Finma gibt grünes Licht: Sanierung des Luzerner Stahlkonzerns Schmolz+Bickenbach kann beginnen

Die Finanzmarktaufsicht bewilligt den Sanierungsplan von Schmolz+Bickenbach. Aber sie macht eine Auflage.

Maurizio Minetti
Hören
Drucken
Teilen
Blick auf die Schmolz+Bickenbach-Tochtergesellschaft Swiss Steel in Emmenbrücke.

Blick auf die Schmolz+Bickenbach-Tochtergesellschaft Swiss Steel in Emmenbrücke.

Dominik Wunderli  (2. Dezember 2019)

Die frohe Botschaft kam am Adventstag: Am Sonntag ist der angeschlagene Luzerner Stahlhersteller Schmolz+Bickenbach (S+B) darüber informiert worden, dass die Finanzmarktaufsicht die vorgesehene Kapitalerhöhung und damit den Sanierungsplan von Grossaktionär Martin Haefner gutheisst. Die Finma kippt damit den negativen Entscheid der Übernahmekommission, welche vor zwei Wochen verlangt hatte, dass ­Haefner den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot macht.

Die Gesellschaft und deren Grossaktionär sind der Meinung, dass eine Ablehnung durch die Finma das Überleben des traditionsreichen Schweizer Stahlkochers gefährdet hätte. Für S+B sind alleine im Stahlwerk Swiss Steel in Emmenbrücke und am Konzernhauptsitz in Luzern insgesamt fast 800 Personen tätig, weltweit sind es rund 10 000.

Pflichtangebot wird in fünf Jahren fällig

Martin Haefners Big Point Holding wird mit dem vorgesehenen Plan die Schwelle von einem Drittel der Anteile überschreiten. In solchen Fällen sind Aktionäre verpflichtet, den übrigen Anteilshabern ein Kaufangebot zu unterbreiten. Eine Ausnahme ist möglich, wenn es sich dabei um einen Sanierungsfall handelt. Die Übernahmekommission hatte argumentiert, eine Sanierung sei in diesem Fall auch ohne Kontrollwechsel möglich. Die Finma gewährt nun Haefner aber eine Ausnahme von der Angebotspflicht.

Diese Ausnahme war eine der Bedingungen von Haefner, um das Unternehmen mit einer Geldspritze per Kapitalerhöhung zu stützen. Er will seine Beteiligung von derzeit 17,5 auf 37,5 Prozent ausweiten. Haefner hatte sich vor einer Woche mit der von Viktor Vekselberg kontrollierten Liwet Holding darauf geeinigt. Der Anteil von Liwet soll auf 25 von derzeit 26,9 Prozent sinken.

Allerdings ist die Finma-­Bewilligung mit einer Auflage verbunden: Sollte Haefners Big Point bis zum 31. Dezember 2024 nach wie vor mehr als einen Drittel der Anteile besitzen, muss er den übrigen Aktionären ein Pflichtangebot unterbreiten. Damit solle sichergestellt werden, dass die Rechte der Minderheitsaktionäre nach Wegfall des Sanierungsbedarfs angemessen berücksichtigt würden, schreibt die Finma. Haefner zeigt sich in einer Mitteilung mit dieser Bedingung einverstanden. Es sei noch zu früh, um abschätzen zu können, ob Haefner in fünf Jahren ein Pflichtangebot unterbreite oder seinen Anteil reduziere, sagte ein Sprecher am Montag.

Ex-Chefs begrüssen den Entscheid

Liwet, Big Point und die Luzerner Regierung begrüssen den Entscheid der Finma. Auch zwei kritische Ex-Chefs äusserten sich positiv. André von Moos (70) hatte im Vorfeld gemutmasst, Haefner sei nur am Immobilienbestand in Emmenbrücke interessiert. Auf der anderen Seite hatte Marcel Imhof (71) die Absichten von Vekselberg hinterfragt. Nun sagen beide unisono, es sei die beste Lösung erzielt worden.

«Die Finma hat die Rechte der Minderheitsaktionäre geachtet und gleichzeitig der existenziellen Not des Unternehmens Rechnung getragen», sagt von Moos. Dass die Minderheitsaktionäre kein Kaufangebot erhalten, wertet er nicht als negativ: «Die Alternative zum Sanierungsplan wäre der Konkurs gewesen, dann hätten alle Aktionäre alles verloren», sagt von Moos. Imhof pflichtet dem bei und wertet den Entscheid auch für die Mitarbeiter als positiv.

Die Kleinaktionäre sind nicht in einer Vereinigung organisiert. Einer von ihnen, der Aargauer Treuhänder Alex Stäuble, sieht ebenfalls das Positive: «Nun erwarten wir ein langfristiges Engagement von Herrn Haefner und vor allem, dass kein Machtkampf mehr ausgetragen wird.»

Nach dem Finma-Entscheid bleiben aber viele Baustellen offen. Von Moos gibt zu bedenken, dass der weltweit tätige Konzern auf die sich verändernden Bedürfnisse der Autoindustrie reagieren müsse: «Die Arbeit fängt erst an.» Das Schweizer Stahlwerk sieht er finanziell und technologisch aber gut aufgestellt. Ausserdem braucht S+B frisches Fremdkapital. «Was die Banken betrifft, arbeiten wir zurzeit daran, die Refinanzierung in den nächsten Wochen vollumfänglich zu sichern. Wir machen diesbezüglich sehr gute Fortschritte», sagt ein Sprecher des Stahlkonzerns. S+B hatte die Kreditbedingungen der Banken mehrfach verletzt und einen Aufschub bis Ende Januar erhalten. Nun gilt es, die Bedingungen mit den Banken neu zu verhandeln. «Keine einfache Aufgabe», sagt Ex-Chef von Moos.

Mehr zum Thema