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Schweiz verleidet den Deutschen wieder

Zwei Jahre lang kamen mehr deutsche Gäste in die Schweiz. Doch nun kehren sie ihr schon wieder den Rücken zu.
Niklaus Vontobel
Geniessen die Vorzüge der Schweiz: Touristen auf dem Brienzer Rothorn. (Bild: Anthony Anex/Keystone)

Geniessen die Vorzüge der Schweiz: Touristen auf dem Brienzer Rothorn. (Bild: Anthony Anex/Keystone)

Im ersten Halbjahr 2019 gab es einen Rückgang bei den deutschen Gästen. Das zeigen neue Zahlen des Bundesamts für Statistik zu den Logiernächten. Demnach sank die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus Deutschland um rund 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Es war das erste Minus nach zwei Jahren. Die Schweiz tut sich noch immer schwer, die Gunst der deutschen Gäste zurückzuerlangen.

Besonders bekam den negativen Trend der Kanton Graubünden zu spüren, wie eine Auswertung der Logiernächte-Zahlen ergibt. Graubünden ist in der Schweiz am meisten auf Deutsche angewiesen. Zürich kam ebenfalls auf ein Minus, kann dies aber weitaus besser verschmerzen. Basel und Luzern konnten dem allgemeinen Abwärtstrend trotzen, beide schafften ein Plus.

Vor der Finanzkrise waren Deutsche die zuverlässigsten Gäste. Mancher Hotelier konnte damals noch davon träumen, sein Hotels dereinst mitsamt deutschen Stammgästen an seine Kinder zu übergeben. Dann kam die grosse Frankenaufwertung. Deutsche Gäste wurden in Massen untreu. Die Logiernächtezahlen fielen schweizweit um 40 Prozent.

Die Schweiz wurde nicht nur faktisch teurer für deutsche Gäste. Vor allem hatte sie den Ruf, hoffnungslos überteuert zu sein. Mancher deutsche Gast konnte sich Urlaub in der Schweiz zwar noch leisten. Aber er wollte nicht. Was würden denn die Nachbarn sagen, wenn man sich derart teure Ferien leistete. Die Schweiz war sozusagen verpönt.

Mit der Zeit liess der Frankenschock nach. Deutsche kehrten zurück. Ab 2016 wurden wieder mehr Übernachtungen von deutschen Gästen verbucht. Es ging es wieder leicht aufwärts, die Branche war sichtlich erleichtert. Auch wenn den Spitzenvertreter klar war, dass man von den besten Zeiten weit entfernt war.

«Es ist wichtig, nicht in Panik zu verfallen»

Die damalige Stimmung gab der Direktor von «Schweiz Tourismus» wieder. Martin Nydegger gab sich diesen Februar einerseits euphorisch: Im Tourismusjahr 2018 hätten sich die europäischen Gäste wieder für das Ferienland Schweiz begeistert. Auch 2019 werde man mehr Gäste aus der Eurozone begrüssen. Andererseits betonte er in seiner Rede das eher ernüchternde Gesamtbild: Der Weg zurück zu den besten Zeiten sei noch steinig und weit. Und der starke Franken bleibe eine Herausforderung.

Nur wenige Monate nach der Rede von Nydegger haben sich die Aussichten deutlich verschlechtert, zumindest für die deutschen Gäste und jene aus der gesamten Eurozone. In dieses Bild passt auch der Rückgang im ersten Halbjahr bei den Deutschen.

Der starke Franken wird dem Schweizer Tourismus wehtun. Hoteliers, Gastwirte oder Bergbähnler wissen nur allzu gut: Die Währung ist matchentscheidend. «Schweiz Tourismus» mahnt zur Gelassenheit. Ein Sprecher der Marketingorganisation sagt: «Die Verteuerung ist für die Branche generell schlecht. Uns ist jedoch wichtig, über aktuelle Währungskurse nicht in Panik zu verfallen.»

Wenn nun die Schweiz wieder teurer wird, werden deutsche Gäste reagieren. Im kommenden Winter könnten sie deutlich weniger Übernachtungen buchen. Es wäre Schluss mit der leichten Trendwende, über die sich der Schweizer Tourismus schon gefreut hatte.

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