SBB bauen mehr als 300 Stellen ab

Mit dem Abbau der Stellen in der Verwaltung der Infrastruktur Division wollen die SBB 60 Millionen Franken pro Jahr ein sparen. Das Personal fürchtet, dies sei erst der Anfang.

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Die SBB will drei Milliarden Franken vom Bund

Die SBB will drei Milliarden Franken vom Bund

Keystone

Tobias Gafafer

Die Unruhe in der SBB-Division Infrastruktur ist gross. Einerseits hat die Belastung des SBB-Netzes mit dem immer dichteren Fahrplan stark zugenommen. Gleichzeitig haben die Bundesbahnen den Unterhalt in den letzten Jahren vernachlässigt. Entsprechend gross ist der Nachholbedarf: Die SBB sprechen von 1 Milliarde Franken; dazu kommen laut jüngsten Berechnungen 800 Millionen für den Substanzerhalt.

Und ausgerechnet jetzt macht die hauseigene Zeitung der Eisenbahner-Gewerkschaft SEV brisante Sparpläne publik: Demnach steht bei der SBB-Infrastruktur der Abbau von 330 Vollzeitstellen bevor. Die SBB bestätigen den Abbau von 300 bis 350 Stellen in Verwaltung und Führung. Das soll Einsparungen von 60 Millionen pro Jahr bringen. Der SBB-Verwaltungsrat hat das Geschäft noch nicht genehmigt.

Eisenbahner haben genug

Die Stimmung der Gewerkschafter ist an einem Tiefpunkt angelangt: «Wir haben die Schnauze voll und machen nicht mehr mit», heisst es. Am Montag trifft sich der SEV mit den SBB zur Aussprache. Grösste Sorge des Personals ist, dass der Abbau erst der Anfang ist. Denn die Division Infrastruktur wird umgekrempelt. Das Zauberwort heisst «Infrastruktur 2014». Mit neuen Geschäftseinheiten soll der Bereich stärker zentralisiert und zum Unternehmen im Unternehmen werden.

Der SEV fordert Klarheit über das Gesamtprojekt. «Eine Salamitaktik ist dem Personal gegenüber unfair», sagt Sprecher Peter Moor. Gerade beim Unterhalt brauche es viel Personal. Und dieses ist verunsichert: Derzeit sind etliche Kaderstellen unbesetzt. Langjährige Mitarbeiter wechseln zur BLS und zu anderen Bahnen.

SBB: Verwaltungskosten senken

Die SBB wiederum sprechen von Effizienzsteigerungen und betonen, dass der Abbau «nicht direkt produktive Stellen in der Verwaltung» betrifft - und nicht den operativen Bereich wie den Unterhalt oder den Betrieb der Bahn. Das eingesparte Geld soll in den Unterhalt der Infrastruktur gesteckt werden, weil auch die SBB ihren Beitrag an den gestiegenen Bedarf leisten müssten - und nicht nur der Bund. Laut der Konzernleitung ist der Stellenabbau ein Programm zur Senkung der Verwaltungskosten, «Infrastruktur 2014» wiederum ein Projekt zur Weiterentwicklung der Division.

Dass bei der Konzerndivision, die rund 9300 Mitarbeitende zählt, tatsächlich Reformbedarf besteht, bestätigen Insider. Der Unterhalt und der Ausbau der Bahninfrastruktur führen in den nächsten Jahren zu zusätzlichen Herausforderungen. SBB-Mitarbeiter sind aber mit dem forschen Vorgehen der Konzernleitung überfordert.

Der neue Infrastruktur-Chef Philippe Gauderon, welcher die Division seit Anfang Jahr leitet, hat offenbar die Aufgabe, gründlich aufzuräumen. Der Romand gilt als zupackender Macher, sein Führungsstil wird aber auch als militärisch beschrieben. Seit der Umwandlung der SBB in eine AG in Bundesbesitz (siehe Kasten) ist die Infrastruktur zudem nicht zum ersten Mal das Opfer von Sparrunden und Umstrukturierungen.

Internes Programm für Abbauopfer

SBB-Mitarbeiter dürfen laut dem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) aus wirtschaftlichen Gründen nicht auf die Strasse gestellt werden. Entlassene Mitarbeiter kommen in das Programm «Neuorientierung und Arbeit». Dort sollen sich die Mitarbeiter für eine Weiterbeschäftigung inner- oder ausserhalb der SBB weiterbilden können oder eine Starthilfe erhalten. Im Gegenzug verzichten die Gewerkschaften auf Kampfmassnahmen wie Streiks. Der geltende Gesamtarbeitsvertrag läuft Ende des nächsten Jahres aus. Der SEV rechnet allerdings damit, dass die Regelung von den SBB beibehalten wird.

Keine Frühpensionierungen mehr

Bei grossen Entlassungswellen unter dem früheren Bahnchef Benedikt Weibel in den Neunzigerjahren waren SBB-Mitarbeiter noch grosszügig frühpensioniert worden. Dies ist heute mitverantwortlich für die marode Situation der SBB-Pensionskasse. Inzwischen sind Frühpensionierungen für die Schweizerischen Bundesbahnen nur noch in Einzelfällen ein Thema.