Schmolz+Bickenbach-Grossaktionär Haefner macht Konzessionen

Im Machtkampf zwischen den Grossaktionären beim Stahlhersteller Schmolz + Bickenbach (S+B) macht Martin Haefner Konzessionen. Der Amag-Besitzer verzichtet auf die Bedingung, an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 2. Dezember zwei Kandidaten als neue Mitglieder in den Verwaltungsrat wählen zu lassen.

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(awp/sda) Dies teilte S+B am Freitag in einem Communiqué mit. An der a.o. GV soll über eine Kapitalerhöhung im Gesamtbetrag von mindestens 189 Millionen und höchstens 350 Millionen Franken abgestimmt werden, um dem in Geldnot steckenden Konzern das Überleben zu sichern.

Grossaktionär Martin Haefner will die Kapitalerhöhung unterstützen, hat aber dafür mehrere Bedingungen gestellt. So hat er sich verpflichtet, bis zu 325 Millionen Franken einzubringen, falls er damit seinen Anteil von 17,5 Prozent auf mindestens 37,5 Prozent aufstocken kann.

Zudem verlangt Haefner bei S+B eine ausreichende Sicherheit für die Fremdfinanzierung sowie eine Ausnahmebewilligung der Übernahmekommission, damit Haefner kein Übernahmeangebot an die restlichen S+B-Aktionäre abgeben muss, wenn er die Beteiligungsschwelle von einem Drittel überschreitet. Eine solche Ausnahme kann laut Gesetz erteilt werden, «wenn die Beteiligungspapiere zu Sanierungszwecken erworben werden».

Vorläufiger Verzicht

Überdies hatte Haefner verlangt, dass an der ausserordentlichen GV zwei Personen seiner Wahl in den Verwaltungsrat einziehen sollten. Diese letzte Bedingung lässt Haefner nun vorübergehend fallen, wie Schmolz + Bickenbach Freitag bekannt gab. Der S+B-Verwaltungsrat habe am Vortag von dem Verzicht Kenntnis genommen, hiess es.

Der Verzicht gelte nur vorläufig, sagte S+B-Sprecher Ulrich Steiner auf Anfrage: Haefner verzichte nicht grundsätzlich auf seine zwei VR-Kandidaten.

Ein Sprecher Haefners begründete dies damit, dass es jetzt in einem ersten Schritt an der GV im Dezember um die Kapitalerhöhung gehe. In einem zweiten Schritt werde es dann später sowieso zu einer Gesamterneuerung des Verwaltungsrats kommen. Deshalb wäre es zu früh, jetzt schon zwei neue Kandidaten zu bringen, erklärte der Sprecher Haefners.

Machtkampf ausgebrochen

Beim Stahlkonzern ist ein Machtkampf zwischen Haefner und der Liwet Holding ausgebrochen, deren grösster Anteilseigner mit rund 45 Prozent der russische Investor Viktor Vekselberg ist. Die Liwet, die 26,9 Prozent an Schmolz + Bickenbach hält, will vier von sieben Verwaltungsräten rauswerfen und mit eigenen Leuten ersetzen.

Konkret forderte die Liwet Holding Anfang Woche eine ausserordentliche Generalversammlung zur Neubesetzung des Verwaltungsrates. Dabei sollen Verwaltungsratspräsident Jens Alder sowie die Verwaltungsräte Michael Büchter, Isabel Corinna Knauf und Adrian Widmer abgewählt werden.

Liwet schlägt vor, diese vier Verwaltungsräte durch die Zuwahl von vier neuen VR-Mitgliedern zu ersetzen. Diese sind Jürgen Geissinger, der neuer Präsident werden solle, Aldo Belloni, Inka Koljonen und Michael Süss.

Der Verwaltungsrat habe von dem Begehren von Liwet Kenntnis genommen, schrieb Schmolz + Bickenbach nun am Freitag, ohne sich inhaltlich dazu zu äussern: «Der Verwaltungsrat beauftragt den Vergütungsausschuss mit einer Beurteilung der von der Liwet Holding AG vorgeschlagenen Kandidaten», hiess es lediglich.

Damit hat der Verwaltungsrat eine grundsätzliche Brüskierung von Liwet vermieden. Denn unter den Kandidaten befänden sich renommierte Personen mit einem grossen Leistungsausweis, erklärte S+B-Sprecher Steiner. Darum habe der Verwaltungsrat entschieden, den Vergütungsausschuss mit Beurteilung dieser Kandidaten zu beauftragen.