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«Skistars kommen extra ins Rheintal»: Wie eine neue Bürste aus der Ostschweiz Feuz & Co. noch schneller machen soll

Bruchteile einer Sekunde entscheiden bei den Skistars über Sieg oder Niederlage. Bruchteile von Sekunden, die der Ostschweizer Skiwachshersteller Toko mit seiner neuen intelligenten Bürste eliminieren will.
Roberta Maria Koch
Udo Raunjak leitet die Entwicklung und Forschung bei der Toko Swix Sport AG in Altstätten. Er demonstriert die neueste Innovation, eine intelligente Bürste.(Bilder: Mareycke Frehner)

Udo Raunjak leitet die Entwicklung und Forschung bei der Toko Swix Sport AG in Altstätten. Er demonstriert die neueste Innovation, eine intelligente Bürste.
(Bilder: Mareycke Frehner)

Die Rheintaler Traditionsmarke Toko hat Athleten wie Bernhard Russi, Heini Hemmi und Simon Ammann zu Olympiasiegen verholfen. Und auch bei der diesjährigen Skiweltmeisterschaft in Åre spielt Toko eine Rolle bei der Medaillenjagd. Welche Sportlerinnen und Sportler in Schweden mit Produkten der Marke Toko antreten, ist jedoch Betriebsgeheimnis. Diskretion gehört zum Geschäft.

Das über 100-jährige Unternehmen mit Sitz in Altstätten zählt seit Einführung des Aufreibwachses «Toko 1-3-5» zu den führenden Oberflächenspezialisten im Skisport. Im Jahr 2010 übernahm die norwegische Swix-Sport-Gruppe die von Jakob Tobler gegründete Firma. Der Sportanbieter Swix ist insbesondere bei Produkten für nordische Sportarten Marktführer. Die Stärke von Toko hingegen liegt in der Herstellung von Gleitwachs für Ski alpin. Gemeinsam kommen die beiden Sportmarken auf einen Marktanteil von rund 85 Prozent in der Schweiz. Laut Udo Raunjak, Forschungs- und Entwicklungschef von Toko, mangelt es nicht an Konkurrenz.

«Den meisten fehlen jedoch die finanziellen Mittel und die nötige In­frastruktur, um innovativ arbeiten zu können.»

Auch Toko hat Erfahrung mit Krisen. Erst mit der Übernahme durch die Skandinavier konnte das Unternehmen ein moderneres Labor einrichten und die Entwicklung neuer Produkte fördern. Für den Weltcup 2005 habe Toko noch bei den Teams anklopfen müssen. «Heute kommen die Skistars sogar extra ins Rheintal», sagt Raunjak.

Intelligente Bürste mit Wiler Zeintra AG entwickelt

Ob Norweger, Österreicher oder Schweizer – Toko agiert international. Auch an der Skiweltmeisterschaft werde nicht nur mit Schweizer Athleten zusammengearbeitet, so viel kann der Entwicklungschef verraten. «Es dürfen ja auch nicht nur Schweizer eine Rolex tragen», sagt Raunjak. Und dennoch, das Schweizer Skiteam, das beinahe wöchentlich vor Raunjaks Tür stehe, durfte bereits vergangenen Herbst mit den Prototypen der neusten Produktinnovation aus dem Hause Toko Testfahrten auf der Piste durchführen.

Dabei handelt es sich um eine sogenannte intelligente Bürste, die in Zusammenarbeit mit der Wiler Bürstenherstellerin Zeintra AG entwickelt wurde. Intelligent sei die Bürste deshalb, weil sie nicht wie herkömmliche Modelle die Skis poliere, sondern sie zusätzlich auch mit der Nanoschicht eines speziell auf die Wetterbedingungen angepassten Zusatzstoffes versehe. Möglich ist das, weil die Fasern der Bürsten aufgeschmolzen und mit Additiven ergänzt werden. Aktuell ist die Spezialbürste in drei Varianten im Einsatz: eine für kalte Temperaturen, eine für warme und eine universell anwendbare Bürste. Im Detailhandel erhältlich werden die Bürsten voraussichtlich erst in der kommenden Saison sein. Zuvor muss noch das Feedback von den Spitzensportlern abgewartet werden.

Beschleunigung verbessern

Mit der Produktinnovation möchte Toko die Beschleunigung der Ski am Start eines Rennens verbessern. Die Skifahrer sollen sich, so gut es geht, nur auf das Rennen und nicht etwa auf die Ski konzentrieren müssen. Welche Variante für den Hobbysportler im Handel erhältlich sein werde, sei aktuell noch ungewiss. Man dürfe den Endkonsumenten nicht mit einer zu grossen Auswahl überfordern, sagt Raunjak.

Doch die intelligenten Fasern kommen nicht nur im Skisport zum Einsatz. Schon bevor die Zeintra AG Toko kontaktierte, verwendete die Wiler Herstellerin technischer Bürsten das Fasermaterial in der Uhrenindus­trie. Hierbei liege der Fokus ins­besondere darauf, Uhrengläser noch wasserabweisender und kratzfester zu machen. Mit der Kooperation ist der Forschungs- und Entwicklungschef von Toko sehr zufrieden. Das Projekt wurde vor rund einem Jahr lanciert. Ziel war, das Produkt zeitgerecht für die Skiweltmeisterschaft 2019 fertigzustellen. Und tatsächlich haben sie es auf den letzten Drücker geschafft.

Udo Raunjak zeigt die intelligente Bürste.

Udo Raunjak zeigt die intelligente Bürste.

Knapp eine Woche vor dem Startschuss konnten die Bürsten ins schwedische Åre geliefert werden. Laut Raunjak ist dies nur möglich gewesen, weil Zeintra ebenfalls eine Ostschweizer Firma ist. Insbesondere die Regionalität, die Schweizer Qualität und die gleiche Sprache seien für die Kooperation massgeblich gewesen. Dank Innovationen wie der Hightech-Bürste konnte Toko in den vergangenen Jahren stetig wachsen.

Erfolgreiches Geschäftsjahr 2018

Raunjak arbeitet bald 20 Jahre für den St.Galler Skiwachshersteller. Das Geschäftsjahr 2018 sei das Beste, das er miterleben durfte. Und das Jahr 2019 schaue sogar noch vielversprechender aus. Die Jagd nach den Medaillen ist an der WM in vollem Gang, und Toko als heimliche Medaillenschmiede ganz vorne, oder besser ganz unten, voll mit dabei.

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