Ein ehemaliger Sek-Lehrer entwickelt Software-Lösungen für Schulen

In einer Schule werden nicht nur Informationen vermittelt, es fallen auch viele Informationen rund um den Schulbetrieb an. Das Ostschweizer Unternehmen Pupil verspricht, die Koordination zu erleichtern. Es ist für den Preis Startfeld Diamant nominiert.

Sarah Bünter
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Lukas Lehmann (links) ist Berater bei der Wiler Firma Pupil AG, Arber Wagner der Geschäftsführer. (Bild: Urs Bucher)

Lukas Lehmann (links) ist Berater bei der Wiler Firma Pupil AG, Arber Wagner der Geschäftsführer. (Bild: Urs Bucher)

In einem unscheinbaren Jugendstilhaus in Wil befinden sich die Büroräumlichkeiten der Pupil AG. Innen sind die Büros schlicht und modern eingerichtet. Es herrscht Ordnung, wohin das Auge blickt. In dieser Umgebung wird eine Software zur Vereinfachung der Administration von Schulen kontrolliert, wo sie bereits im Einsatz steht. Zugleich wird sie für neue Projekte stetig weiterentwickelt.

Vielen Lehrern kommt diese Situation denn auch bekannt vor: Es gibt eine Excel-Tabelle für die Adressen der Schulklasse, eine separate Notenübersicht für jeden Schüler, und die Raumreservation wird in einem weiteren Dokument geführt – für jede einzelne Aufgabe ein eigenes Dokument, das man nur vor Ort in der Schule bearbeiten kann. Dieser Umstand störte Arber Wagner in seiner Tätigkeit vor gut fünf Jahren als Lehrer am Sekundarschulzentrum Ägelsee in Wilen bei Wil. Die gängigen Werkzeuge waren nicht ortsunabhängig einsetzbar und mit jedem Lehrerwechsel gingen häufig auch die Daten und Unterlagen verloren, so Wagner.

Den Alltag vereinfachen

Obwohl sein Metier Sprachen sind, hat ihn die Affinität zur Informatik eines Tages dazu bewogen, den Grundstein mit einer Homepage für die Software für eine effiziente Schulplanung zu legen. «Ich habe mir überlegt, wie ich den Schulalltag von meinen Arbeitskollegen und mir vereinfachen kann.» Bei den Überlegungen haben auch der damalige Schulleiter des Sekundarschulzentrums sowie der Schulpräsident – und später auch Lehrpersonen und Eltern von Schülern – weitere Ideen und Inputs beigesteuert. Endprodukt ist eine Software namens Pupil.

Dahinter steht nicht etwa die Pupille des Auges, wie das abstrakte Auge im Logo vermuten lassen könnte, sondern der englische Begriff für Schüler. Damit wird die Verbindung zum Fokus der Software hergestellt, welche die Schüler ins Zentrum stellt. Aufgebaut ist die Software auf unterschiedlichen Modulen, die von jeder Schule selbst zusammengestellt werden können. Aktuell können Schulen den Angaben zufolge zwischen 40 verschiedenen Modulen auswählen, die in fünf Hauptbereiche Schulverwaltung, Schulalltag, Auswertung, Kommunikation und Integration unterteilt werden. So lassen sich von der Homepage über die Absenzen und die Bürosoftware auch die Geräte- und Raumreservationen aus einer Hand ver­walten.

Die Entwicklung der Software ist ein laufender Prozess, wodurch immer wieder neue Module hinzukommen. Pupil bringe eine hohe Flexibilität, sagt Lukas Lehmann, der Arber Wagner im Wirtschaftsinformatikstudium kennen gelernt hat und heute als Berater im Unternehmen mitwirkt. Diese Flexibilität lasse es zu, dass man auch Schnittstellen zu anderen Verwaltungssystemen anbiete und kundenspezifische Anpassungen vornehmen könne. Mit ihrer Software möchten die Entwickler die Anwendungslösung (ERP) der Zukunft für Schulen werden.

Würde man aktuell alle Module zusammenkaufen, müsste man mit Initialkosten von gut 70000 Franken rechnen. Die bisherigen Schulen haben jedoch 4 bis 5 Module im durchschnittlichen Wert von 15000 bis 20000 Franken eingekauft. Die Initialkosten sind für alle Kunden gleich. Den Grössen der Schulen wird von Pupil im Service Rechnung getragen. So kostet der Support mit einem Franken pro Schüler je nach Grösse der Schule mehr oder weniger.

Was nach hohen Investitionskosten tönt, sei in der Praxis schnell refinanziert. Erfahrungen hätten gezeigt, dass Einsparungen dank der dazugewonnenen Effizienz die Investitionssummen relativ schnell um das Doppelte gedeckt hätten, argumentiert Lehmann, denn viele Arbeitsschritte können dank Pupil eingespart werden. Auch bei den Eltern sei ihre Software gut angekommen, denn damit könnten sie von zu Hause aus beispielsweise die Besuche beim Mittagstisch planen und müssten dafür nicht viele Telefonate führen.

Was ist mit dem Schutz der Daten?

Aktuell liest man oft über Datenlecks bei internationalen Unternehmen wie Facebook, daher schreibt das Unternehmen die Sicherheit gross. Dafür arbeitet das Unternehmen mit den kantonalen Behörden im Datenschutz eng zusammen. Um Schwachstellen ausfindig zu machen, werden fortlaufend Kontrollen und Tests auch extern durchgeführt. Alle Daten seien in der Schweiz gesichert, so Lehmann. Für die ganze Sicherheit trage der Datenstandort Schweiz enorme Bedeutung.

Mit den Sicherheitsmechanismen, wie einer Zwei-Faktoren-Authentifizierung, in der Software und der sich wiederholenden externen Überprüfung werde die Sicherheit gewährleistet. Pupil hat bis zum heutigen Zeitpunkt in sieben Schulen im Thurgau ihre Software im Einsatz. Weitere Schulen seien bereits im Gespräch oder in der Umsetzungsphase. Die Programmierung lasse es auch zu, die Software in weiteren Sprachen anzubieten. Damit sieht Lehmann ein grosses Potenzial in der gesamten Schweiz und auch im Ausland.