Schindler verliert an Tempo

Der Luzerner Lift- und Rolltreppenhersteller hatte im dritten Quartal mit dem erstarkten Schweizer Franken zu kämpfen. Sorgen bereitet CEO Thomas Oetterli auch die Türkei.

Roman Schenkel
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Beim Lift- und Rolltreppenhersteller Schindler geht es mit dem Umsatz nach oben. Im Bild ein Schindler Lift im KKL Luzern (Bild: KEYSTONE/ALEXANDRA WEY)

Beim Lift- und Rolltreppenhersteller Schindler geht es mit dem Umsatz nach oben. Im Bild ein Schindler Lift im KKL Luzern (Bild: KEYSTONE/ALEXANDRA WEY)

Wenn die Zahlen Quartal für Quartal steil nach oben schiessen und die Erwartung der Analystenschar in regelmässigen Abständen übertroffen wird, fällt die Reaktion auf eine Enttäuschung meist übertrieben aus. So auch am Dienstag nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen von Schindler. Die Aktien des Liftbauers verloren bis Börsenschluss 9,07 Prozent. Über 2 Milliarden Franken an Börsenwert wurden vernichtet. Der Zahlenkranz von Schindler zeigt denn auch eine Verlangsamung des Wachstums. Auftragseingang und Umsatz sind von Juli bis September in Lokalwährungen weniger stark gewachsen als prognostiziert.

Schindler hatte in den letzten drei Monaten mit Preisdruck, namentlich in China, und weiter steigenden Preisen für Rohmaterialien wie Stahl und Aluminium zu kämpfen. Stärker eingeschenkt als erwartet hat zudem der Währungseffekt: Im Franken umgerechnet nahm die Wachstumsrate spürbar ab. Beim Betriebsgewinn kostete der stärkere Franken das Unternehmen im letzten Quartal rund 10 Millionen Franken. Nichtsdestotrotz gab sich CEO Thomas Oetterli an einer Telefonkonferenz zufrieden mit dem Ergebnis. «Wir sind in allen Regionen und Produktlinien gewachsen», sagte er. Die Betriebsgewinnmarge konnte das Unternehmen verteidigen. Gegenüber dem Vorjahr ging die bereinigte Ebit-Marge (vor Restrukturierungskosten) lediglich von 12 auf 11,9 Prozent zurück.

Ein Nachweis für das nach wie vor gut abgestützte Wachstum zeigt sich auch beim Personalbestand. Seit Jahresbeginn hat sich die Zahl der Angestellten um über 3700 Personen erhöht. «Wir stellen vor allem im Servicebereich ein – eine Folge davon, dass eine grosse Zahl der Neuinstallationen in unser Service-Portfolio wandert», so Oetterli.

Schindler hält aus diesen Gründen an der Prognose fürs Gesamtjahr fest. Der Umsatz soll um 5 bis 7 Prozent steigen. Beim Gewinn peilt Schindler 960 bis 1010 Millionen Franken an. Da Schindler-Finanzchef Urs Scheid­egger auch für das Schlussquartal mit einer eher zunehmenden Belastung bei den Währungseffekten rechnet, ist davon auszugehen, dass eher der untere Teil des Zielbandes erreicht wird.

Stillstand wegen Dekret Erdogans

Während sich der chinesische Markt stabilisiert und Indien sich erholt, wird die Türkei zum Sorgenkind. Laut Schindler hätte der türkische Markt eigentlich ein gutes Fundament für Wachstum. Aufgrund politischer und ökonomischer Gründe werde sich der Markt aber reduzieren. Sorgen macht dem Unternehmen ein Dekret von Präsident Erdogan. Er hat entschieden, dass sämtliche Verträge in Lira umgewandelt werden müssen und das zu einem fixen Preis. Dabei liegt der festgelegte Wechselkurs bei 4,5 Lira zum Franken im Gegensatz zum realen, der etwa bei 6 liegt. «So verlieren wir rund 25 Prozent», sagte Oetterli. Deshalb seien viele Projekte in der Türkei zum Stillstand gekommen.