikalien eingesetzt werden.

Schädlich für verschiedene Materialien

Kommt der UV-Roboter also bald auf allen Helvetic-Flügen zum Einsatz? «So weit sind wir noch nicht», sagt ein Sprecher. Man habe Dnata und Uveya ein Embraer-Flugzeug für die Tests zur Verfügung gestellt, in der Hoffnung, so einen Beitrag für ein sicheres Reisen in der Zukunft leisten zu können. Noch seien aber viele Fragen offen, wie zum Beispiel was für einen langfristigen Einfluss die starken Strahlen auf die Materialien in der Kabine wie Kunststoff oder Leder hätten. Denn UV-Licht kann gewisse Stoffe beschädigen. Auch für Haut und Augen sind die Strahlen gefährlich. Entsprechend findet die Reinigung ohne Passagiere statt.

«Wahrscheinlich werden wir noch weitere Tests durchführen», sagt der Helvetic-Sprecher. Die ersten Versuche seien aber vielversprechend. So könne der Roboter auch in der WC-Kabine eingesetzt werden. «Wir hoffen, dass diese Technologie ein Teil der Lösung sein kann.»

Das UV-Licht soll über 99 Prozent aller Viren und Bakterien innert weniger Minuten abtöten.

Das UV-Licht soll über 99 Prozent aller Viren und Bakterien innert weniger Minuten abtöten.

dnata

Der Flughafen Zürich ist bereits einen Schritt weiter. Er hat diesen Sommer die meistbenutzten Rolltreppen mit einem System ausgerüstet, das die Handläufe mit Hilfe ultravioletten Lichts desinfiziert (diese Zeitung berichtete). In einem ersten Schritt wurden 16 der rund 100 Rolltreppen in Zürich-Kloten entsprechend aufgewertet. Langfristig – sofern die Erfahrungen positiv sind – sollen alle die neue Reinigungstechnologie aufweisen. Die Liftbauer Firma Schindler aus Ebikon LU gehört zu den internationalen Herstellern solcher UV-Installationen und ist damit zum Beispiel bereits an deutschen Bahnhöfen wie Frankfurt, Stuttgart oder Berlin präsent.