Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Überfüllte Züge: Unter diesen Umständen dürfen Passagiere ohne Aufpreis in der 1. Klasse fahren

Wird es in der 2. Klasse zu eng, erhalten SBB-Kunden unter bestimmten Umständen einen gratis Klassenwechsel. Das Zugpersonal entscheidet, wann Passagiere in die 1. Klasse geschickt werden.
Gabriela Jordan und Patrik Müller
Passagiere warten auf einem Perron am Bahnhof Bern, bis sich die Türen eines Intercitys öffnen. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone (7. September 2018))

Passagiere warten auf einem Perron am Bahnhof Bern, bis sich die Türen eines Intercitys öffnen. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone (7. September 2018))

Zur abendlichen Stosszeit vergangene Woche: Der Zug aus Olten nach Baden ist überfüllt. Als in Aarau weitere Pendler zusteigen, macht der Kondukteur keine Billettkontrollen, sondern geht stattdessen durch die überfüllten Waggons und lädt die stehenden Passagiere ein: «Gehen Sie in die 1. Klasse, dort hat es noch freie Plätze.» Das Angebot wurde von zahlreichen Pendlern dankend angenommen. Gratis in die 1. Klasse? Üblich ist eigentlich das Lösen eines Klassenwechsels. Kurzfristig, wenn die 2. Klasse überfüllt ist, ist das über die Handy-App möglich. Im SBB-Angebot sind aber auch Tages-Klassenwechsel (52 Franken) oder Klassenwechsel für einen ganzen Monat (225 Franken).

Der Kondukteur entscheidet, wann es gratis ist

Dass Passagiere ohne Aufpreis in die 1. Klasse wechseln dürfen, kommt laut den SBB eher selten vor. Die Entscheidung liege dabei in der Kompetenz des Zugpersonals: «In einzelnen Fällen kann ein Kundenbegleiter Fahrgästen einen Wechsel in die 1. Klasse umsonst anbieten», sagt ein SBB-Sprecher. «In der Regel handelt es sich um Fahrgäste, die auf einen Sitzplatz angewiesen sind.» Wie das anfangs beschriebene Beispiel zeigt, kommen jedoch auch mal andere 2.-Klasse-Passagiere in den Genuss eines Gratis-Klassenwechsels.

Der SBB-Sprecher bestätigt, dass Zugbegleiter beispielsweise in stark überfüllten Pendlerzügen Leute punktuell in die 1. Klasse schicken können. «Die Kundenbegleiterinnen und Kundenbegleiter haben diese Kompetenz, ein Anspruch darauf besteht aber nicht.» Richtlinien oder Vorgaben zur dafür nötigen Auslastung gebe es nicht, ebenso wenig eine Erhebung, wie oft es zu der Massnahme kommt. Doch was bedeutet das für diejenigen Passagiere, die ein teureres Billett für die 1. Klasse besitzen oder eigens für die Strecke einen Aufpreis gezahlt haben? Dürfen sie ihr Geld zurückverlangen? Nein. Auf die Reisenden mit einem Billett 1. Klasse habe dies keinen Einfluss, sagt der Sprecher. Ihnen stünden die 1.-Klass-Wagen «selbstverständlich weiterhin zur Verfügung».

Zugwagen werden situativ umbenannt

Um eine zu hohe Auslastung der Züge zu vermeiden, setzen die SBB verschiedene Mittel ein. Auf sehr stark befahrenen Strecken sind die Züge länger und doppelstöckig, auch wird das Passagieraufkommen durch Sparbillette gelenkt. Situativ werden Wagen 1. Klasse zudem zu 2.-KlassWagen umbenannt. Laut den SBB kommt dies regelmässig im Freizeitverkehr vor, wenn der zur Verfügung stehende Zug verhältnismässig viele 1.-Klass-Wagen und wenige 2.-Klass-Wagen aufweist. «Die Abklassierung eines Waggons wird meistens proaktiv gemacht – beispielsweise wenn nach einem schönen Herbstwochenende absehbar ist, dass die Zahl der Sitzplätze in der 2. Klasse nicht ausreichend sein wird.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.