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Schmerzliche Ablösung – Migros-Chefs ordnen ein

Aus dem Verkauf von Globus und Interio wird Migros nicht viel Geld lösen können.
Daniel Zulauf

Die Trennung falle ihm persönlich schwer, sagte Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen gestern Nachmittag auf einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz am Hauptsitz des Migros-Genossenschafts-Bundes in Zürich. Aber man habe sich eingestehen müssen, dass Migros nicht mehr die beste Eigentümerin der zum Verkauf gestellten Handelsformate sei. Der Westschweizer zeigte das Dilemma am Beispiel von Globus auf. Die Zukunft der Warenhausgruppe liege im hochpreisigen Premiumsegment. Auf diesem Weg müsse das Unternehmen konsequent weitergehen. Der Graben zur angestammten Migros-Kundschaft werde sich weiter vertiefen.

Der für Globus und das gesamte Migros-Departement Handel zuständige Manager Beat Zahnd verglich die Reise von Globus mit der Besteigung eines 8000-Meter-Gipfels. «Wir befinden uns erst im dritten Basislager und für die restliche Strecke bis zum Gipfel benötigt Globus einen Bergführer.» Diese Erfahrung kann Migros nicht bieten. Zwar besitzt der grösste Detailhändler der Schweiz Globus seit 20 Jahren, doch das Wissen über das Warenhausgeschäft steckt immer noch allein im Zürcher Traditionshaus. Was Globus fehlt, ist Kapital. Die Gesellschaft werde in den nächsten Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag investieren müssen – eine gigantische Summe, wenn man bedenkt, dass der Edelhändler derzeit gar kein Geld verdient. Hohe Investitionen waren schon in den letzten vier Jahren nötig, um das Onlinegeschäft anzukurbeln. Die Anstrengungen trugen auch erste Früchte. Doch auf der veralteten IT-Infrastruktur lasse sich das Onlinegeschäft nicht mehr weiterentwickeln. «Der Erfolg hat uns eingeholt», sagte Zahnd. Migros will oder kann sich die anstehenden Investitionen bei Globus nicht mehr leisten.

Käufer müssen Geld für Investitionen mitbringen

Auch bei Interio gibt es viel zu tun. Interio habe sich gar nicht so entwickelt, wie man sich dies bei Migros vorgestellt habe, sagte Zumbrunnen. Das im Mittelpreissegment positionierte Geschäft wird in dem zunehmend polarisierten Wettbewerbsumfeld aufgerieben. Man verliere jährlich 3 bis 4 Prozent Umsatz, räumte Zumbrunnen ein.

Nun begebe man sich auf die Suche nach Käufern, die auch die Mittel für Investitionen besässen. Für die Erzielung des höchsten Preises sei dies zwar vielleicht nicht die beste Vorgehensweise. Doch man habe damit rechnen müssen, dass sich nach dem Entscheid des Verwaltungsrates am Mittwochabend schnell Gerüchte ausbreiten würden, die eine Verunsicherung der Belegschaft bewirkt hätten.

Wie der Verkaufsprozess vor sich gehen soll, werde in den nächsten Tagen oder Wochen kommuniziert. Einen Abschluss erhoffe man sich bis 2020, sagte der Migros-Chef. Interessenten gäbe es sowohl im Inland wie auch im Ausland, meinte Zahnd. Internationale Warenhausbetreiber seien mit Blick auf die hohe Kaufkraft der Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten sehr interessiert am hiesigen Markt, erklärte er. Offen bleibt vorerst, ob ein Verkauf auch die zahlreichen Immobilien an besten Lagen in Schweizer Städten umfassen würde. Man würde die Immobilien nur verkaufen, wenn der neue Eigentümer klare Pläne habe, versicherte Zumbrunnen. Die Globus-Gruppe besitzt über das ganze Land verteilt 12 Warenhäuser und 27 Fachgeschäfte. Viele befinden sich in Liegenschaften, die der Migros gehören. Nach welchen Ansätzen diese ihren Tochterfirmen die Mieten verrechnet, ist nicht bekannt.

Dass Top-Lagen wie die Zürcher Bahnhofstrasse für den Betrieb herkömmlicher Warenhäuser zu teuer werden können, zeigt der laufende Streit um einen neuen Mietvertrag zwischen der Liegenschaftsbesitzerin SwissLife und der Warenhausbetreiberin Manor. Vor diesem Hintergrund ist nicht anzunehmen, dass Migros aus dem Verkauf ihrer Tochtergesellschaften viel bares Geld lösen kann. Immerhin kann sich der orange Riese das Geld für neue Investitionen sparen und auch Verlustlöcher schliessen.

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