Schlammschlacht unter den Apothekern: «Er steckte seine gesamte Energie in die Zerstörung von allem»

Vor den Wahlen zum Präsidenten des Apothekerverbands flogen die Fetzen, wie Dokumente zeigen. Der ehemalige Präsident des Apothekerverbands, Dominique Jordan, hat seinen Nachfolger scharf angegriffen.

Andreas Möckli
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Bei den Apothekern hängt der Haussegen schief. Vor den Wahlen zum Präsidenten des Verbands kam es zu einer emotionalen Debatte.

Bei den Apothekern hängt der Haussegen schief. Vor den Wahlen zum Präsidenten des Verbands kam es zu einer emotionalen Debatte.

Cynthia Mira / Limmattaler Zeitung

Eigentlich ist alles im Lot. Denn die Kampfwahl um die Präsidentschaft des Apothekerverbands Pharmasuisse ist entschieden. Die Freiburgerin Martine Ruggli hat den amtierenden Präsidenten Fabian Vaucher aus dem Amt gekippt. Ruggli setzte sich vergangene Woche an der Delegiertenversammlung in Bern klar durch.

Der ehemalige Apothekerpräsident Dominique Jordan lässt kein gutes Haar an seinem Nachfolger.

Der ehemalige Apothekerpräsident Dominique Jordan lässt kein gutes Haar an seinem Nachfolger.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Doch Recherchen dieser Zeitung zeigen nun, dass der Wahl eine eigentliche Schlammschlacht vorausgegangen war. So hat Vauchers Vorgänger Dominique Jordan knapp zwei Wochen vor der Wahl ein Schreiben an alle Delegierten verfasst. Dieses kommt einer eigentlichen Abrechnung gleich: «Seit dem Amtsantritt von Herrn Vaucher steckte er seine gesamte Energie in die Zerstörung und Auflösung von allem, was seine Vorgänger geschaffen hatten», schreibt der Walliser. Gleichzeitig habe Vaucher den Apothekern keine neuen Lösungen zu bieten.

«Unser Verband verliert täglich an Glaubwürdigkeit»

Doch damit nicht genug. Jordan ärgert sich über den Tarif rund um den Verkauf von Medikamenten, den Vaucher mit dem Krankenkassenverband Curafutura ausgehandelt hatte. Vaucher spreche über Solidarität, Vertrauen und die Gefahr eines Kurswechsels im Zusammenhang mit dem Tarif. «Dies sind nur leere Worte und ein verzweifelter Versuch, ein Klima der Angst zu schaffen», schreibt der Walliser weiter. Vaucher schiebe sein Versagen «vollständig auf seine Vorgänger, ohne sich selbst jemals in Frage zu stellen».

Er steht unter Beschuss: Fabian Vaucher, noch bis Ende Jahr amtierender Präsident des Apothekerverbands.

Er steht unter Beschuss: Fabian Vaucher, noch bis Ende Jahr amtierender Präsident des Apothekerverbands.

Christian Beutler / KEYSTONE

Jordan, mittlerweile Präsident der internationalen Apothekerverbands FIP mit Sitz in Den Haag, schämt sich für den Schweizer Verband. Es stimme ihn traurig, wenn er gefragt werde, warum Pharmasuisse seine Führungsrolle verloren habe und keine innovativen Projekte mehr aus der Schweiz kämen. «Unser Verband hat das Vertrauen der meisten Partner verloren und verliert täglich mehr Glaubwürdigkeit.»

Hintergrund des Brandbriefs ist ein Mail von Vaucher. Dieser hatte sich mit einem launigen Schreiben ebenfalls an die Delegierten des Verbands gewandt. Dabei zeichnet er das Bild eines scheinbar schönen alten Hauses, das er gekauft hat. Doch beim Einzug folgte das böse Erwachen. So sei am ersten Tag der Boiler ausgestiegen, weil er zu alt sei, schrieb er gemünzt auf die angetroffenen Probleme und Altlasten des Verbands.

«Haltung der Romandie ist zugespitzt sozialistisch»

In Anspielung auf seine Vorgänger kommt er zum Schluss: «Bei der Analyse stellte sich aber immer heraus, dass die beabsichtigen Ziele sehr klug waren. Nur leider fehlte es am Wissen und Können bei der Umsetzung. Fehler wurden gemacht und versucht mit anderen Fehlern zu beheben.» In der Folge zählt er verschiedene Projekte seiner Vorgänger auf und beschreibt dabei diverse Probleme. Das kam Jordan offensichtlich in den falschen Hals. Gleich erging es Jordans Vorgänger Max Brentano-Motta, der in einem Schreiben Vaucher zeitgleich ebenfalls hart angriff.

Sie muss nun die Wogen glätten: Martine Ruggli-Ducrot, künftige Präsidentin des Apothekerverbands.

Sie muss nun die Wogen glätten: Martine Ruggli-Ducrot, künftige Präsidentin des Apothekerverbands.

zvg

Wie sehr die Wahlempfehlung von Jordan und Brentano-Motta für Martine Ruggli ins Gewicht fiel, bleibt offen. Offensichtlich hat Vaucher es aber versäumt, die Apotheker und Delegierten in der Romandie abzuholen. So ging etwa sein Schreiben nur mit Verzögerung und in Deutsch an die französischsprachigen Delegierten. Daher glaubte Jordan zunächst, Vaucher habe nur die Deutschschweizer angesprochen. Auch sein Interview auf dem Branchenportal «Medinside» kam vermutlich in der Westschweiz nicht gut an. So sagte er unter anderem: «Die Haltung der Romandie, die hinter Ruggli steht, ist – zugespitzt – eine sozialistische Haltung. Meine ist derweil eine marktliberale Haltung, wie es sie in der Deutschschweiz stärker gibt.»

Die Beteiligten wollen nun die Schlammschlacht rasch vergessen machen und nach vorne blicken. Vaucher selbst sagt, er habe nicht mit dem Finger auf andere zeigen wollen. «Ich bedaure die Reaktion von Dominique Jordan sehr.» Dass der starke Wandel der Branche auch im Verband zu Nebengeräuschen führe, sei jedoch klar. Nach dem sehr emotional geführten Wahlkampf gehe es darum, Verbindendes und Gemeinsames unter den Apothekern zu suchen. Als amtierender Präsident wolle er nun bis Ende Jahr die geordnete Übergabe an seine Nachfolgerin Martine Ruggli sicherstellen.

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