SBB fahren Extrazügli

Der Entscheid der SBB, die neuen Doppelstockzüge bei Bombardier zu bestellen, ist unverständlich. Der Entscheid schwächt den Industriestandort Schweiz.

Drucken
Teilen
Die SBB hat sich für das Modell von Bombardier entschieden

Die SBB hat sich für das Modell von Bombardier entschieden

Keystone

Sven Millischer

Die SBB lösen die grösste Bestellung ihrer Geschichte aus: knapp zwei Milliarden Franken für
59 neue Doppelstockzüge. Den Zuschlag erhält Bombardier. Mehr noch, der kanadische Konzern sichert sich auch die Option, den Bundesbahnen im Bedarfsfall über 100 zusätzliche Züge zu liefern. Es winken also weitere Milliarden für Bombardier.

Mit dem Grossauftrag an den ausländischen Bahnmulti stellen die SBB beim Rollmaterial die Weichen für die Zukunft und schicken gleichzeitig den einheimischen Zugbauer Stadler aufs Abstellgleis.

Ein unverständlicher Entscheid. Stadler beschäftigt in der Schweiz über 2000 Angestellte, Bombardier weniger als die Hälfte. Die hiesige Wertschöpfung wäre bei den Thurgauern um 20 Prozent höher gewesen als jetzt bei den Kanadiern. Zudem hätte Stadler mit dem SBB-Doppelstöcker einen Referenzzug für den Fernverkehr erhalten. Das ist matchentscheidend im Export, wie der «Flirt» beweist.

Auch das Argument, wonach die vielen Züge von Stadler Rail ein Klumpenrisiko für die SBB seien, ist nicht stichhaltig. Siemens wie Bombardier wurden in den letzten Jahren von den Staatsbahnen ebenfalls grosszügig mit Aufträgen bedacht. Ausländische Vergeltungsmassnahmen wären somit undenkbar gewesen.

Während Nachbarländer wie Frankreich bei Ausschreibungen der öffentlichen Hand konsequent Industriepolitik betreiben, haben die SBB in vorauseilendem Gehorsam den Spielraum, den die internationalen Vergabekriterien der WTO bieten, nicht ausgeschöpft und damit den Werkplatz Schweiz geschwächt.