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Micky Maus und Europapark als Inspiration für die SBB-Bahnhöfe

Die Bundesbahnen wollen Bahnhöfe attraktiver machen. Darum suchen sie die Inspiration in anderen Sektoren.
Benjamin Weinmann
Cartoonfigur und neu SBB-Inspiration: Micky Maus. Bild: Keystone

Cartoonfigur und neu SBB-Inspiration: Micky Maus. Bild: Keystone

Die grossen Bahnhöfe sind schon längst mehr als nur ein Umsteigeort. Die SBB haben aus ihren Verkehrszentren Shoppingcenter gemacht. Dank den vielen Pendlern weisen die Shops an den grossen Bahnhöfen Quadratmeterumsätze auf, die andere Händler neidisch zurücklassen. Mit einer totalen Detailhandelsfläche von 115 000 Quadratmetern betreiben die Bundesbahnen quasi den grössten Konsumtempel der Schweiz.

Doch das ist den SBB nicht genug, wie die Immobiliensparte in einem firmeneigenen Blog schreibt. Man sei bestrebt, die Bahnhöfe noch attraktiver zu machen: «Kunden sollen hier nicht nur innert zwei Minuten umsteigen können, sie sollen auch in kürzester Zeit ihre wichtigsten Einkäufe und Besorgungen erledigen und zum Zahnarzt oder Coiffeur gehen können.»

Die zehn Gebote der Maus

Um diesem Ziel näher zu kommen, beschreiten die SBB neue Wege, die auf den ersten Blick ungewöhnlich anmuten. Sie suchen Rat in der Unterhaltungs- und Freizeitindustrie. Um sich inspirieren zu lassen, habe eine SBB-Delegation im Dezember Experten des deutschen Europaparks getroffen. Dieser sei mit rund 5,6 Millionen Besuchern im Jahr der meistbesuchte Freizeitpark im deutschsprachigen Raum, und seit 2014 habe er jedes Jahr die höchste Branchenauszeichnung gewonnen. Im Blog schreibt SBB-Manager Bruno Lochbrunner im Nachgang zum Treffen: «Neben Informationen, wie der Europapark die Leute ‹verzaubert› und unterhält, erhielten wir diverse Ideen zur Begrünung, Farbe, Licht und wie die Digitalisierung eingesetzt werden kann, um Emotionen zu schaffen.» Eine erfolgsversprechende Methode sei beispielsweise das sogenannte Storytelling, um Informationen erzählerisch zu vermitteln.

Passanten mit Einkaufstüten. (Bild: Gaetan Bally/Keystone, Bern, 30. Oktober 2005)

Passanten mit Einkaufstüten. (Bild: Gaetan Bally/Keystone, Bern, 30. Oktober 2005)

Doch der Europapark ist den SBB nicht genug, wie der Betrieb im Blog schreibt. Auf der Suche nach Vorgaben, an die sich ein Freizeitpark halten sollte, sei man zudem auf «Mickey’s 10 Commandments» gestossen – den zehn Geboten von Disneys Micky Maus. Davon seien vor allem drei auch für die SBB interessant. Erstens sollten Mitarbeitende die Anlagen so oft wie möglich selber besuchen. Zweitens gelte es, alle nonverbalen Kommunikationsformen zu nutzen, wie Farbe, Form oder Textur. Und drittens müsse ein Freizeitpark – oder aus Sicht der SBB ein Bahnhof – eine klare Identität aufweisen.

Erste Schritte habe man bereits gewagt, wie zum Beispiel mit der Platzierung von Pianos in zahlreichen Bahnhöfen der Schweiz, auf denen Passanten spielen konnten. Vergangenen Herbst liessen die SBB zudem Musiker schweizweit auftreten. Und auch die App-Funktion «Fast Lane» für das schnellere Einkaufen wird als Beispiel genannt. Solche Neuerungen seien wichtig. Denn positive Kundenerlebnisse schaffe man nicht mit Grundleistungen wie Sauberkeit und Sicherheit.

«Splash Mountain» im Hauptbahnhof?

So haben sich die SBB unter anderem zum Ziel gesetzt, den Zürcher Hauptbahnhof zum digitals­ten Bahnhof der Welt zu machen. Die «Mein Bahnhof»-App soll die Orientierung verbessern, Roboter die Belieferung der Geschäfte unterstützen und die sogenannte Augmented-Reality-Technologie interaktive Verkehrsinformationen auf dem Handybildschirm ermöglichen.

Mit einer Wasserrutschbahn sowie dem «Splash Mountain» im Disneyland ist im HB aber vorläufig nicht zu rechnen – trotz Mickys Inspiration.

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