Corona-Virus schickt Aktienkurse auf Talfahrt: Es war ein schwarzer Montag an den Börsen – und zwar weltweit

Angst vor dem Corona-Virus und einem Erdölpreis-Kampf führt zu panikartigen Verkäufen an den Finanzmärkten.

Niklaus Vontobel und Stefan Ehrbar
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Unter dem Eindruck des Erdöl-Schocks: die nationale Aktienbörse von Kuwait.

Unter dem Eindruck des Erdöl-Schocks: die nationale Aktienbörse von Kuwait.

Bild: Noufal Ibrahim/AP

Die Finanzmärkte machten am Montag dort weiter, wo sie am Freitag aufgehört hatten. Sie verkauften Aktien, und dies im grossen Stil. Der Schweizer Bluechip-Index hat bis Handelsschluss 5,6 Prozent verloren.

Der deutsche Dax stand am Schluss 7,9 Prozent tiefer. Zugleich flüchteten die Anleger in die Sicherheit. Der Franken stand den ganzen Tag unter Aufwertungsdruck. Anleihen von Staaten waren gefragt.

Die Marktbewegungen wurden ausgelöst durch die zunehmende Angst vor den Folgen des Corona-Virus. Am Montag kam ein weiterer Schock dazu. Der Ölpreis brach um 20 Prozent ein. Hintergrund ist ein möglicher Preiskrieg.

Verluste seit dem SMI-Rekord vom Februar

SMI – 18,4 %
Credit Suisse – 37,0 %
UBS – 31,5 %
Swiss Re – 30,1 %
Adecco – 26,3 %
ABB – 24,5 %
Swiss Life – 24,1 %
Zurich Ins. – 23,9 %
Swatch Group – 22,0 %
Novartis – 20,6 %

Russland und Saudi-Arabien liefern sich Preiskrieg

Saudiarabien hatte versucht, andere Mitglieder des Erdölländervereins Opec sowie Russland von einer Produktionssenkung zu überzeugen. Russland lehnte dies ab. Saudiarabien konterte, indem es die Förderung erhöhte und die Preise senkte.

Das hat Folgen für den Westen. Zwar werden diese Länder entlastet, wenn sie weniger für Energie zahlen. Doch die Märkte sorgten sich am Montag mehr um Industriekonzerne, die ihr Geld im Geschäft mit Erdöl verdienen. So brach die Aktie von Sulzer ein. Der Winterthurer Konzern büsste 9,9 Prozent ein.

An den Börsen herrschte Panik. In New York musste vorübergehend der Handel ausgesetzt werden, weil die Kurse allzu schnell in den Keller sausten. Doch differenzieren die Börsianer noch. So gelten Aktien von Banken und Luftfahrtunternehmen als besonders toxisch.

Dies erklärt sich im Fall der Luftfahrt mit den knappen Margen. Das zeigt sich exemplarisch an der Swiss, deren Margen von der Universität St.Gallen in einem Gutachten für den Bund berechnet wurden. An einem durchschnittlichen Kurzstreckenflug, durchgeführt mit einer Airbus A320, verdient die Airline nur 800 Franken.

Auch mit Langstreckenflügen mit A330 oder A340 sind die Margen mager: 7000 bis 8000 Franken. Die Zahlen zeigen: Bereits kleine Rückgänge bei den Buchungen treiben einen Kurzstreckenflug in die roten Zahlen. Auch auf Langstrecken genügen wenige leere Sitze in der Economyclass – schon ist der Flug zum Verlustgeschäft geworden.

Die Lufthansa-Aktie hat sein Jahresanfang bereits 31 Prozent an Wert eingebüsst. Air France-KLM wird um 42,5 Prozent geringer bewertet. Die Papiere des Billigfliegers Easyjet gaben um 30 Prozent nach.

Von den Banken wissen die Investoren, dass sie in Rezessionen anfällig sind für Verluste auf ihren Krediten. Schuldner geraten in Schieflage, können die Zinsen nicht mehr zahlen, die Banken verlieren Geld. Zudem wirkt sich der Börsencrash direkt auf die Erträge der Banken aus. Ihre Gebühreneinnahmen hängen von den investierten Vermögen ab. Schwinden diese mit den Börsenkursen, sinken auch die Einnahmen.

Damit der Sorgen nicht genug. Sollten die Europäische Zentralbank und die Schweizerische Nationalbank es bald der US-Notenbank gleichtun, und ebenfalls ihre Leitzinsen senken, verlieren die Banken im Zinsdifferenzgeschäft nochmals weniger Geld.

Credit Suisse mit Minus von 37 Prozent seit SMI-Rekord

Darum werden die Banken von den Börsen abgestraft. Die Credit Suisse hatte gestern ein Tagesminus von 12,9 Prozent. Bei der UBS waren es 10,4 Prozent. Noch eindrücklicher sind die Verluste, wenn man als Ausgangspunkt den 19. Februar 2020 nimmt. Damals erreicht der SMI einen Rekordwert von 11270 Punkten. Danach gab die UBS-Aktie um 32 Prozent nach, jene der Credit Suisse 37 Prozent (siehe Tabelle).

An der Börse lassen sich die wirtschaftlichen Folgen des Corona-Virus sekündlich an den Kursen ablesen. Die Folgen für die Realwirtschaft dagegen lassen sich erst mit Verzögerung erkennen. Welches Ausmass sie haben werden, hängt letztlich von der Verbreitung des Corona-Virus ab. Und darüber rätseln derzeit noch alle Experten.

Klar ist: Die Schweizer Wirtschaft erleidet mehrere Schocks. In der Produktion, weil Mitarbeiter vielleicht bald zu Hause bleiben oder Vorprodukte aus dem Ausland fehlen. Tendenziell erhöhen sich so die Kosten. Und die Konsumenten könnten zu Hause bleiben. Kinos oder Hotels, Einkaufszentren oder Restaurants verlieren Kunden.

All dies schlägt auf die Umsätze. Ein weiterer Schock kommt mit der Aufwertung des Frankens. Immerhin konnte die Nationalbank den Euro gestern über der Marke von 1.06 Franken halten.