Brasilien
Schweiz auf der schwarzen Liste

Brasiliens Regierung setzt die Schweiz auf die schwarze Liste der Steueroasen. Die wirtschaftlichen Konsequenzen für hiesige Unternehmen lassen sich noch nicht abschätzen.

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Schweiz auf schwarzer Liste

Schweiz auf schwarzer Liste

Keystone

Sven Millischer

Paukenschlag am Zuckerhut: Das brasilianische Finanzministerium führt die Schweiz neu, zusammen mit 13 anderen Ländern, auf ihrer Liste der Steueroasen. Dies wohl aufgrund der tiefen Unternehmensbesteuerung und des geltenden «Bank- und Geschäftsgeheimnises» mutmasst die brasilianische Zeitung «Estado do São Paulo».

Befremden über das Vorgehen

«Wie ein Blitz aus heiterem Himmel» kam die Nachricht für den Schweizer Botschafter Willi Meier in Brasilia, schreibt die «NZZ am Sonntag». Mittlerweile hat man sich beim Bund aber gefangen und den diplomatischen Vertreter gemäss Nachrichtenagentur SDA angewiesen, «im Aussenministerium und im Finanzministerium das schweizerische Befremden über dieses Vorgehen zu äussern».

Mit diesem «Vorgehen» will Brasilien den Kapitaltransfer besser kontrollieren und die Steuerflucht beschränken. Konkret wird der Transfer von Kapital zwischen den beiden Ländern künftig höher besteuert als normal. Ebenfalls werden Investitionen im brasilianischen Finanzmarkt steuerlich diskriminiert und damit unattraktiver.

Konsequenzen für Schweizer Unternehmen

Dies könnte für Schweizer Banken und Unternehmen bei Geschäften in der grössten Volkswirtschaft Lateinamerikas weitreichende Konsequenzen haben: Allein der Baustoff-Konzern Holcim plant in den kommenden Jahren ein bis zwei neue Zementwerke in Brasilien. Eine Akquisition scheint ebenfalls nicht ausgeschlossen. Holcim war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Auch UBS und Credit Suisse sind in Brasilien aktiv. Die beiden Grossbanken wollten die Presseberichte nicht kommentieren. Erst EndeApril gab die UBS den Kauf des Wertschriftenhändlers Link Investimentos für 112 Mio. Dollar bekannt. Dies, nachdem die Grossbank im letzten Jahr ihr Brasilien-Geschäft UBS-Pactual für 2,5 Mrd. Dollar überhastet an einen ehemaligen Miteigentümer verkauft hatte.

Weg von der schwarzen Liste

Ebenfalls auf eine Wachstumsstrategie setzt Nestlé: Der Waadtländer Nahrungsmittelmulti will seinen Umsatz bis in zwei Jahren verdoppeln. Allein 2009 investierte Nestlé rund eine halbe Milliarde Franken in Herstellungsbetriebe und Partnerschaften.

«Sehr besorgt über die jüngste Entwicklung» hätten sich Vertreter der Schweizer Wirtschaft in Brasilien gezeigt, sagt Botschafter Willi Meier gegenüber der «NZZ am Sonntag»: «Man will möglichst rasch von der schwarzen Liste wegkommen.»