Generalversammlung
Schaffner-Aktionäre nehmen neue Statuten klar an

Die Premiere ist gelungen: Die 160 anwesenden Aktionäre des Elektronikkomponenten-Herstellers Schaffner haben als erste ihre erweiterten Bestimmungsrechte ausgeübt - und alle neuen Bestimmungen der Abzocker-Initiative diskussionslos durchgewinkt.

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v.l. Herbert Bächler, Kurt Ledermann, Daniel Hirschi und CEO Alexander Hagemann.

v.l. Herbert Bächler, Kurt Ledermann, Daniel Hirschi und CEO Alexander Hagemann.

Hanspeter Bärtschi

"Heute erleben wir eine Premiere", hatte Verwaltungsratspräsident, Daniel Hirschi, die 18. Generalversammlung des Solothurner Unternehmens vielsagend eingeläutet. Erstmals verfügten Aktionärinnen und Aktionäre über deutlich mehr Bestimmungsrechte aufgrund der Abzockerinitiative und der entsprechenden "Verordnung gegen übermässige Vergütungen bei börsenkotierten Aktiengesellschaften (VegüV)".

Die Einladung an die Anteilseigner für die Generalversammlung zählte zwölf Seiten, anstelle von normalerweise vier Seiten. Der Aufwand für die Vorbereitung der GV - aufgrund der zahlreichen Statutenanpassungen - sei deutlich grösser gewesen, sagte Hirschi.

"Noch sind nicht alle Punkte geregelt", sagte er. Der Verwaltungsratspräsident strich insbesondere die viel diskutierten Vergütungsregelungen hervor; ob die Fixlöhne und Boni für das Management und den Verwaltungsrat vorgängig oder erst nach Bekanntwerden der Jahreszahlen abgesegnet werden sollen.

"Für Schaffner ist die Sachlage aber klar: Nur die prospektive - also vorgängige - Abstimmung bringt Rechtssicherheit für das Unternehmen", betonte Hirschi.

Keine Diskussion

Für die Aktionäre war dieser Punkt unumstritten. Mit 90,36 Prozent Ja-Stimmen folgten die Aktionäre ihrem Präsidenten. Wortmeldungen wurden keine ergriffen. Hirschi zeigte sich überrascht: "Ich hätte schon die eine oder andere Wortmeldung erwartet", sagte er nach der Versammlung. Aber offenbar sei dies in Firmen wie Schaffner - mit zwar guten Löhnen aber ohne Lohnexzessen - kein Problem.

Der gesamte Verwaltungsrat erhielt im Geschäftsjahr 2012/13 rund 485'000 Franken zugesprochen. Die Geschäftsleitung erhielt insgesamt 2,67 Mio. Franken, wovon Konzernchef Hagemann mit 958'000 Franken die höchste Entschädigung einstrich.

Alle wiedergewählt

Eine weitere wichtige Neuerung der VegüV ist, dass die Generalversammlung das Präsidium, die Verwaltungsräte, den Vergütungsausschuss sowie den unabhängigen Stimmrechtsvertreter einzeln und für die Dauer eines Jahres wählt. Die Abstimmungen sind bindend. Blosse Konsultativabstimmungen sind dazu nicht mehr zulässig.

Alle Verwaltungsratsmitglieder - Suzanne Thoma, Herbert Bächler, Gerhard Pegam, Daniel Hirschi und Georg Wechsler - sowie Hirschi als Verwaltungsratspräsident wurden mit über 99 Prozent wiedergewählt. Dasselbe gilt für den Vergütungsausschuss, den Stimmrechtsvertreter sowie die Revisionsstelle. (sda)

Die Schaffner-GV im Live-Ticker:

Damit ist die erste GV gemäss den Minder-Spielregeln unspektakulär über die Bühne gegangen. VRP Hirschi zeigt sich sehr zufrieden. «Für heute haben wir Geschichte geschrieben - jetzt haben wir einen Apéro verdient.»

Nächstes Traktandum: Es geht um die Anpassung der Statuten der Gesellschaft an die Verordnung gegen übermässige Vergütungen bei börsenkotierten Aktiengesellschaften (VegüV). Es gibt hier handfeste Elemente wie eine Obergrenze für Mandate und sehr technische Vorschriften.
VRP Hirschi weist darauf hin, dass eine Abstimmung über die einzelnen Punkte die Generalversammlung «sehr in die Länge» ziehen würde. Er schlägt eine Abstimmung in drei Bündeln vor. Allerdings fällt die Zustimmungsquote teilweise auf 90 Prozent. Leises Gemurmel im Saal.

Das fünfte Traktandum ist die Herabsetzung des bedingten Aktienkapitals von 2'351'115 um 1'311'115 auf 1'040'000 Franken und eine Änderung der Statuten.
Bis jetzt gab es keine einzige Wortmeldung von Aktionären. Und es gibt auch kaum Gegenstimmen.

Es folgen die Wahlen zum Verwaltungsratspräsidium. Daniel Hirschi wird mit einem Glanzergebnis bestätigt.

Auch die Wahl der Mitglieder des Vergütungsausschusses geht schlank über die Bühne. Frau Thoma und die Herren Hirschi und Bächler werden diskussionslos mit jeweils mehr als 99 Prozent Zustimmung wiedergewählt.

Verwaltungsräte können jeweils nur noch bis zur nächsten Generalversammlung gewählt werden.

Zuerst geht es um die Wiederwahl von Daniel Hirschi als Mitglied des Verwaltungsrates bis zum Abschluss der nächsten ordentlichen Generalversammlung. Er bekommt fast 100 Prozent der Stimmen.

Dann geht es um die Wiederwahl von Herbert Bächler als Mitglied des Verwaltungsrates bis zum Abschluss der nächsten ordentlichen Generalversammlung.
Auch bei ihm gibt es kaum Gegenstimmen.

Weiter geht es um die Wiederwahl von Gerhard Pegam als Mitglied des Verwaltungsrates bis zum Abschluss der nächsten ordentlichen Generalversammlung.
Der Ja-Anteil liegt nahe bei 100 Prozent.

Es folgt Suzanne Thoma als Mitglied des Verwaltungsrates bis zum Abschluss der nächsten ordentlichen Generalversammlung.
Auch sie kommt auf ein Glanzergebnis mit mehr als 99 Prozent Ja-Stimmen.

Schliesslich folgt die Wiederwahl Georg Wechsler als Mitglied des Verwaltungsrates bis zum Abschluss der nächsten ordentlichen Generalversammlung.
Auch der letzte Kandidat kommt auf fast 100 Prozent Ja-Anteil.

Drittes Traktandum: Entlastung der verantwortlichen Organe. Über 99 Prozent Ja-Stimmen.
Kontroverse Punkte folgen erst jetzt.

Zweite Abstimmung: Beschlussfassung über die Verwendung des Bilanzgewinnes, Zuweisung aus dem Agio (Reserven aus Kapitaleinlagen) in freie Reserven aus Kapitaleinlagen und verrechnungssteuerfreie Ausschüttung aus freien Reserven aus Kapitaleinlagen. Auch hier gibt es über 99 Prozent Zustimmung.

Erstes Traktandum: Mit über 99 Prozent Zustimmung wird der Jahresgewinn bewilligt.

Erstes Traktandum der Abstimmung: Genehmigung des Jahresberichtes und der Jahresrechnung für das Geschäftsjahr 2012/2013.

Die Regeln der Vergütung sind laut VRP Hirschi im Geschäftsbericht aufgeführt: Wichtige Mitarbeiter sollen gehalten werden, die Vergütung soll leistungs- und marktgerecht sein und eine Balance von kurz- und langfristigen Zielen widerspiegeln.

Gesamtentschädigung des VR wird von 447000 auf 493000 Franken erhöht.

Höchste Gesamtentschädigung: 958000 Franken, davon 480000 als Festlohn, für den CEO. Das ist ein Plus von 196000 Franken.
Für die weiteren Mitglieder der Geschäftsleitung gibt es weitere Leistungen von 2,67 Millionen Franken.

Es wird über die Grundsätze der Vergütung abgestimmt. Ab der GV 2015 soll auch für das folgende Geschäftsjahr abgestimmt werden.

Verwaltungsratspräsident Daniel Hirschi stellt die Präsenz von 160 Aktionären fest. Die repräsentieren 59,6 Prozent der Stimmen. Das absolute Mehr liegt bei knapp 199000 Stimmen, das Zweidrittelmehr bei 253000 Stimmen.

Schaffner ist in schweizerischer Hand: Laut Finanzchef Kurt Ledermann halten Aktionäre aus der Schweiz 80 Prozent der Aktien direkt, über Fonds oder über Pensionskassen.
Die später am Abend kommenden Abstimmungen werden deshalb die Befindlichkeit schweizerischer Aktionäre direkter widerspiegeln als bei multinationalen Konzernen.

«Wir sehen eine leichte Markterholung in Europa und in China haben wir schon fast eine marktbeherrschende Stellung erreicht.» CEO Alexander Hagemann streicht die Leistungen des Top-Managements heraus. «Wir konnten neue Produkte einführen und konnten unsere Position verbessern.» Die Präsentation ähnelt stark der letzten Bilanzpressekonferenz: Selbst kleinste Details wie der Abschluss grösserer Infrastrukturvorhaben, die Rückwirkungen auf den Schaffner-Geschäftsgang hatten, werden aufgeführt. «Erfreulich sind die Fortschritte der Bahntechnik auf dem russischen Markt», gibt sich Hagemann zuversichtlich.

«Schaffner zurück auf Wachstumskurs» sagt CEO Alexander Hagemann. Er erwartet wegen der Energiemärkte, die weltweit im Umbruch sind, längerfristiges Wachstum. Schaffner beliefert die Firmen, die beitragen, den Energiemix zu erweitern und mit Energie sparsamer umzugehen. «In allen Geschäften gibt es grosse Chancen».

«Mehr Aufwand wegen Minder« sagte Verwaltungsratspräsident Daniel Hirschi. Anstatt der 4 Seiten wie bisher mussten jetzt 12 Seiten gedruckt werden. Die Anpassung der Reglemente ist noch nicht abgeschlossen. Und lediglich die Vorab-Abstimmung schaffe Rechtssicherheit. Eine spätere Abstimmung über die Entschädigungen wäre möglicherweise anfechtbar.

Der Dividendenvorschlag liegt aufgrund des erfreulichen Geschäftsgangs bei 4.50 Franken.

Die GV ist die erste in der Schweiz, die unter den neuen Regeln nach der Zustimmung der Minder-Initiative stattfindet: Die Aktionäre könnten über die Höhe der Entschädigung für das Top-Management und den Verwaltungsrat abstimmen.

Allerdings gibt es über die Modalitäten noch unterschiedliche Auffassungen: Denn noch nicht alle Firmen können ihre Aktionäre elektronisch abstimmen lassen. Und es wird bei Schaffner über die Entschädigung abgestimmt, bevor das Jahresergebnis feststeht.

Mehr als 250 Aktionäre, mehr als doppelt so viele wie im letzten Jahr, haben sich im Landhaus in Solothurn zur Generalversammlung von Schaffner eingefunden.

Es tickert für Sie: az-Wirtschaftsredaktor Matthias Niklowitz