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SCHINDLER: Schindler sorgt für den Ernstfall vor

Der Fall Sika hat den Unternehmer Alfred N. Schindler alarmiert. Er warnt vor einer Überregulierung. Zudem will er die Stellung sämtlicher Anteilseigner bei Schindler verbessern.
Hans-Peter Hoeren
«Die Unabhängigkeit der Schweizer Familienunternehmen ist ohne Schutzmassnahmen nicht zu verteidigen.» Unternehmer Alfred N. Schindler am vergangenen Donnerstag am Hauptsitz der Schindler-Holding in Hergiswil. (Bild Corinne Glanzmann)

«Die Unabhängigkeit der Schweizer Familienunternehmen ist ohne Schutzmassnahmen nicht zu verteidigen.» Unternehmer Alfred N. Schindler am vergangenen Donnerstag am Hauptsitz der Schindler-Holding in Hergiswil. (Bild Corinne Glanzmann)

Fast ein Drittel der börsenkotierten Firmen in der Schweiz wird von Familien geführt. In der Regel kontrollieren sie die Unternehmen mit Hilfe grösserer Aktienpakete. Aktien mit unterschiedlich ausgestatteten Rechten und Schutzklauseln sind dabei in der Schweiz weit verbreitet. So im Fall des Bauzulieferers Sika (siehe Box), wo die Gründerfamilie bis vor kurzem mit 16 Prozent der Anteile die Mehrheit der Stimmen im Unternehmen kontrollierte. Entstanden sind diese Konstruktionen, damit sich Unternehmen vor feindlichen Übernahmen schützen können. Weil die Gründerfamilie von Sika ihre Anteile und damit die Kontrolle über das Unternehmen ohne Absprache mit Management, Verwaltungsrat und Drittaktionären an den französischen Konzern Saint-Gobain verkauft hat, ist dieses Modell in die Kritik geraten. Die Sika-Erben hätten sich verhalten wie ein profitmaximierender Hedgefonds, nicht wie ein verantwortungsbewusster Ankeraktionär, schreibt beispielsweise der «Tages-Anzeiger». Das ist Wasser auf die Mühlen vieler Aktionärsschützer, die seit langem eine Abschaffung dieser Sonderrechte und eine Gleichbehandlung aller Aktionäre fordern.

Zwei Arten von Papieren

Auch der Schindler-Konzern kennt zwei Arten von Beteiligungspapieren, stimmberechtigte Namenaktien und stimmrechtslose Partizipationsscheine. Die Familie Schindler Bonnard kontrolliert gemäss dem unabhängigen Aktionärsberater Z-Rating mit rund 42 Prozent der Kapitalanteile 70 Prozent der Stimmrechte der Schindler-Holding. Hinzu kommt eine so genannte Opting-out-Klausel.

Wie Sika hat das Unternehmen mit dem Opting-out den potenziellen Käufer von der Pflicht befreit, ab der Stimmrechtsschwelle von 331/3 Prozent ein öffentliches Übernahmeangebot zu formulieren. Für Familienunternehmen ist ein Opting-out dann von Vorteil, wenn sich infolge eines Austritts eines Familienmitgliedes – bei Schindler sind es etwa 25 Personen – die Zusammensetzung der Gruppe ändert. In einem solchen Fall könnte die Schwelle von 331/3 Prozent überschritten und damit die Angebotspflicht ausgelöst werden.

«Ohne Opting-out sind sie tot»

«Die Opting-out-Klausel schützt die mittleren Unternehmen. Nur mit einem Opting-out können Mehrheitsaktionäre ihre langfristige Strategie umsetzen, ohne Opting-out sind sie tot», sagt Alfred N. Schindler (65).

Diesen Schutz sieht der Firmenpatron und Verwaltungsratspräsident des Schindler-Konzerns durch die Vorkommnisse bei Sika in Gefahr. «Die Vorgehensweise im Fall Sika birgt ein grosses Risiko für alle anderen Familienunternehmen, die ähnlich aufgestellt sind. Sie kann zu einer Sippenhaft und zu einer neuerlichen Überregulierung führen», sagt Schindler. «Das Vorgehen der Sika-Gründerfamilie und ihrer Berater gegenüber dem Management, dem Verwaltungsrat und den Mitarbeitern war unprofessionell. Das Vertrauen in das Management ist das Herz der Corporate Governance», sagt Schindler. Zudem sei das Timing im Vorfeld wichtiger wirtschaftsrelevanter Abstimmungen wie der Erbschaftssteuerinitiative sehr schlecht gewesen.

Wertzuwachs wichtiger als Prämie

In der Öffentlichkeit sei die Prämie für die Sika-Eigentümerfamilie als stossend wahrgenommen worden, sagt Schindler. Die Familie bekommt eine Prämie von 80 Prozent, die Publikumsaktionäre hingegen gingen leer aus und mussten darüber hinaus noch einen Kursrutsch von über 20 Prozent verkraften. «Entscheidender als die Prämie ist aus meiner Sicht aber der zu erwartende Wertzuwachs der Sika-Titel über die nächsten Jahre», erklärt Schindler. Die Wertentwicklung einer Aktie hänge zweifellos damit zusammen, wer ein Unternehmen übernehme und dann auch führe. «Wenn sich die Einschätzung bezüglich eines zu erwartenden Wertzuwachses nach einer Handänderung ändert, dann sollte man allen Aktionären die Möglichkeit zum Ausstieg geben», bekräftigt Schindler.

Der Wertzuwachs im Fall Sika sei nun aber gefährdet, wenn das Management komplett zurücktrete. In dieser Eintrübung der Wertperspektive ortet Schindler für alle Drittaktionäre die Notwendigkeit einer Neubeurteilung. Für den Firmenpatron ist deshalb klar: «Aus Gründen der Fairness sollte der Mehrheitsaktionär im Verkaufsfall ein freiwilliges Angebot an alle Beteiligungspapiere sicherstellen. Falls Schindler irgendwann übernommen werden sollte – was heute überhaupt nicht zur Debatte steht –, könnte ich nur einer Lösung zustimmen, in der allen Beteiligungspapieren eine Offerte unterbreitet wird. Ich strebe eine wasserdichte Lösung an, die auch nach meinem Ausscheiden Bestand haben soll», versichert der Firmenpatron.

5. Generation arbeitet bereits mit

Gemäss Alfred N. Schindler arbeitet die Familie aktiv an einer Überleitung von der vierten in die fünfte Generation. Letztere hat bereits verschiedene Führungspositionen in Asien und Europa sowie im Verwaltungsrat inne. «Der Übergang läuft ja schon, es gibt einige Familienmitglieder im Alter über 30 mit einer entsprechenden Ausbildung, die erste Führungsaufgaben übernommen haben und künftig mehr Verantwortung übernehmen könnten», sagt Alfred N. Schindler. Neben ihm sitzt mit Vizepräsident Luc Bonnard ein weiteres Mitglied der vierten Generation im Verwaltungsrat. Mit der Juristin Carole Vischer (Jahrgang 1971) ist auch ein Mitglied der fünften Generation im Gremium vertreten. Dass die Besitzerfamilien sich weiter langfristig im Unternehmen engagieren wollen, zeigen aber auch die hohe Liquidität von über 3 Milliarden Franken in der Bilanz und das umfangreiche Investitionsprogramm in Asien.

Schindler hat Sika-Aktien zugekauft

Alfred N. Schindler hat in den 1990er-Jahren mit Erfolg für eine Aufnahme der Opting-out-Klausel im Aktienrecht gekämpft. Doch durch den Fall Sika kommt dieses Konstrukt unter Druck. Zwar ist es nicht Gegenstand der laufenden Aktienrechtsrevision, deshalb forderte beispielsweise der Chef der Aktionärsvereinigung Ethos, Dominique Biedermann, jüngst in der «Sonntagszeitung» einen freiwilligen Verzicht. Damit soll dem Grundsatz «Eine Aktie, ein Stimmrecht» zum Durchbruch verholfen werden. Alfred N. Schindler spricht sich dagegen aus. «Die Unabhängigkeit der Schweizer Familienunternehmen ist ohne Schutzmassnahmen nicht zu verteidigen», bekräftigt er. Punkto Sika ist Alfred N. Schindler davon überzeugt, dass das Unternehmen eine Erfolgsstory bleiben wird. «Ich habe direkt nach dem Kursrutsch Sika-Aktien gekauft», sagt der Unternehmer. Der Kursrutsch sei für ihn übertrieben gewesen. Er gehe davon aus, dass die Firma Sika auch im Fall eines Rücktritts des Managements – den er für sehr unwahrscheinlich hält – weiter erfolgreich sein werde.

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