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SCHINDLER: «Ein Verstoss gegen das Gesetz»

Seit Monaten laufen in China Untersuchungen wegen Veruntreuung bei Schindler. Gestern vernahm die Polizei zwei Manager – sie sollen sich bereichert haben.
Schindler-Manager sollen in China Gelder veruntreut haben. Geschädigter ist der Schindler-Konzern. (Bild: PD)

Schindler-Manager sollen in China Gelder veruntreut haben. Geschädigter ist der Schindler-Konzern. (Bild: PD)

Interview Bernard Marks

Chinesische Behörden haben gestern zwei Schindler-Führungskräfte, unter ihnen den lokalen Geschäftsführer, zur Vernehmung abgeholt. «Die Vorwürfe sind nicht im Einzelnen bekannt», ­sagte Schindler-Sprecherin Nelly Keune gestern auf Anfrage. Die Vernehmungen könnten in Zusammenhang mit Untersuchungen gegen die Schindler-Mitarbeiter der chinesischen Verkaufsorganisation stehen. Dabei gehe es um Veruntreuung zu Lasten der Firma Schindler sowie möglicherweise um passive Bestechung (Annahme von Vorteilen) beziehungsweise Bestechung von Privatpersonen, teilte Schindler gestern mit. «Bis jetzt ist noch nichts bewiesen», sagte Keune. Schindler arbeite eng mit den Behörden zusammen und werde näher informieren, sobald gesicherte Fakten vorlägen.

Schwierige Zeiten in China

Der asiatische Markt gewinnt für Schindler zunehmend an Bedeutung. Inzwischen beträgt der Umsatzanteil von Schindler in Asien 25 Prozent, zwei Drittel der Neuanlagen werden in ­China installiert. Dieses Jahr stagniert der chinesische Markt zum ersten Mal seit Jahren. Für das Gesamtjahr 2015 nahm Schindler bei der Präsentation der Halbjahreszahlen im August unter Ausklammerung nicht vorhersehbarer Ereignisse seine Umsatzerwartung etwas zurück und rechnet nur noch mit einem Umsatzwachstum von 6 bis 8 Prozent in Lokalwährungen. Die Anleger witterten gestern nach dieser Meldung ­schwierige Zeiten in China und trennten sich von ihren Schindler-Aktien. Der Aktienkurs verlor zeitweise fast 8 Prozent und stand nach 17.30 Uhr um 6,8 Prozent tiefer als am Vorabend bei 135.50 (siehe Grafik). Schindler-CEO Silvio Napoli ­musste gestern in der Folge viele Fragen von Analysten beantworten.

Wie hoch ist der entstandene Schaden für Schindler in China?

Silvio Napoli: Nach heutigem Wissensstand handelt es sich um einen Schaden zu Ungunsten des Unternehmens – um Unterschlagungen zu Lasten der Firma Schindler. Der Schaden ist bereits entstanden und damit in den Finanzzahlen enthalten. Da die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind, können wir den Schaden nicht genau beziffern, aber wir gehen davon aus, dass die durch die Mitarbeiter veruntreuten Geldsummen für den Konzern nicht materiell sein dürften.

Handelt es sich dabei um einen Ausnahmefall?

Napoli: Ja, es handelt sich um einen sehr seltenen Fall. Die Anschuldigungen machen uns sehr betroffen, und wir nehmen sie sehr ernst. Die Handlungen, die den involvierten Mitarbeitern vorgeworfen werden, sind ein klarer Verstoss gegen das chinesische Gesetz, die konzerninternen Vorschriften und den strengen Verhaltenskodex unseres Unternehmens.

Die chinesische Regierung will streng gegen Korruption vorgehen. Wie gehen Sie bei Schindler damit um?

Napoli: Wir gehen davon aus, dass es sich in diesem Fall nicht primär um Korruption, sondern um Angestellte handelt, die sich auf Kosten des Unternehmens bereichert haben. Vor zwei Jahrzehnten hat die Schindler-Gruppe einen strengen Verhaltenskodex eingeführt, dessen Umsetzung in allen Unternehmen der Gruppe von deutlich mehr als 200 geschulten Mitarbeitern permanent überwacht und überprüft wird. Im vergangenen Jahr hat Schindler zum Beispiel mehr als 80 Kontrollen und Untersuchungen durch­geführt, bei denen die Einhaltung des Verhaltenskodex überprüft wurde.

Wie sind derzeit die Aussichten für Schindler in China?

Napoli: Die Aussichten für Schindler in China sind nach wie vor sehr gut. Der Markt schwächt sich zwar ab, aber wir gewinnen weiterhin Marktanteile.

HINWEIS

Silvio Napoli (Jahrgang 1965) ist seit dem 1. Januar 2014 CEO von Schindler.

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