Lohnexzesse
Schneider-Ammann liest Managern in Davos wegen Lohnexzessen die Leviten

Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann hat am Rande des WEFs in Davos Schweizer Manager eine Standpauke gehalten. Viele von ihnen hätten sich schwere Fehler wie Lohnexzesse erlaubt, kritisierte er und mahnte sie zur Mässigung.

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Bundesrat Schneider-Ammann liest den Managern die Leviten.

Bundesrat Schneider-Ammann liest den Managern die Leviten.

Keystone

Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat am World Economic Forum in Davos einem kleinen Kreis von Wirtschaftsführern ins Gewissen geredet, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet: Zu viele von ihnen hätten sich schwere Fehler wie Lohnexzesse erlaubt. Dadurch sei das Vertrauen in die Wirtschaft zerstört worden, was sich in politischen Vorstössen wie der Abzocker- und der Mindestlohninitiative niederschlage.

Die Standpauke hielt Schneider-Ammann zusammen mit Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt an einem Frühstücksanlass auf der Schatzalp. Sie forderten von den Managern Masshalten, Bescheidenheit und Volksnähe.

Vogt sagte: «Es braucht wieder mehr Unternehmer und Leute aus der Privatwirtschaft in der Politik. Natürlich wird es kaum mehr neue Schneider-Ammanns oder Spuhlers geben. Aber Mitglieder von Geschäftsleitungen könnten durchaus politische Ämter übernehmen.»

Nicht bei allen kam diese Botschaft gut an. «Ein undifferenzierter Rundumschlag», kritisierte ein Manager gegenüber der »NZZ am Sonntag».

«Und einmal mehr wurden die Banken als Sündenbock für alles hingestellt. Dabei hätte man ja auch einmal darauf verweisen können, welch grosse Fortschritte die Finanzbranche bei der Beseitigung dieser Missstände gemacht hat.» Es sei naiv zu glauben, heutige Wirtschaftsführer würden noch über die Zeit verfügen, um politische Ämter zu übernehmen.

Schneider-Ammann und Vogt wollten den Managern auf den Weg ins Unterland mitgeben, sie sollten bewährte Schweizer Werte zur Richtschnur ihres Handelns machen: also Masshalten, Bescheidenheit, Volksnähe.

Die Einladung auf die Schatzalp spricht Klartext: «Die Jahresabschlüsse und die Lohnforderungen stehen nächstens an. Nutzen Sie diese Chance und zeigen Sie, dass Sie sich auf die schweizerische Corporate Identity zubewegen.»(rsn)