SBB vor heikler Bonus-Frage

SBB-Verwaltungsrat diskutiert über die Bezüge von Bahn-Chef Andreas Meyer. Neben dem Fixlohn von 540000 Franken soll Meyer nämlich einen Bonus von mehreren hunderttausend Franken erhalten.

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Tobias Gafafer

Die SBB sind im vergangenen Jahr trotz Krise sehr erfolgreich gefahren. Laut Branchenvertretern soll der Gewinn sogar noch über jenem des Vorjahres von 345 Millionen Franken liegen. Die SBB bestätigen ein «gutes Resultat», wollen den Gewinn mit Verweis auf die Bilanzmedienkonferenz vom April aber nicht weiter kommentieren. Sprecher Reto Kormann sagt nur, dass die SBB gut gearbeitet und «anspruchsvolle Ziele» übertroffen hätten. Dies gilt besonders für Konzernchef Andreas Meyer. Sein Bonus berechnet sich nach den Zielen Jahresergebnis, Pünktlichkeit und Sicherheit, welche der Verwaltungsrat 2008 festgelegt hat. Laut Recherchen dieser Zeitung hat Meyer diese Ziele je zu gegen 150 Prozent erreicht. Neben dem Fixlohn von 540000 Franken soll Meyer damit einen Bonus von mehreren hunderttausend Franken erhalten, wie ein Insider sagt.

SBB-Sprecher Kormann will die Höhe der Boni nicht kommentieren und verweist auf den Verwaltungsrat, welcher für die Verabschiedung zuständig ist. Laut zwei unabhängigen, gut unterrichteten Quellen sorgt die Höhe von Meyers Bonus im SBB-Verwaltungsrat tatsächlich für Diskussionen. Offenbar musste der Konzernchef vor dem Gremium antraben. Der Verwaltungsrat hat das Jahresergebnis und damit auch die Höhe der Boni noch nicht genehmigt. Denn das Thema ist derzeit politisch hoch umstritten – umso mehr, als es sich bei den SBB um ein bundeseigenes Unternehmen handelt. Meyers hohe Bezüge sorgten schon mehrfach für Schlagzeilen. Zudem beziffern die Bundesbahnen den Zusatzbedarf für ihren teilweise vernachlässigten Netzunterhalt auf 850 Millionen Franken pro Jahr; davon soll der Bund einen stattlichen Teil übernehmen. Doch damit nicht genug: Wenn es nach dem Bundesrat geht, soll die Eidgenossenschaft 1,1 Milliarden an die unterdeckte SBB-Pensionskasse zahlen. Und bereits ab Dezember steigen die Billettpreise um rund 6,4 Prozent.

Die SBB ihrerseits stellen sich auf den Standpunkt, dass Boni Anreize schafften, bessere Resultate zu erzielen. SBB-Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi möchte die Lohn- und Bonuspolitik der SBB grundsätzlich überdenken. Laut dem «Sonntag» plant der Verwaltungsrat, langfristige Erfolgsanreize zu setzen.

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