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SBB-PRÄSIDENTIN: «Sie sind ein Vorbild, Frau Ribar!»

Verkehren bald flächendeckend selbstfahrende Züge auf dem Schweizer Schienennetz? Nein, sagt Monika Ribar. Zu ihren umstrittenen Mandaten bei Sika oder in Angola äussert sich die Top-Managerin nicht.
Jürg Ackermann
Will Frauen zu Karrieren animieren: SBB-Präsidentin Monika Ribar. (Bild: Ralph Ribi (St.Gallen, 4. Mai 2018))

Will Frauen zu Karrieren animieren: SBB-Präsidentin Monika Ribar. (Bild: Ralph Ribi (St.Gallen, 4. Mai 2018))

Jürg Ackermann

Zwei Küsschen da, ein Handschlag hier. Als Monika Ribar den Campus der Uni St. Gallen betritt, ist es wie ein Nach-Hause-Kommen. Hier hat sie studiert. Hier hat sie sich einen Freundeskreis aufgebaut, der bis heute hält. Hier hat sie sich die intellektuellen Werkzeuge geholt, um «Probleme in verschiedensten Feldern lösen zu können», wie sie später im Gespräch am Rande des St. Gallen Symposiums sagen wird. Monika Ribar, die wohl einflussreichste Frau in der Schweizer Wirtschaft, hat keine leichte Zeit hinter sich. Als vor sechs ­Monaten die Paradise Papers ihr Beratungsmandat für ein zwielichtiges angolanisches Hafenprojekt publik machten, geriet sie ins Kreuzfeuer der Kritik. Ihre Entschuldigung, sie habe vergessen, das Mandat vor ihrer Wahl zur SBB-Chefin anzugeben, glaubten nicht alle.

Befürchtet sie einen Imageschaden? Was sagt sie dazu, dass die Gelder der Firma Capoinvest, bei der sie im Verwaltungsrat sass, diese Woche von einem englischen Gericht eingefroren wurden? Ribar winkt ab. «Es gibt über Capoinvest nichts mehr zu sagen.» Genauso wenig wie über ihr VR-Mandat bei Sika, wo seit Jahren ein heftiger Machtkampf tobt. «Das ist wie in jedem Unternehmen. Nur der CEO und der VR-Präsident geben Auskunft. Ich äussere mich dazu nicht.»

«Wollen Sie in einen Zug ohne Lokführer sitzen?»

Monika Ribar sitzt in einem Ledersessel in einem kleinen Seminarraum der Uni St. Gallen. So wortkarg sie sich zu Sika oder Capoinvest gibt, so wortreich skizziert sie die digitale Zukunft der SBB, zu der sie zuvor an einem Workshop am Symposium gesprochen hat. Bald können die Passagiere auf einzelnen Strecken ohne Ticket fahren. Die Abrechnung erfolgt über das Smartphone – und das erst noch zum besten Preis. Bald schon sollen die Kunden der SBB nicht nur von Bahnhof zu Bahnhof fahren können, sondern über Kooperationen mit Taxiunternehmen direkt vor der Haustür abgeholt werden. Und mit SmartRail 4.0 sollen auf dem bestehenden Schienennetz mit cleverer Planung bis zu 30 Prozent mehr Züge verkehren. Dass selbstfahrende Züge im Schweizer Schienennetz eines Tages flächendeckend Realität werden, glaubt Ribar jedoch nicht. «Wollen Sie in einen Zug sitzen, der nur noch mit Passagieren besetzt ist – in einem so dicht befahrenen System mit so vielen Kreuzungen und Weichen? Ich glaube, da ­wären viele skeptisch.»

Der Primarlehrer erkennt als Erster ihr Potenzial

Seit zwei Jahren steht Ribar als erste Frau an der Spitze des Verwaltungsrates der SBB. Ihre derzeit grösste Herausforderung: die Kapazitäten so ausbauen, dass die Bahn die stets steigenden Pendlerströme am Morgen früh und am Abend bewältigen kann. Dabei sind die Züge im Durchschnitt nur zu 30 Prozent ausgelastet. Ribar ist gegenüber teureren Tickets für Pendler, um die Spitzen zu brechen, jedoch skeptisch. «Beim Mobility Pricing müssen wir vorsichtig sein. Es gibt hier auch soziale Komponenten. Wenn eine Mutter ihr Kind mit dem Zug in die Krippe bringen muss, dann ist sie nicht flexibel, dann soll sie auch nicht einen höheren Preis zahlen.»

Die Top-Managerin will Vorbild für junge Frauen sein

Vor dem Gespräch ist eine Studentin auf sie zugekommen: «Sie sind ein Vorbild für mich, Frau ­Ribar!» Es sind auch solche Begegnungen, aus denen die SBB-Präsidentin Energie schöpft. Sie hofft, dass sich daraus Multiplikatoreneffekte ergeben. Dass sie junge Frauen ermutigen kann, zu Entscheidungsträgerinnen zu werden. Die 58-jährige Ribar, die fast täglich Sport treibt und in ihrer kargen Freizeit mit Begeisterung kocht, weiss, wie schwer sich viele Frauen mit Karrieren in Unternehmen noch immer tun, wie schwer ihnen das Leben zuweilen gemacht wird. Sie sei überzeugt, dass gemischte Teams zu besseren Entscheidungen kommen, weil sie Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten, sagt Ribar, die den «für eine Karriere einfacheren, kinderlosen Weg» wählte. Aber Karrieren würden sich auch ohne Kinder nicht einfach so ergeben. «Man muss etwas gerne machen und bereit sein, auf vieles zu verzichten. Sonst geht es nicht. Bei Männern und bei Frauen.»

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