Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Schlupfloch Schweizer Markt: «Hormonfleisch» ist in der EU verboten - nicht so bei uns.

Wachstumshormone bei Rindern: Warum gerade die Schweiz für US-Farmer ein attraktiver Absatzmarkt werden könnte.
Raphael Bühlmann
In «Feedlots» mästen US-Farmer ihre Rinder unter Einsatz hormoneller Wachstumsförderer. Bild: Daniel Acker/Bloomberg (Floresville, 7. Mai 2018)

In «Feedlots» mästen US-Farmer ihre Rinder unter Einsatz hormoneller Wachstumsförderer. Bild: Daniel Acker/Bloomberg (Floresville, 7. Mai 2018)

Den Schweizern scheint die Lust auf US-Beef vergangen zu sein. Der mengenmässige Importanteil von Rindfleisch aus den USA belief sich in den ersten sechs Monaten 2019 gerade mal auf 1,9 Prozent. Vor einigen Jahren waren es noch über 10 Prozent (siehe Grafik). Doch der Anteil könnte schon bald wieder stark ansteigen. Nämlich dann, wenn sich die Schweiz und die USA auf ein umfassendes Freihandelsabkommen einigen sollten. Die Schweiz steht hier unter Zugzwang. Denn auch die EU verhandelt mit den Amerikanern über einen Zollabbau. Anfang August ist man dabei übereingekommen, dass die USA künftig bis zu 35000 Tonnen Rindfleisch nach Europa liefern können. Das Abkommen muss vom EU-Parlament noch final bestätigt werden, dies gilt jedoch als Formsache.

US-Präsident Donald Trump sprach von einem «Durchbruch» und einem «riesigen Erfolg» für die amerikanischen Farmer. Laut dem deutschen Landwirtschaftsportal «Agrarheute» werde der Wert der jährlichen zollfreien Rindfleischlieferungen von den USA in die EU innerhalb von sieben Jahren von heute 150 Millionen Dollar auf 420 Millionen Dollar steigen. Eine ähnliche Entwicklung ist für den Schweizer Markt absehbar. Jedoch besteht zwischen der EU und der Schweiz betreffend US-Rindfleischimport ein wesentlicher Unterschied.

Schweiz drohten Strafzölle von 30 Millionen Franken

Vor allem in den USA und Kanada werden den Masttieren zwecks Leistungsförderung Hormone verabreicht. Der Konsum des sogenannten «Hormonfleischs» ist gemäss internationalen Standards gesundheitlich unbedenklich. Doch wegen ethischer Überlegungen hat die EU den Verkauf verboten. Nach darauffolgender Klage der USA vor der Welthandelsorganisation (WTO) unterlag die Union in einem entsprechenden Verfahren. Die WTO argumentierte, dass die EU keine wissenschaftlichen Beweise vorgebracht habe, die belegen würden, dass das mit Hormonfutter produzierte amerikanische Rindfleisch die Gesundheit der Konsumenten schädigen könne.

Trotz der daraus ergangenen Strafe blieb der Verkauf von Hormonfleisch in der EU in der Folge verboten. Nicht so in der Schweiz. Wie in der EU, so ist auch hierzulande der Einsatz von Hormonen zwecks Leistungsförderung verboten, nicht aber der Handel des so pro­duzierten Fleisches. Weil man sich vor einer entsprechenden WTO-Klage der Amerikaner fürchtet, bleiben Import und Verkauf erlaubt. Der Bundesrat hat zu dem Sachverhalt in mehreren Vorstössen Stellung bezogen: «Würde die Schweiz ebenfalls ein Importverbot erlassen, dürfte dies bedeuten, dass sich die Schweiz mit jährlichen Strafzöllen in der Höhe von mindestens 30 Millionen Franken konfrontiert sähe.» Wie viel Fleisch von mit Hormonen behandelten Tieren heute in die Schweiz importiert wird, geht aus der Zollstatistik nicht hervor. Fakt aber ist, dass das mit Leistungsförderern produzierte Fleisch wesentlicher günstiger ist. Trotz möglicher höherer Margen verzichten aber einige Händler bewusst auf den Verkauf von US-Beef.

Einer von ihnen ist Donat Kunz. Er ist Geschäftsführer der Fleisch Discount AG. Ein Unternehmen mit 25 Mitarbeitern und verschiedenen Fleischfachmärkten und Restaurants mit Sitz in Baar. «Wir verkaufen kein Fleisch aus den USA, denn wir wollen sauberes Fleisch», sagt Kunz. «Wir verkaufen über 90 Prozent Schweizer Fleisch. Wenn immer möglich verkaufen wir nur Fleisch aus Paraguay, welches ohne Leistungsförderer produziert worden ist.»

Auch für die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) ist klar, dass Schweizer Konsumenten eine natürliche, nachhaltige und tierfreundliche Lebensmittelproduktion wollen, welche Tiere nicht nur als ein Produktions- und Kostenfaktor ansieht. «Die Tiermast mit Leistungsförderern ist für diese Konsumenten ethisch und moralisch nicht zu vertreten.» Zwar müsse auf den Verpackungen ausgewiesen sein, wenn in der Mast Hormone zum Einsatz gekommen seien. Doch die vorgeschriebene Deklarationspflicht hält die SKS für ungenügend. «Wird vorschriftsgemäss deklariert, wird dieser Hinweis oft derart klein oder ungünstig platziert, dass er kaum wahrgenommen werden kann. Von einer bewussten Entscheidung der Konsumenten für Hormonfleisch kann also auch hier nicht die Rede sein.»

Für Bauernverband nur ein Problem von vielen

Von einer ungenügenden Deklaration spricht auch der Schweizer Bauernverband (SBV) und unterstreicht zudem, dass in den USA nebst dem Hormonfleisch weitere Normen und Gesetze bestünden, mit denen die Schweizer Bevölkerung kaum einverstanden wären. Herkunftsbezeichnung, Gentechnik, Klonen, oder antibiotische Leistungsförderer zählt der Bauernverband darunter. Beim Schweizer Fleischfach-Fachverband hat man da eine liberalere Haltung. «Im Rahmen der Wahlfreiheit soll der Konsument die Möglichkeit haben, sich für Schweizer Fleisch oder für Importfleisch, welches allenfalls mit Leistungsfördern behandelt sein kann, zu entscheiden», schreibt der stellvertretende Direktor Philipp Sax auf Anfrage.

Ins gleiche Horn stösst Proviande, die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft: «Der Konsument kann wählen, ob er importiertes Fleisch, welches von hormonbehandelten Tieren stammen könnte, oder Schweizer Fleisch konsumieren will, welches gemäss der Schweizer Gesetzgebung ohne Leistungsförderer und Hormonbehandlungen der Tiere produziert wurde», schreibt Regula Kennel, Leiterin Unternehmensentwicklung bei Proviande. Für die dafür erforderliche Transparenz sorge die Deklarationspflicht.

Weniger Einkaufstourismus

445105 Tonnen. So viel Fleisch kam im vergangenen Jahr gesamthaft auf den Schweizer Markt. Geht man davon aus, dass diese Menge auch konsumiert wurde, entspricht dies einem jährlichen Pro-Kopf-Verzehr von 52 Kilogramm.

Gemäss dem im März vom Branchenverband Proviande publizierten Bericht, erfreut sich derzeit vor allem inländisches Fleisch wieder grösserer Beliebtheit. «Gegenüber dem Vorjahr nahm das in der Schweiz produzierte Fleisch zu, die Importe hingegen ab», heisst es im Jahresbericht 2018. Ein Trend, der durch weitere Indikatoren bestätigt wird. So kommt das Bundesamt für Landwirtschaft in der vergangene Woche publizierten Marktanalyse zum Schluss, dass auch ennet der Schweizer Grenze weniger Fleisch eingekauft wird.

Demnach wurde im Jahr 2017 mit 3,7 Prozent der Höchstwert der Anteile der Fleischeinkäufe erreicht, welcher ein durchschnittlicher Haushalt im Ausland getätigt hat. Seither kaufen Schweizer wieder vergleichsweise häufiger Fleisch im Inland ein. Im ersten Halbjahr 2019 wurden 3,1 Prozent der Fleischeinkäufe im Ausland getätigt. (rab)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.