Fliegen
Schluss mit eng: Es gibt Economy-Sitze mit mehr Platz

Immer mehr Fluggesellschaften bieten eine Economy-Klasse mit mehr Sitzabstand an. Am Donnerstag stellt die Lufthansa einen drei Zentimeter breiteren Economy-Sitz vor. Doch die Tochtergesellschaft Swiss wartet noch ab. Wieso?

Stefan Schuppli
Merken
Drucken
Teilen
Entspricht einem Marktbedürfnis: In der Premium-Economy-Klasse bekommen die Passagiere mehr Beinfreiheit. ho

Entspricht einem Marktbedürfnis: In der Premium-Economy-Klasse bekommen die Passagiere mehr Beinfreiheit. ho

Der Fotograf Kenneth Nars ist 1,97 Meter gross. Und Langstreckenflüge sind ihm ein Graus. In einen Economy-Sitz passt er nicht: Seine Knie stossen an den Vordersitz und der Seitenabstand ist ebenfalls eher zu klein. Business-Klasse kommt aus finanziellen Gründen nicht infrage. So versucht er jeweils, einen Notausgang-Sitz oder einen anderen Platz mit mehr Beinfreiheit zu ergattern. Meist sind diese aber ausverkauft. Kurz: Unser Fotograf ist ein potenzieller Kunde für eine aufgewertete Economy-Klasse.

Immer mehr Fluggesellschaften bieten eine solche Premium Economy an. Heute stellt Lufthansa ihre Version vor. Der neu entworfene Sitz ist je nach Flugzeugtyp um bis zu 3 Zentimeter breiter als ein Sitz der normalen Economy-Klasse, der Sitzabstand ist 18 Zentimeter grösser. Eine Mittelkonsole zwischen den Sitzen mit einer eigenen Armlehne schafft insgesamt rund 10 Zentimeter mehr Platz zur Seite. Die Rückenlehne lässt sich weiter nach hinten neigen. Und schliesslich ist der Flachbildschirm, ein Touchscreen, etwas grosszügiger.

Sukzessive rüstet Lufthansa ab dem 10. Dezember Strecken von Frankfurt nach Buenos Aires, Chicago, Hongkong, Mexiko-Stadt, São Paulo, Seoul, Peking und Washington mit dieser neuen Klasse aus. Mit zwei Gepäckstücken bis zu je 23 Kilogramm kann der Passagier doppelt so viel Freigepäck mitnehmen wie in der Economy. Die Sitzabstände anderer Fluggesellschaften sind ähnlich. Spitzenreiterin in unserem Vergleich ist Turkish Airlines. Deren Langstreckenflüge beginnen allerdings alle in Istanbul.

Mit der neuen Klasse zielen Airlines auch auf Geschäftskunden. Viele Firmen wollen die mehrere tausend Franken teuren Business-Tarife nicht mehr bezahlen und verbannen ihre Angestellten in die Holzklasse. Eine etwas komfortablere Economy kann deshalb durchaus einem Marktbedürfnis entsprechen.

15 Zentimeter mehr bei Edelweiss

In der Schweiz hat erst Edelweiss eine etwas luftigere Economy eingeführt. Sie heisst Economy Max und bietet einen um 11 bis zu 15 Zentimeter grösseren Sitzabstand. Der Sitz kann fünf Zentimeter weiter nach hinten geneigt werden. Alkoholika sind gratis. Edelweiss-Sprecher Andreas Meier: «Es wird im Prinzip Economy gebucht, und es gibt die Möglichkeit einer Sitzplatzreservation im Economy-Max-Sektor.» Die Auslastung sei drei Monate nach der Einführung noch nicht sehr hoch. Die Kunden würden das Produkt noch zu wenig kennen. Aber die Reaktionen der Passagiere, welche die Economy Max gebucht hätten, seien sehr positiv, sagt Meier.

Swiss verzichtet vorerst noch auf eine Zwischenklasse. «Wir schauen uns das Thema in Verbindung mit der langfristigen Produktentwicklung an», sagt eine Swiss-Sprecherin lediglich.

Gemäss dem Online-Vergleichsdienst Seatguru haben diese Extras allerdings ihren Preis: Er kann auf Langstrecken bis zu 85 Prozent über dem Economy-Tarif liegen. Wenn man nahe beim Abflugdatum bucht, sei der Aufschlag nur noch 35 Prozent. Bei Edelweiss kosten die 15 Zentimeter mehr Beinfreiheit je nach Distanz 400 bis 600 Franken retour. Lufthansa berechnet im Schnitt einen Zuschlag von 750 Franken für Asien- oder Nordatlantik-Retourflüge. Die neue Premium-Eco-Klasse der Lufthansa liege im Durchschnitt näher an der Economy als an der Business-Klasse, heisst es bei Lufthansa.

Sitze beim Notausgang sind teurer

Singapore Airlines hat noch keine Premium Economy. Aber Sitze mit mehr Beinfreiheit gibt es gleichwohl — bis zu 23 Stück pro Flugzeug. Der Aufpreis auf der Strecke Zürich–Singapur beträgt 60 US-Dollar. Economy Plus soll im Sommer eingeführt werden.

Easyjet verkauft die Sitze in der ersten Reihe oder beim Notausgang ebenfalls mit einem Zuschlag. Auf der Strecke Basel– London beträgt er beispielsweise 18 bzw. 12 Franken, auf der Strecke Basel–Tel Aviv 22.45 bzw. 15 Franken pro Weg.