Schmolz+Bickenbach schlägt sechs neue Verwaltungsräte zur Wahl vor

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(sda/awp) Der Luzerner Stahlhersteller Schmolz+Bickenbach (S+B) plant einen Umbau des Verwaltungsrats: Den Aktionären werden sechs neue Mitglieder zur Wahl vorgeschlagen. Grossaktionär Martin Haefner tritt ab und lässt sich neu vertreten. Präsident Jens Alder bleibt.

Auch die Generalversammlung von Schmolz+Bickenbach muss am 28. April wegen Corona vor leeren Rängen durchgeführt werden, wie aus einer Mitteilung der Gruppe am Dienstag hervorging. Die Aktionäre werden daher dazu aufgefordert, ihre Aktien ausschliesslich durch den unabhängigen Stimmrechtsvertreter vertreten zu lassen.

Haefner tritt ab

Im Fokus steht die Wahl neuer Verwaltungsräte: Neu zur Wahl stehen Svein Richard Brandtzaeg, Heinrich Christen, David Metzger, Michael Schwarzkopf, Karin Sonnenmoser und Jörg Walther. Abtreten werden Michael Büchter, Isabel Corinna Knauf, Alexey Moskov und Vizepräsident Martin Haefner. Bereits im Januar trat Oliver Thum zurück.

Der Amag-Besitzer Haefner hält über die BigPoint Holding beinahe die Hälfte an Schmolz+Bickenbach. Er wird künftig im Verwaltungsrat durch den Unternehmensberater Christen und den Rechtsanwalt Walther vertreten. Die Vertretung des zweiten Grossaktionärs Liwet (25 Prozent) ist Metzger. Zum Präsident soll wiederum Jens Alder gewählt werden. Er und Adrian Widmer sind die beiden einzigen, die sich zur Wiederwahl stellen.

Mit den vier neuen, unabhängigen Verwaltungsräten holt sich Schmolz+Bickenbach einiges an Knowhow ins Boot: Brandtzaeg steht aktuell dem Verwaltungsrat des norwegischen Baukonzerns Veidekke vor und war bis 2019 Chef des Aluminiumherstellers Norsk Hydro. Schwarzkopf leitet den Aufsichtsrat des österreichischen Metallverarbeiters Plansee. Und Karin Sonnenmoser ist Finanzchefin beim deutschen Elektronikeinzelhändler Ceconomy.

Corona-Krise bleibt im Blick

Man behalte sich mit Blick auf die Coronakrise vor, ab heute bis zur Generalversammlung Massnahmen zu erlassen. Dies werde vor allem dann in Betracht gezogen werden, wenn das beschlossene Versammlungsverbot über den 19. April 2020 hinausgehe. Wegen Corona prüft der Konzern, in welchen Ländern Staatshilfe angefordert werden soll.

Schmolz+Bickenbach hat nach einem längeren Zwist zwischen den Grossaktionären BigPoint und Liwet erst im Januar über eine Kapitalerhöhung seine Bankenfinanzierung neu geordnet und die dringend notwendige Refinanzierung abgeschlossen. Mit den Banken und BigPoint wurde eine bis März 2025 laufende Finanzierungsvereinbarung geschlossen.

Das Geschäft soll derweil restrukturiert und auf Kurs gebracht werden. Das ist nötig, denn in den vergangenen Jahren hat Schmolz+Bickenbach hohe Verluste geschrieben. Im Jahr 2019 resultierte wegen hoher Wertberichtigungen auf gewissen Gesellschaften ein Fehlbetrag in Höhe von 521 Millionen Euro.

Aktie erholt sich

An der Börse litten die Aktien von Schmolz+Bickenbach in den vergangenen Jahren stark unter den schwachen Zahlen, den Querelen im Verwaltungsrat und zuletzt auch unter der Coronakrise und verloren an Wert. Nach den News vom Morgen reagieren die Titel indes positiv: Gegen 9.30 Uhr erholt sich der Kurs mit 6,5 Prozent auf 0,16 Franken. Vor einem Jahr hatte man allerdings für die Papiere noch 0,47 Franken bezahlt.