Detailhandel
Schlechtes Wetter jagt Gemüsepreise um bis zu 60 Prozent in die Höhe

Der ständige Regen sorgt für ein Unterangebot bei frischem Saisongemüse. In der Schweiz muss mehr Gemüse importiert werden, um die Nachfrage decken zu können. Doch auch in Europa herrscht Knappheit.

Marc Fischer
Drucken
Teilen
Mangelware: Wegen der Nässe muss in der Schweiz mehr frisches Gemüse importiert werden.

Mangelware: Wegen der Nässe muss in der Schweiz mehr frisches Gemüse importiert werden.

Keystone

Wegen des schlechten Wetters wächst das Gemüse in der Schweiz derzeit nicht so schnell, wie es sollte. Das führt zu einem Unterangebot an Saisongemüse. «Wir haben zu wenig Gemüse, weshalb derzeit mehr Ware importiert wird», sagt Moana Werschler vom Verband der Schweizer Gemüseproduzenten.

Auch im Treibhaus wächst das Gemüse wegen des häufigen Regens viel langsamer als im Normalfall. «Wir importieren derzeit 30 bis 40 Prozent mehr als vor einem Jahr», sagt Hubert Zufferey, stellvertretender Direktor bei Swisscofel, dem Verband des Schweizerischen Früchte-, Gemüse- und Kartoffelhandels.

Knappheit beim inländischen Angebot herrsche derzeit bei Stangensellerie, Zucchetti, Blumenkohl, Broccoli oder rotem Chiccoree. Das kann sich aber auch schnell wieder ändern. «Eine Woche Sonne genügt, und wir haben wieder genügend Gemüse auf dem Markt», so Zufferey.

Im Moment muss der Konsument aber mehr bezahlen. «Aufgrund des schlechten Wetters sind die Preise für inländisches und importiertes Gemüse durchschnittlich 5 Prozent höher als vor einem Jahr», sagt etwa Christine Gaillet, Mediensprecherin des Migros-Genossenschafts-Bund.

Gemäss dem Bundesamt für Statistik lagen die Preise für landwirtschaftliche Produkte im April sogar 7 Prozent höher als im Vorjahr. Gemessen wird das an den Produzentenpreisen, wie sie von den Bauern erzielt werden.

Bio-Nüsslisalat war im April doppelt so teuer als im Vorjahr. Die Preise für Bio-Lollo, Bataviasalat, Chinakohl und Tomaten waren 30 bis 60 Prozent über dem Vorjahresniveau. Und im Vergleich zum Vormonat verzeichneten im April vor allem Bio-Kopfsalat, Lauch, Krautstiel kräftige Preisanstiege.

Das kann sich schnell wieder ändern. «Die Preise sind derzeit sehr volatil und können in einer Woche stark steigen oder fallen», sagt Zufferey.

Doch auch der Bauernverband spricht von einer Ausnahmesituation, vor allem beim Kopfsalat, der derzeit Saison hat. «Normalerweise erntet man den Salat im April», sagt Hans Rüssli, Mediensprecher des Bauernverbandes. Dieses Jahr gab es aber zu wenig Sonnenstunden. «Deshalb sind auch die Preise höher als im Vorjahr», so Rüssli. Beim Bio-Kopfsalat etwa um 26 Prozent.

Prekär sei die Lage auch bei Erdbeeren, wo die Ernte zum Tiel verloren sei. «Wegen des schlechten Wetters breiten sich Pilzkrankheiten aus», so Rüssli. Die Erdbeeren-Saison könne aber noch gerettet werden, wenn es in der nächsten Woche sonniger würde.

Vergangenen Dienstag haben die Gemüseproduzenten beim Bundesamt für Landwirtschaft wegen der schlechten Ernte sogar einen Antrag auf zusätzliche Importkontingente für Broccoli, Endiviensalat, Fenchel, Lauch und Gurken gestellt. Das wurde bewilligt. «Das ist aussergewöhnlich, da das inländische Gemüseangebot im Mai normalerweise ausreicht», so Rüssli.

Die Importe werden aber auch keine Entschärfung an der Preisfront bringen. Wie die Daten der europäischen Statistikbehörde zeigten, sind nämlich die Nahrungsmittelpreise auch in Europa im Mai um 0,6 Prozent gestiegen. Die Preistreiber: Gemüse und Obst. Auch in Europa hat das ungewöhnlich kalte Wetter die Preise für frisches Obst und Gemüse in die Höhe getrieben.

In Deutschland beispielsweise bezahlte der Konsument im Mai 2013 gemäss einer Schätzung der Commerzbank für frisches Gemüse rund 13 Prozent mehr als vor einem Jahr.