SCHURTER: Luzern bleibt Kopf und Herz

Der Schurter- Gruppe gelingt ein respektables Jahresergebnis. Am Hauptsitz in Luzern will sich das Unternehmen künftig noch stärker auf Forschung und Entwicklung konzentrieren.

Roman Schenkel
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Sind zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2015: Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter (links) und CEO der Schurter-Gruppe Ralph Müller. (Bilder Dominik Wunderli)

Sind zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2015: Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter (links) und CEO der Schurter-Gruppe Ralph Müller. (Bilder Dominik Wunderli)

Roman Schenkel

Die Luzerner Schurter-Gruppe ist im vom Frankenschock geprägten 2015 nicht ungeschoren davongekommen, sie hat sich aber respektabel aus der Affäre gezogen. So sind die Bremsspuren der starken Schweizer Währung in den Finanzkennzahlen des Herstellers von Elektro- und Elektronikkomponenten sowie Eingabesystemen unübersehbar: Der Umsatz ging um knapp 7 Prozent auf 191 Millionen Franken zurück, der Gewinn nach Steuern sank um über 22 Prozent auf 8,1 Millionen Franken (siehe Tabelle). Dennoch: Den Vergleich mit der Konkurrenz wie beispielsweise Schaffner oder Huber+Suhner braucht der Luzerner Industriebetrieb nicht zu scheuen. «Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden», sagte Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter am gestrigen Mediengespräch zum Jahresergebnis.

In den Zahlen zeigt sich, dass der Stellenwert der Division Eingabesysteme zunehmend an Bedeutung gewinnt. 2015 entfiel etwas mehr als ein Drittel (34 Prozent oder 65 Millionen Franken) des Gruppenumsatzes auf diese Division. Schurter entwickelt und produziert Touchscreens und Touchpanels sowie Folientastaturen. Diese kommen unter anderem in Billettautomaten oder Maschinensteuerungen von beispielsweise Waschmaschinen zum Einsatz. Die restlichen zwei Drittel (126 Millionen Franken) erwirtschaftete das Unternehmen mit der Entwicklung und der Produktion von Komponenten wie Sicherungen oder Gerätesteckern. Die Profitabilität der Schurter-Gruppe, gemessen an der Betriebsgewinnmarge (Ebit-Marge), lag im vergangenen Jahr bei 6,2 Prozent. «Damit liegen wir im Zielband», betont Schurter.

Verträge sofort neu verhandelt

Die Gründe für das den Umständen entsprechend gute Ergebnis ortet er in der schnellen Reaktion seines Unternehmens auf die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB). «Wir haben zackig entsprechende Gegenmassnahmen eingeleitet, um die unkomfortable Ausgangslage abfedern zu können», sagt er. Im Projekt «Franco Forte» wurden sämtliche Massnahmen gebündelt. «Wir haben Verträge mit Lieferanten neu verhandelt oder Preise für ausgewählte Produkte erhöht», erklärt Ralph Müller, CEO der Schurter-Gruppe. Zudem konnte die Schurter-Gruppe dank ihrer weltweiten Präsenz und ihrer bald 21 Ländergesellschaften – ab April ist Schurter mit einer Vertriebsgesellschaft in Polen präsent – die Währungsschwankungen intern relativ gut auffangen.

Auslagerung ins Ausland zentral

Zentral für das Unternehmen sind in der aktuellen Situation aber auch die Verlagerungen von Produktionsbereichen in den günstigeren Euroraum oder nach Asien. Ohne ausländische Standorte gäbe es das Unternehmen in seiner heutigen Form wohl nicht mehr, sind die Produkte von Schurter doch sehr preissensitiv. Hinzu kommt, dass Schurter rund 80 Prozent seines Umsatzes im Ausland erzielt. Die wichtigsten Exportmärkte für Schurter sind Deutschland, die USA und China. Nun kommt es dem Unternehmen zugute, dass es in den zwei vergangenen Jahrzehnten bereits einen Grossteil der einfachen Produktionsschritte ins Ausland verschoben hat. Schon vor der Aufhebung des Mindestkurses hatte das Unternehmen zum Beispiel beschlossen, die Produktionsfläche im Schurter-Werk in Tschechien zu verdoppeln. «Diese Arbeiten haben wir 2015 abgeschlossen», sagt Müller.

Aktuell sei die neu geschaffene Produktionsfläche in Tschechien zu 40 Prozent ausgelastet. «Wie geplant werden nun weitere Arbeitsstunden von Luzern oder anderen Standorten nach Tschechien verlagert», sagt Müller. Dafür werden gewisse Fertigungsschritte in Luzern reduziert und von tschechischen Zulieferern übernommen. Das hat sich auch aufs Personal am Standort Luzern ausgewirkt: Ende 2015 arbeiteten in Luzern noch 311 Personen – 25 weniger als vor Jahresfrist. Der Rückgang beim Personal sei praktisch ohne Entlassungen abgelaufen, betont Müller. Insgesamt beschäftigt die Schurter-Gruppe 1544 Angestellte, davon 453 in der Schweiz.

Luzern bleibt wichtigster Standort

Trotz der starken Tendenz in Richtung Ausland: Luzern soll langfristig Kopf und Herz des Familienunternehmens bleiben. «Luzern ist unser wichtigster Standort. Wir haben immer klar kommuniziert, dass die Zahl der Stellen hier stabil bleiben soll», betont Verwaltungsratspräsident Schurter. Was sich ändere, seien aber die Stellenprofile. «In Luzern haben wir zunehmend höherwertige Stellen», erklärt er. Die Fertigung von Hand finde fast nur noch im Ausland statt. Am Hauptsitz will sich Schurter künftig noch stärker auf die Kernkompetenzen fokussieren. «In Luzern findet die Entwicklung und die Einführung von Produkten statt, die Serienproduktion erfolgt dann mehrheitlich im Ausland», erklärt Müller das Prinzip. Deshalb werde man am Standort im Tribschenquartier auch weiterhin Produktionsabteilungen haben.

Im Auto und im Weltall

rom. Vor drei Jahren erhielt Schurter für die MGA-Space-Sicherung den Innovationspreis der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz. «Diese Auszeichnung hat uns bestärkt, uns an komplizierte und langwierige Projekte zu wagen, die sehr viel Wissen bedürfen», sagt Ralph Müller, CEO der Schurter-Gruppe. Nun kann Schurter im Raumfahrtgeschäft einen weiteren Erfolg vorweisen: Vor Kurzem konnte Schurter eine neue Sicherung für die Raumfahrt zertifizieren lassen.

Die Entwicklung für die neue HCSF-Sicherung habe fünf Jahre gedauert, erzählt Müller. Sie kommt in Satelliten zum Absichern des Stromkreises zum Einsatz. «Dabei muss sie sehr hohe Anforderungen hinsichtlich Temperatur und Erschütterungen erfüllen», sagt Müller. Die Tests sind entsprechend umfangreich: Jede Sicherung wird bei 80 Grad für 168 Stunden getestet. Eine erste Bestellung für die neuen Satellitensicherungen sei bereits aus China eingetroffen. «Wir können die staatliche Firma Cast beliefern», sagt Müller. Diese verwendet die Sicherungen in Kommunikationssatelliten. Interesse an den Sicherungen aus Luzern haben laut Müller auch die privaten US-Raumfahrtunternehmen von Elon Musk und Richard Branson.

Produkte für Elektroautos

Ebenfalls zum Einsatz kommen Schurter-Sicherungen in der Automobilindustrie im Bereich des Batteriemanagements von Elektroautos. Die Arbeit in der Automobilindustrie sei sehr herausfordernd. «Wir müssen aus unserer Komfortzone kommen», gibt Müller zu. Das lohne sich aber: «Für uns ist das ein Innovationstreiber», sagt er. Die Batterien mit den Schurter-Sicherungen werden in Detroit in ein US-Auto verbaut.

Die Bedeutung der Forschung und Entwicklung bei Schurter nimmt weiter zu. Im Bild: Ein Mitarbeiter kontrolliert eine Maschine. (Bilder Dominik Wunderli)

Die Bedeutung der Forschung und Entwicklung bei Schurter nimmt weiter zu. Im Bild: Ein Mitarbeiter kontrolliert eine Maschine. (Bilder Dominik Wunderli)