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Schuler St. Jakobskellerei ist seit elf Generationen dem Wein verschrieben

Auf dem Weinmarkt herrscht ein rauer Verdrängungskampf – vor allem online. Davor sind auch Traditionshäuser nicht gefeit.
Raphael Bühlmann
Schuler lagert seine Markenweine wie den «Don Pascual» in Ebikon. (Bild: Remo Inderbitzin, 9. April 2018)

Schuler lagert seine Markenweine wie den «Don Pascual» in Ebikon. (Bild: Remo Inderbitzin, 9. April 2018)

Weil der Weg zu den Weingütern südseits der Alpen gefährlich und anstrengend war, wagten ihn nur Wenige. Dennoch zahlte sich der beschwerliche Weg der Säumer übers Gebirge während Jahrzehnten aus. Mit den besten Flaschen vergorener Trauben erzielten sie diesseits der Alpen einen Gewinn, der für die in Kauf genommenen Strapazen entschädigte.

Ein Zentralschweizer Händler der ersten Stunde ist die Schuler St.Jakobskellerei in Seewen. Im Jahr 1694 brachte Jakob Castell, einer der Gründerväter der Kaufmannsfamilie Castell-Schuler mit italienischen Wurzeln, erstmals Wein, Käse, Olivenöl oder Tuchwaren über den Gotthard. Heute, 325 Jahre später, zählt das mittlerweile auf den Weinhandel spezialisierte Unternehmen mit 125 Mitarbeiter zu den grössten Händlern des Landes.

«Noch nie wurde so wenig Wein getrunken»

Geführt wird die Familien-Kellerei heute in der elften Generation von Samuel Schuler. Er ist der Neffe des bisherigen Patrons Jakob Schuler. Der 38-Jährige hat seine Sporen in der Kaffee- und Uhrenindustrie bei Nestlé Nespresso beziehungsweise Maurice Lacroix abverdient, bevor er im Jahr 2016 als Marketingleiter in den Familienbetrieb einstieg. Auf Anfrage unserer Zeitung zeichnet der junge Geschäftsführer das Bild eines äusserst hart umkämpften Weinmarktes.

«Noch nie wurde in der Schweiz so wenig Wein getrunken und noch nie gab es so viele Anbieter». Tatsächlich bestätigen offizielle Zahlen den Trend (siehe Kasten). Samuel Schuler sagt, dass dies mit einem harten Verdrängungskampf einhergeht und dass dieser vor allem im Internet ausgetragen werde. «Keine andere Sparte im Lebensmittelhandel ist heute derart stark digitalisiert wie der Weinhandel». Dies bestätigen auch die gängigen Onlineshops oder Apps. Trifft beispielsweise eine spezielle Traube den Geschmack eines Restaurantbesuchers, ist ein Karton des entsprechenden Jahrgangs binnen weniger Klicks bestellt. Etikett fotografieren, bestellen, bezahlen und der Wein steht in wenigen Tagen vor der Haustür.

Und auch der Webauftritt der bedeutenden Weinhändler ist aufwendig, mit umfassender Suchfunktion gestaltet. Einige fahren für den Weinhandel gar ein vom restlichen Detailhandel losgelöstes Geschäftsmodell mit separater Domain. Mondovino von Coop zum Beispiel. Und auch Denner unterhält einen separaten Online-Weinshop. «Im Vergleich zum stationären gewinnt der Online-Kanal zunehmend an Beliebtheit», schreibt Denner. Und so hat jüngst auch der Online-Händler Digitec Galaxus bekannt gegeben, sein Weinsortiment auszubauen. Dazu spannt die Migros-Tochter mit dem Online-Händler Flaschenpost zusammen.

Ein immer reichhaltigeres Angebot bei gleichzeitig sinkendem Konsum also. Bleibt da Platz für Traditionshändler wie die St.Jakobskellerei? Für Samuel Schuler steht dies ausser Frage. Zwar sei die Präsenz im Internet unerlässlich – etwa jede zehnte Flasche verkaufen die Schwyzer online – doch genau so wichtig sei die Beratung und der persönliche Kontakt. «Der Weinhändler ist eine Vertrauensperson», sagt Schuler. Diesem Anspruch wolle man mit den insgesamt 14 Weinfachgeschäften, Weinmessen oder den zwei Weinwirtschaften in Luzern und Basel gerecht werden. Zudem arbeite man eng mit den Weinbauern zusammen und besitze mittlerweile auch selbst einige Hektaren Rebberge im Wallis, in der Toskana und neu auch in Armenien.

Auch Önologen seien eigens für das Weinhaus im Einsatz. «Dies erlaubt uns den Aufbau eigener Marken und wir können uns von der Konkurrenz abgrenzen», so Schuler. Ebenfalls ein Vorteil sei, dass man die Weine in Schweizer Holzfässern ausbaue. Die Kellerei unterhält dazu eine eigene Küferei in Seewen. «Im Gegensatz zu vor 300 Jahren ist der Wein viel mehr als eine Handelsware», sagt Schuler.

Weniger, aber teurere Weine

Der Schweizer Weinmarkt schwächelt. Laut dem Bundesamt für Landwirtschaft sind der absolute Konsum, Handel als auch der Import rückläufig. Und dies obschon die Bevölkerung zunimmt. Entsprechend beträchtlich sank der jährliche Pro-Kopf-Konsum in den vergangenen 20 Jahren von 43 auf noch 33 Liter. Dafür werden offenbar immer teurere Tropfen getrunken. Denn zwar ging auch 2018 die importierte Menge um 5 Prozent zurück. Laut der Vereinigung Schweizer Weinhandel nahm aber gleichzeitig der Importwert um 3 Prozent zu.

Dabei stammten fast 60 Prozent der Einfuhren aus Italien. Sowohl beim Weiss- als auch beim Rotweine liegen unseren südlichen Nachbarn vorne. Dabei betrug der durchschnittliche Flaschenpreis beim Weisswein 4 Franken und beim Rotwein 6.60 Franken, dies entspricht gegenüber 2017 einem Plus von 10 Prozent beim Weiss-, bzw. 5 Prozent beim Rotwein. (rab)

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