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SCHACHEN: Den Medikamenten-Fälschern auf der Spur

MSD Schweiz hat bei Werthenstein Biopharma ein neues Labor eröffnet, wo Verdachtsfälle von gefälschten Medikamenten untersucht werden. Das Thema wird für Pharmaunternehmen immer wichtiger.
Maurizio Minetti
Mit Hilfe spezieller Instrumente wird im neuen Labor die Beschaffenheit von Tabletten untersucht. (Bild: MSD (Schachen, 22. März 2018))

Mit Hilfe spezieller Instrumente wird im neuen Labor die Beschaffenheit von Tabletten untersucht. (Bild: MSD (Schachen, 22. März 2018))

Maurizio Minetti

«Das ist nur die Spitze des Eisbergs», sagt Anthony Zook. Der Amerikaner ist beim Medikamentenhersteller MSD zuständig für die Produktintegrität. Sprich: Er bekämpft Medikamentenfälschungen. MSD untersuchte letztes Jahr weltweit 884 Verdachtsfälle, bei denen Medikamente gefälscht, illegal umgeleitet oder gestohlen wurden. In der Schweiz gab es letztes Jahr zwar lediglich zwei Fälle von illegal abgefangenen MSD-Medikamenten, die in einem anderen Land verkauft wurden. Die Eidgenössische Zollverwaltung hat gleichzeitig aber 1060 Sendungen mit illegal importierten Medikamenten sichergestellt. Das sind etwas mehr als im Vorjahr. Am häufigsten werden nach wie vor Potenzmittel illegal importiert, gefolgt von Arzneimitteln mit Abhängigkeitspotenzial wie Psychopharmaka, Schlaf- und Beruhigungsmittel. Laut dem Heilmittelinstitut Swissmedic wurde ­erneut eine grosse Zahl medizinisch ­wichtiger, rezeptpflichtiger Arzneimittel wie Antibiotika oder Schmerzmittel beschlagnahmt.

Studien zeigen, dass es weltweit ­immer mehr pharmazeutische Kriminalfälle gibt. In den Jahren zwischen 2012 und 2016 nahm die Zahl der Vorfälle um 56 Prozent zu (siehe Grafik). MSD geht davon aus, dass ein grosser Teil der Fälle unentdeckt bleibt. «Es gibt eine hohe Dunkelziffer», sagt Zook.

Schweizer Standort wird gestärkt

Weil das Thema immer wichtiger wird, hat das Pharmaunternehmen nun entschieden, die Aktivitäten in diesem Bereich zu verstärken. Gestern ist in Schachen bei der MSD-Tochter Werthenstein Biopharma ein neues forensisches Labor eröffnet worden, wo ab Mai Verdachtsfälle von gefälschten MSD-Medikamenten untersucht werden. Dieses Labor wird forensische Untersuchungen für die Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika durchführen. Es wird eines von drei solcher Zentren von MSD weltweit sein.

Zwar bekämpft MSD seit nunmehr zehn Jahren Produktfälschungen, doch bislang ohne dedizierte Labore. Foren­sische Untersuchungen liess MSD bislang von einem Partnerunternehmen in England durchführen. Drei Spezialistinnen kümmern sich nun in Schachen darum, Fälschungen von Originalprodukten zu unterscheiden. Die Resultate sollen gegebenenfalls vor Gericht verwendet werden können, um entsprechende Strafverfolgungen zu unterstützen.

Die Verantwortlichen bei MSD demonstrierten gestern, wie Verdachtsfälle in Schachen untersucht werden. Ein Produkt durchläuft dabei mehrere ­Stationen. Angefangen wird bei einem Scanner für die Verpackung. Dank Grossaufnahmen wird hier ersichtlich, ob zum Beispiel der Schriftzug vom ­Original abweicht. Gefälschte Hologramme auf den Schachteln, die mit dem blossen Auge nicht vom Original zu unterscheiden sind, werden in der Vergrösserung als Fälschungen erkannt. An weiteren Stationen wird mit 3D-Scannern die Beschaffenheit von Tabletten mit dem Original verglichen. Schon minime Abweichungen werden von einem speziellen Programm erkannt. Später sollen auch Röntgengeräte beschafft werden. Etwa eine Woche dauert es, bis ein Produkt alle Stationen durchlaufen hat.

Für MSD in Schachen ist die Eröffnung des Labors ein Prestigeprojekt, wie Standortleiter Peter Hofstetter sagt: «Damit können wir unsere Kompetenzen erweitern.» Der Schweizer Standort werde dadurch gestärkt.

Die Fälscher sitzen in Asien

Auf die finanziellen Auswirkungen von Medikamentenfälschungen angesprochen, sagt Anthony Zook: «Es gibt natürlich einen starken Einfluss auf die Umsätze, aber uns geht es nicht darum.» Die Bedeutung für die Finanzen des Unternehmens sei nicht vergleichbar mit jener für die Patienten. «Es darf nicht sein, dass Patienten gefälschte Medikamente bekommen, die verunreinigt sind oder zu wenig, zu viel oder gar keinen Wirkstoff haben. Die Patientensicherheit steht für uns an vorderster Stelle.»

Der Kampf gegen die Fälscher sei ein ewiges Katz-und-Maus-Spiel. «Wir versuchen, wie Kriminelle zu denken, um ihnen einen Schritt voraus zu sein», sagt Zook. Der Trend zum Online-Handel von Medikamenten habe die Situation in den letzten Jahren noch weiter verschärft. «Wir empfehlen, Medikamente nur über sichere, etablierte Kanäle zu beziehen.»

Und wo sitzen die meisten Fälscher? Diese Frage sei gar nicht so einfach zu beantworten, sagt Zook, denn die Kriminellen versuchten stets, ihre Spuren zu verwischen. Studien zeigen, dass prozentual gesehen die meisten Verhaftungen im asiatischen Raum zu verzeichnen sind. China wird dabei immer wieder genannt. Aber auch in Lateinamerika oder Russland gibt es immer mehr Fälscher.

Bild: jn

Bild: jn

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