Industrie
Schaffner setzt sich ambitiöse Ziele

Stromfilter wie sie Schaffner herstellt erobern immer neuer Anwendungsfelder wie Elektroautos, Flachbildschirme und neuerdings auch Schiffsantriebe

Matthias Niklowitz
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Schaffner-CEO Alexander Hagemann. (Archiv)

Schaffner-CEO Alexander Hagemann. (Archiv)

Keystone

Wenn die Motoren in einem schnittigen Tesla-Sportwagen oder einem BMW-i3er-Flitzer leise schnurren, ist Schaffner mit im Spiel. Denn der spezialisierter Hersteller von Stromfiltern mit Hauptsitz in Luterbach wächst auch dank den Ladestationen für Elektroautos. Für dieses Jahr sieht man sich auch Wachstumskurs. «Auch in den letzten beiden Monaten ist das Geschäft im Rahmen unserer Erwartungen weiter gewachsen, wir werden deshalb unsere Wachstumsziele für dieses Jahr erreichen können», sagte Schaffner-CEO Alexander Lehrmann gestern von Analysten und Investoren in Zürich. Für das laufende Geschäftsjahr hat sich Lehrmann ein Umsatzwachstum zwischen 10 und 15 Prozent vorgenommen. Damit würde der Gesamtumsatz auf rund 220 Millionen Franken steigen. Das soll nicht zulasten des Gewinns oder der Forschungsanstrengungen gehen - im Gegenteil: Die Betriebsgewinnmarge soll gleich um die Hälfte auf 7 Prozent gesteigert werden und bei den Entwicklungsbudgets gibt es ebenfalls keine Abstriche.

Gefragte Technologie

«Die Bauteile von Schaffner sind überall gefragt, wo Motoren drehen», so Hagemann weiter. Denn die Filter halten Störungen von Motoren fern und sie verlängern die Lebensdauer von Motoren und Generatoren. Selbst in reifen Märkten wie in Europa gibt es hierfür neue Wachstumsgebiete wie beispielsweise Stromlade-Stationen für Elektroautos oder die grossen LED-Flachbildschirme. Und ab dieser Woche ist auch ein Schaffner-Filter für Hochseeschiffe offiziell zugelassen worden. Moderne Schiffe werden nicht mehr einfach durch einen Diesel-Motor angetrieben, sondern der Diesel treibt Generatoren, die wiederum die Elektromotoren mit Strom versorgen. Diese fein steuerbaren Elektromotoren treiben dann das Schiff an. Die Sache funktioniert aber nur, wenn entsprechende Stromfilter eingebaut sind.

Das globale Wachstum wird aber längst nicht nur mehr durch China getrieben. «Die Investitionen in Infrastruktur gehen zwar auch in China weiter und aufgrund des steigenden Lohndrucks kommen Firmen in China nicht umhin, ihre Fabriken zu automatisieren.» Dafür baucht es auch Motoren, welche Förderbänder und Automaten antreiben - und die wiederum benötigen die Stromfilter von Schaffner. «Es gibt allerdings auch beträchtliche Überkapazitäten in China», warnt Hagemann, «zudem ist die Wirtschaft auf einem Umbaukurs.» Geschäfte machen sei in China eigentlich einfach. «Man muss den Markt entweder sehr gut kennen - oder gar nicht, sonst investiert man gar nicht in China», so Hagemann. Auch das chinesische Schlüsselpersonal kann gehalten werden, wenn man eine Loyalität zu den lokalen Spitzenmanagern aufbaut.

Wachstumsmarkt USA

Mehr Wachstumschancen sieht Hagemann in den USA. «Es gibt eine Reihe von sehr positiven Faktoren, die für Nordamerika sprechen.» So sei der öffentliche Verkehr in einer Reihe grosser US-Städte völlig veraltet. Hinzu kommen die lokalen niedrigen Energiepreise, die durch den Boom bei der Schieferöl- und Gasförderung die Spielregeln im globalen verarbeitenden Industriegeschäft verändert haben. Die USA ist dadurch wieder zu einem attraktiven Standort geworden und etliche Firmen verlegen ihre Fertigung aus Asien wieder zurück nach Nordamerika, auch, weil die Transportkosten aus China gestiegen sind. «Und nicht nur bei Infrastruktur, auch bei Energie, Energiesparen und die Rohölindustrie sind attraktive Wachstumsfelder für uns», sagte Hagemann weiter.
Wachsen will Schaffner in Nordamerika über Zukäufe und organisch. Helfen soll auch eine verbesserte Zusammenarbeit mit lokalen Distributoren.

Im April hatte man den Transformatorenhersteller Trenco für 9 Millionen Franken gekauft. «Wir sind in der Lage, einmal pro Jahr eine grössere Akquisition vorzunehmen», sagte Hagemann. Die eigene Organisation ist laut Hagemann auf einen Umsatz von 300 Millionen ausgelegt - da bleibt Raum (auch) für Zukäufe, auch wenn man im besten Fall schon 2016 fast diese Marke erreichen wird. Das Universum der attraktiven Ziele umfasse rund ein Dutzend Firmen weltweit mit Schwerpunkten in Europa und Nordamerika. «Die beobachten wir natürlich genau, und wenn so ein Unternehmen auf den Markt kommt, muss man rasch handeln.» Auch wenn es mal ausserhalb des Jahres-Rhythmus liegt.