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China muss wegen Schweinepest Millionen Tiere töten – weltweite Versorgung ist bedroht

Chinesen essen die Hälfte des weltweit produzierten Schweinefleisches. Nun rafft die Schweinpest Millionen Tiere dahin. Ausfälle können weder durch Importe noch andere Nahrungsmittel ersetzt werden.
Raphael Bühlmann
Eine Hochhaus-Schweinefarm in der Provinz Guangxi, im Süden Chinas. (Bild: Thomas Suen/Reuters (19. März 2018))

Eine Hochhaus-Schweinefarm in der Provinz Guangxi, im Süden Chinas. (Bild: Thomas Suen/Reuters (19. März 2018))

In der Subsahara bei Warzenschweinen weit verbreitet, wurde die Afrikanische Schweinepest (ASP) 2007 nach Georgien und damit bis vor die Tore euro­päischer Schweineställe eingeschleppt. In den vergangenen zwei Jahren hat sich der hochansteckende Erreger über Russland, die baltischen Staaten, Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien und Bulgarien ausgebreitet. vergangenes Jahr erreichte die Seuche mit Belgien Westeuropa. ASP ist eine schwere Virusinfektion, die ausschliesslich Schweine, also Wild- und Hausschweine, betrifft und für sie meist tödlich verläuft. Es gibt weder Impfstoffe noch Therapien. Um den Erreger einzudämmen, müssen befallene Bestände liquidiert werden.

Die Afrikanische Schweinepest an und für sich ist für den Menschen ungefährlich. Dennoch erreicht die Seuche derzeit ein Ausmass von globaler Tragweite und wird für sehr viele Menschen einschneidende Konsequenzen haben. ASP hat mit Fällen in der Mongolei, Vietnam, Südkorea, Kambodscha und vor allem China Südostasien erreicht. Allein die Verantwortlichen in Peking haben im ver­gangenen Jahr über 38 Gebiete Quarantänemassnahmen verhängt – 630'000 Schweine wurden vorsorglich getötet. Ende Jahr ­verkündete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua dann: «Die Situation ist unter Kontrolle.»

70 Prozent Preisaufschlag

Ein Statement, dem die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) offenbar keinen Glauben schenken wollte. Anfang Februar kam man mit dem stellvertretenden Minister für Landwirtschaft und ländliche Angelegenheiten überein, die Kontrollen zu verstärken. Anfang April meldeten die chinesischen Behörden dann 114 Ausbrüche in sämtlichen Provinzen. Am Mittwoch hat Peking Schweinefleischverarbeiter und Schweinehändler dazu angehalten, Zertifikate auszustellen, die belegen sollen, dass ein Betrieb frei von ASP ist, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. «Verarbeiter und Händler sollten alle Schweinefleischprodukte auf Schweinepest untersuchen lassen», so Xinhua unter Berufung auf eine Regierungserklärung. Wer die Prüfungen durchführen oder Bescheinigungen ausstellen würde, wird jedoch nicht klar.

Fakt scheint, dass sich ASP in China weiter ausbreitet – und das rasend schell. Laut des wöchentlichen Updates der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind im Reich der Mitte bisher eine Million Schweine aufgrund der ASP verendet oder liquidiert worden. Die auf die internationale Agrar- und Lebensmittelindustrie spezialisierte Rabobank geht aktuell davon aus, dass der Schweinebestand in China um 25 bis 35 Prozent einbrechen könnte. Das entspricht 150 Millionen bis 200 Millionen Schweinen – mehr als man derzeit auf dem europäischen Kontinent zählt.

Das hat weitreichende Auswirkungen. Die Chinesen essen gerne und viel Schweinefleisch. 31,4 Kilogramm pro Kopf und Jahr – 10 Kilo mehr als der Durchschnittsschweizer. In der Summe entspricht das einem jährlichen Konsum von 55 Millionen Tonnen – mehr als die Hälfte der Weltproduktion. Um diesen Bedarf zu decken, war China bereits bisher der weltgrösste Produzent und Importeur von Schweinefleisch.

Der durch ASP verursachte Ausfall wird laut Rabobank weder durch Mehrimporte noch durch andere tierische Proteine (Hühner, Enten, Meeresfrüchte, Rindfleisch und Schaffleisch) ersetzt werden können. «Wir gehen davon aus, dass dies zu einer Nettoversorgungslücke von fast 10 Millionen Tonnen in der Gesamtmenge an tierischem Eiweiss 2019 führen wird», schreiben die holländischen Analysten. Diese Lücke werde ferner zu einer «sehr dynamischen Verschiebung der globalen Handelsmuster führen».

Was das bedeutet, lässt sich an den internationalen Märkten bereits ablesen. Nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) wurden in der Woche zum 4. April insgesamt 77'700 Tonnen Schweinefleisch nach China verkauft; das war die grösste Menge seit sechs Jahren. In Deutschland werden Preise erzielt wie seit Jahren nicht mehr. Das chinesische Landwirtschaftsministerium geht davon aus, dass im zweiten Halbjahr 2019 die Schlachtschweinepreise im Vorjahresvergleich um bis zu 70 Prozent steigen und ein neues Rekordniveau erreichen werden.

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