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SCHIFFFAHRT: «Der See wird nicht grösser»

Die SGV-Gruppe hat sich zu einem breit abgestützten Unternehmen gemausert. Im Juli jährt sich ein historisches Ereignis, bei dem eines ihrer Dampfschiffe eine wichtige Rolle spielte.
SGV-Direktor Stefan Schulthess inmitten der Dampfschiffe bei der Werft Luzern. (Bild: Pius Amrein)

SGV-Direktor Stefan Schulthess inmitten der Dampfschiffe bei der Werft Luzern. (Bild: Pius Amrein)

INTERVIEW RAINER RICKENBACH

Stefan Schulthess, am 25. Juli ist es 75 Jahre her, seit General Henri Guisan das Offizierskader der Schweizer Armee zum legendären Rütli-Rapport aufbot. Wie feiert die SGV das historische Ereignis?

Stefan Schulthess: Der General und die Offiziere liessen sich 1940 mit einem unserer Schiffe zum Rütli transportieren. Am 25. Juli halten 600 Persönlichkeiten aus Politik und Armee einen Gedenk­anlass auf der Rütliwiese ab. Damals wie heute erfolgt der Transport der Gäste mit unserem Dampfschiff «Stadt Luzern».

Heute wirkt nicht mehr das Alpenreduit, sondern der starke Franken abschreckend. Wie stark spürt die SGV die Währungsturbulenzen?

Schulthess: Glücklicherweise nicht so stark wie die ländlichen Ferienregionen. Denn rund 70 Prozent unserer Passagiere sind Schweizer. Solange die inländische Wirtschaftslage einigermassen stabil bleibt, machen sie bei ihren Tagesausflügen wenig Abstriche. Und was wir momentan wegen des schwachen Euro an europäischen Touristen verlieren, lässt sich bis jetzt weitgehend mit Gästen aus Asien wettmachen.

Der Asien-Boom lässt sich aus den stark gestiegenen Passagierzahlen des Kurztour-Schiffes «Saphir» ablesen. Warum gelingt es nicht, diese Touristen auch für längere Strecken an Bord zu bringen?

Schulthess: Das liegt am Reiseverhalten der Gäste aus Fernost und Indien. Sie touren in einigen Tagen durch Europa und haben nur wenig Zeit, die Angebote zu konsumieren. Ihnen reicht eine einstündige Rundfahrt im Luzerner Arm des Vierwaldstättersees. Darum haben wir mit der Panoramajacht «Saphir» ein Produkt geschaffen, das dieser Form des Reisens entgegenkommt und preiswert ist. Das neue Angebot kommt übrigens auch bei den Einheimischen und den anderen europäischen Besuchern gut an. Etwa die Hälfte der Frequenzen entfällt auf sie. Mit der Panoramajacht sind wir in einen neuen Teilmarkt vorgedrungen. Heute können wir feststellen: Das Risiko hat sich gelohnt.

Ist die SGV in den asiatischen Quellmärkten aktiv?

Schulthess: Ja, wir arbeiten eng mit den Marketingorganisationen Luzern sowie Schweiz Tourismus zusammen. Den indischen Markt bearbeiten wir zusätzlich mit den Titlis-Bahnen. In China haben wir uns mit der Uhrenhändlerin Chronosuisse, dem Verkehrshaus und den Rigi-Bahnen zusammengetan. Ein Tourismusanbieter kommt heute nicht mehr darum herum, in den Heimatländern seiner Gäste präsent zu sein.

Die SGV-Gruppe erwirtschaftet das meiste Geld mit dem Binnentourismus. Haben Sie kürzlich Post vom Preisüberwacher erhalten?

Schulthess: Nein. Die vor zwei Jahren eingereichte Klage gegen unsere Billettpreise hat sich erledigt. Es kam damals zwar zu keiner Einigung mit dem Preisüberwacher. Er verzichtete aber auf eine Verfügung und sistierte das Verfahren.

Die SGV-Tochtergesellschaft Tavolago betreibt nach dem Hotel Stern und dem Bistro Luz in der Stadt Luzern seit dem Herbst auch den Gasthof Chärnsmatte in Rothenburg. Was folgt als Nächstes? Hotellerie für Gruppentouristen?

Schulthess: Nein. Wir interessieren uns für Gastronomiebetriebe, und dabei sind rund 40 Hotelzimmer hinzugekommen nicht umgekehrt. Die Stossrichtung von Tavolago zielt in Richtung Essen und Trinken, nicht in Richtung Hotellerie.

Werden weitere Gastro-Betriebe folgen?

Schulthess: Wir streben ein Wachstum mit Gastro-Lokalen an Land an. Wenn sich passende Angebote finden, nehmen wir dafür Geld in die Hand.

Was passt denn zu Tavolago?

Schulthess: Tavolago ist interessiert an Pachtverträgen für Gastronomiebetriebe, die sich nach ihren Vorstellungen gestalten lassen. Natürlich spielen auch Renditeüberlegungen und Umsatzgrösse eine zentrale Rolle. Geografisch beschränken wir uns auf die Zentralschweiz.

Die SGV-Gruppe erwirtschaftet etwas mehr als die Hälfte ihres Umsatzes an Land. Ist die Zielgrösse damit erreicht?

Schulthess: Noch vor zehn Jahren erzielte die SGV ihren Umsatz fast ausschliesslich mit der Schifffahrt. Dort sind die Wachstums- und Entwicklungsmöglichkeiten aber beschränkt. Der See wird nicht grösser, das Geschäft ist sehr saisonal, und ein verregneter Sommer reichte, um das Jahres­ergebnis zu verhageln. Heute haben wir den Umsatz mehr als verdoppelt und sind viel breiter aufgestellt. Die SGV ist nun eine kleine Unternehmensgruppe und ist damit unabhängiger und beständiger geworden.

Die Schiffsbauer und -techniker von Shiptec sind vor eineinhalb Jahren gut in die Selbstständigkeit gestartet. Im zweiten Jahr lief es nicht mehr rund. Was ist geschehen?

Schulthess: Shiptec ist in einer Industrie mit stark schwankendem Auftragseingang tätig. Das wussten wir von Anfang an. Können wir einen Auftrag nicht wie erhofft hereinholen, hinterlässt dies deutliche Spuren in der Jahresrechnung. Erhalten wir ihn hingegen, wirft er wie beim DS «Neuchâtel» Arbeit für drei Jahre und einen Umsatzbeitrag von 10 Millionen Franken ab.

Ihr Ziel ist es, Shiptec zum Kompetenzzentrum für die schweizerische Schifffahrt auszubauen. Doch dieser Markt ist überschaubar. Haben Sie sich da nicht zu viel vorgenommen?

Schulthess: Nein, wir kennen den Markt in der Schweiz und dem grenznahen Ausland gut. Unsere Kapazitäten sind danach ausgerichtet. Dass man nicht alle Aufträge erhält, die man gerne hätte, gehört eben zum Geschäft. Shiptec wartet, renoviert und baut alle Schiffe der SGV. Manchmal kommen Aufträge für branchenfremde Kunden, wie zurzeit von der Axpo für ein Wasserkraftwerk in Eglisau hinzu. So bietet sich trotz der unsicheren Auftragslage glücklicherweise genügend Spielraum. Aber es ist klar, das Ziel lautet: Shiptec muss erfolgreicher auf dem Drittmarkt unterwegs sein, als es aktuell der Fall ist.

Nicht von Shiptec, sondern aus Italien stammten die pannenanfälligen Heizkessel für die Dampfschiffe «Unterwalden» und «Neuchâtel». Sind die Fehler nun behoben?

Schulthess: Ja, die Testfahrten verliefen pannenfrei. Ob die Heizkessel wirklich vollumfänglich tauglich sind, zeigt sich aber erst nach einem oder zwei Jahren im Dauerbetrieb.

Der italienische Hersteller der Heizkessel ist pleite. Wie teuer kommt die Instandstellung die SGV zu stehen?

Schulthess: Sie kostete uns knapp eine halbe Million Franken, weil wir nicht auf die Vertragsgarantie des Lieferanten zurückgreifen konnten. Die Summe belastet glücklicherweise das aktuelle Ergebnis nicht, da wir die Reparaturarbeiten zu Lasten der Garantierückstellung der SGV finanzieren können.

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