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SCHOKOLADE: Lindt & Sprüngli verspürt Gegenwind in Amerika

Lindt & Sprüngli verfehlt zum ersten Mal seit langer Zeit die Wachstumsziele. Der Schokoladenhersteller leidet unter dem veränderten Konsumverhalten.
Daniel Zulauf
Chocolatier Urs Liechti (links) und Lindt-CEO Dieter Weisskopf. (Bild: Melanie Duchene/Key (Kilchberg, 6. März 2018))

Chocolatier Urs Liechti (links) und Lindt-CEO Dieter Weisskopf. (Bild: Melanie Duchene/Key (Kilchberg, 6. März 2018))

Daniel Zulauf

Knapp eineinhalb Jahre nach seiner Berufung zum CEO ist für Lindt-&-Sprüngli-Chef Dieter Weisskopf die Schonzeit abgelaufen. Der langjährige Finanzchef, der seit 23 Jahren für den Schokoladenhersteller tätig ist, muss rasch Antworten auf das sich schnell verändernde Handelsumfeld im US-Markt finden, um den Konzern nach der überaus erfolgreichen Ära unter seinem Vorgänger und jetzigen Verwaltungsratspräsidenten Ernst Tanner auf Kurs zu halten.

Zwar gelang es Lindt & Sprüngli, den Umsatz letztes Jahr aus eigener Kraft um 3,7 Prozent auf mehr als 4 Milliarden Franken anzuheben. Doch erstmals seit langer Zeit blieb das Unternehmen hinter dem eigenen Ziel eines organischen Wachstums von 6 bis 8 Prozent zurück. Im Vergleich zum Vorjahr (+6,8 Prozent) hat sich das Wachstumstempo stark verlangsamt.

Der Grund dafür sind Veränderungen im amerikanischen Handelsumfeld, die dereinst auch andere Märkte erreichen könnten. Lindt & Sprüngli spürt die rückläufigen Kundenfrequenzen in den grossen Warenhäusern. «Wir sind nicht zufrieden mit dem USA-Geschäft», sagte Weisskopf. Zwar ist Schokolade fast nie der ausschlaggebende Grund für einen Einkauf, aber die Konsumenten lassen sich vom süssen Angebot gerne verführen, wenn sich die spontane Gelegenheit bietet. Diese sogenannten Impulskäufer werden weniger, je mehr die Onlinehändler dem stationären Handel das Wasser abgraben.

In den USA ist dieser Trend deutlich fortgeschritten. Schwierige Zeiten erleben auch die ­typischen US-Drug-Stores, ein wichtiger Absatzkanal für die Scho­koladeproduzenten. CVS, die grösste Drogerienkette des Landes mit rund 10 000 Filialen, kündigte im Frühjahr 2017 einen radikalen Umbau seiner Läden an. Im Bestreben, die Kunden verstärkt mit Angeboten für ein gesundes Leben zu gewinnen, werden Schokolade und andere zuckerhaltige Süsswaren fortan nicht mehr wie bis anhin an den Kassen, sondern vermehrt in den hinteren Bereichen der Läden feil- geboten. Betroffen ist insbesondere das Sortiment von Russell Stover. Lindt & Sprüngli hatte den US-Pralinenhersteller vor drei Jahren für mehr als eine Milliarde Dollar übernommen und muss der Traditionsmarke nun über einen sich deutlich abzeichnenden Wandel der amerikanischen Konsumgewohnheiten hinweghelfen.

Mehr Geld für Werbung

Angehen will Weisskopf die US-Wachstumsschwäche mit Sortimentsbereinigungen und Massnahmen zur Ankurbelung der Verkäufe an den klassischen Schokolade-Hochtagen wie Ostern, Weihnachten oder Valentinstag. Zudem sollen Verbesserungen in der operationellen Effizienz Geld für mehr Werbung freisetzen. Die Herausforderungen scheinen gross, dürften aber aufgrund der anhaltend guten Geschäftsentwicklung in Europa (50 Prozent des Umsatzes) und in neuen Märkten bewältigbar sein.

Für das laufende Jahr erwartet die Firma ein Wachstum von 5 Prozent. Die Börse hat diese Verlangsamung bereits vorweggenommen. Seit zwei Jahren bewegen sich die Aktien nur noch seitwärts. Die robuste Gewinnzunahme (+7,8 Prozent) und das ebenfalls gestern angekündigte neue Aktienrückkaufprogramm im Umfang von 500 Millionen Franken konnten die Investoren aber wenig begeistern.

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