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Vor allem dank steigenden Schweinepreisen: Zentralschweizer
Bauern verzeichnen ein gutes 2019

Der Wert der in der Zentralschweiz produzierten Agrargüter steigt auf ein Zehnjahreshoch. Dies auch wegen des verschärften Tierschutzes.
Raphael Bühlmann
Mehr Tierwohl – tiefere Produktionsmengen – höhere Preise. Der Schweinemarkt scheint wieder im Lot. (Bild: Pius Amrein, Ruswil, 5. Juli 2016)

Mehr Tierwohl – tiefere Produktionsmengen – höhere Preise. Der Schweinemarkt scheint wieder im Lot. (Bild: Pius Amrein, Ruswil, 5. Juli 2016)

2019 dürfte ein gutes Jahr für die Schweizer Landwirtschaft werden: das Bundesamt für Statistik (BFS) rechnet für die gesamte Schweiz im laufenden Jahr mit einem steigenden Produktionswert (siehe Kasten). Auch für die Zentralschweizer Bauern dürfte 2019 positiv ausfallen. Das BFS geht davon aus, dass in den sechs Kantonen Agrargüter im Wert von 1,5 Milliarden Franken hergestellt werden – das sind rund 3 Prozent mehr als 2018 und so viel wie seit zehn Jahren nicht mehr. Dabei besonders ins Gewicht fällt die Produktion in Luzern. Zwar ist nur die Hälfte des 1494 Quadratkilometer grossen Kantonsgebietes landwirtschaftlich nutzbar. Was die Bauern aber aus dem Boden herausholen, ist zumindest im interkantonalen Vergleich spitze.

Das BFS schätzt, dass sich der Produktionswert der Luzerner Landwirtschaft im laufenden Jahr auf 1,04 Milliarden Franken belaufen wird – eine Steigerung von 5 Prozent gegenüber 2018. Nur in dem fast dreimal so grossen Kanton Bern und in der mehr als doppelt so grossen Waadt setzen die Bauern absolut betrachtet noch mehr um. Im Vergleich zu den Vorjahren knacken die Luzerner Bauern und Bäuerinnen damit erstmals seit zehn Jahren auch wieder die Milliardengrenze deutlich und sind damit auch im kantonalen Vergleich deutlich weniger abhängig von Subventionen.

Schweinepreis steigt 2019 um über 17 Prozent

Für Jakob Lütolf, Präsident des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes, ist der Anstieg ein Resultat von einem etwas stabileren Markt für Milch und Schweinefleisch. Mit einem Anteil von 500 Millionen Franken bilden die beiden Branchen den weitaus wichtigsten Teil der Luzerner Landwirtschaft. Doch Lütolf relativiert: «Gerade bei der Industriemilch bewegt sich der Preis nach wie vor auf bescheidenem Niveau und vermag bei vielen Milchbauern auch heute die Produktionskosten nicht zu decken». Tatsächlich bestätigen die Zahlen des BFS, dass die tierische Produktion schweizweit zwar um 2,2 Prozent zunimmt. Milch bleibt dabei mit insgesamt 2,2 Milliarden ebenso stabil wie die Rindviehproduktion mit 1,4 Milliarden Franken. Für das Agrarjahr 2019 weit bedeutender ist die Entwicklung auf dem Schweinemarkt.

Mehr produziert, mehr verdient

Das Bundesamt für Statistik (BFS) schätzt die Gesamtproduktion der Schweizer Landwirtschaft im Jahr 2019 auf 11 Milliarden Franken, 2,9 Prozent mehr als 2018. Nebst dem Schweine- sorgte vor allem auch der Getreidemarkt für das positive Ergebnis. Die Ernte beträgt knapp 8 Prozent mehr als im Trockenheitsjahr 2018. Der Produktionswert beim Getreide steigt damit um fast 12 Prozent. Die Gesamteinnahmen (inklusive Staatsbeiträge und Habzinsen) belaufen sich auf 13,9 Milliarden Franken. Die Ausgaben für Vorleistungen, Abschreibungen, Löhne, Pachten, Schuldzinsen und Produktionsabgaben steigen um 2,2 Prozent auf 10,8 Milliarden. Damit bleiben geschätzte 3,1 Milliarden als Nettounternehmenseinkommen, 2,9 Prozent oder 90 Millionen Franken mehr als im Vorjahr.

Insgesamt werden 2019 im Vergleich zum Vorjahr weniger Schweine geschlachtet. Der Durchschnittspreis stieg mitunter dadurch um 17,6 Prozent, was auf den ganzen Schweizer Markt betrachtet einem Wertzuwachs von einer Milliarde Franken entspricht. Meinrad Pfister, Präsident des Verbands Suisseporcs, spricht von einer «erfreulichen Marktentwicklung». Doch auch der oberste Schweinehalter der Schweiz setzt diese in Relation mit den vorangegangenen Jahren. «Sechs Jahre lang haben Mäster und vor allem Züchter hartes Brot essen müssen.»

80000 Franken pro Arbeitskraft und Jahr

Dass nun ausgerechnet das im Schweizer Absatz sonst eher schwächelnde Schweinefleisch den Bauern das Ergebnis aufpoliert, erklärt sich Pfister auch mit Anpassungen im Bereich Tierschutz. Per 2018 wurden die Tierwohl-Anforderungen an die Schweizer Schweineställe weiter verschärft.

«Viele haben nicht mehr investiert und sind aus der Produktion ausgestiegen»,

erklärt Pfister. Und da bei den Schweinen der Markt spiele, habe sich die Angebotsreduktion stabilisierend auf die Preise ausgewirkt. In Zukunft werde es weiter darum gehen, das Angebot an eine eher sinkende Nachfrage anzupassen. «Wir müssen als Verband weiter gut informieren, in den Markt eingreifen können wir nicht», so Pfister.

Mit den Umsätzen auch angezogen haben die Vorleistungen. Insgesamt 636 Millionen Franken bezahlen die Luzerner Bauern 2019 für Futtermittel, Dünger oder Saatgut. Unter dem Strich bleibt eine Bruttowertschöpfung von rund 400 Millionen. Laut BFS generieren sie damit Entgelt von knapp 80000 Franken pro Arbeitskraft – der Schweizer Durchschnitt liegt bei 60000 Franken.

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