Schindler erteilt Megafusion eine Absage

Alfred N. Schindler, Verwaltungsrat und langjähriger Chef des Ebikoner Liftherstellers, äussert sich erstmals zu den Gerüchten rund um einen möglichen Kauf des ähnlich grossen deutschen Konkurrenten Thyssenkrupp Elevator. 

Gregory Remez
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«Wollen nicht an einem Blutbad beteiligt sein»: Alfred N. Schindler erachtet eine Fusion mit einem grossen Konkurrenten für zu riskant. (Bild: Manuela Jans-Koch, Luzern, 15. Januar 2016)

«Wollen nicht an einem Blutbad beteiligt sein»: Alfred N. Schindler erachtet eine Fusion mit einem grossen Konkurrenten für zu riskant. (Bild: Manuela Jans-Koch, Luzern, 15. Januar 2016)

Der Lift- und Rolltreppenhersteller Schindler ist offenbar nicht an einem Kauf der Thyssenkrupp-Liftsparte interessiert. Eine Übernahme des angeschlagenen deutschen Konkurrenten würde zu «gigantischen Schwierigkeiten entlang der ganzen Wertschöpfungskette» führen, liess der Verwaltungsrat und langjährige Chef des Ebikoner Konzerns, Alfred N. Schindler, in einem Interview mit der «Finanz und Wirtschaft» durchblicken.

Schindler beschäftige heute weltweit rund 66 000 Mitarbeitende, von denen deutlich mehr im Feld als in Fabriken tätig seien. Falls zwei annähernd gleich grosse Konkurrenten aus der Liftbranche fusionierten, gebe es nicht nur in Forschung und Entwicklung, in der IT, in der Produktion und der Lieferkette überzählige Arbeitskräfte, sondern auch in jeder einzelnen Zweigniederlassung. «Ein Lokaldrama mal tausend. Schindler will nicht an einem solchen Blutbad beteiligt sein.»

Fusion mit Kone würde «doppelten Krieg» auslösen

Alfred N. Schindler, der den Liftkonzern 35 Jahre geführt hatte, bevor er vor zwei Jahren als Verwaltungsratspräsident zurücktrat, würde dagegen eine Übernahme von Thyssenkrupp Elevator durch eine unabhängige Private-Equity-Gesellschaft bevorzugen. «Das erscheint mir als minimalinvasivste Lösung, und zwar für sämtliche Beteiligten», so der 70-Jährige.

Einem Zusammenschluss des finnischen Kone-Konzerns mit der Liftsparte von Thyssenkrupp steht er dagegen kritisch gegenüber. «Eine solche Fusion würde meines Erachtens einen doppelten Krieg auslösen. Einerseits Kartellrechtsstreitigkeiten, und zwar nicht bloss in Deutschland, sondern auch in der EU, den USA, Australien, Kanada und China. Dazu käme ein harter Preiskampf. Die Kartellprozesse würden drei bis fünf Jahre dauern, der Preiskrieg wesentlich länger.»

Der Schindler-Konzern ist aktuell mit einem Marktanteil von 16 Prozent global die Nummer zwei in der stark konzentrierten Branche der Lift- und Rolltreppenhersteller – hinter der US-amerikanischen Otis (18 Prozent). Gleich dahinter kommen Kone und Thyssenkrupp Elevator mit 16 beziehungsweise 13 Prozent.

Schindler übertrifft die Erwartungen

Der Ebikoner Lifthersteller generiert in den ersten neun Monaten mehr Umsatz, muss beim Gewinn jedoch Abstriche machen. Dennoch hat Schindler die Erwartungen der Analysten auf allen Stufen übertroffen.