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Der Schweizer Aktienmarkt gehört den Schweizern

Eine neue Studie räumt auf mit dem Klischee, die hiesigen Börsenfirmen seien fest in ausländischer Hand. Doch just die Schweizer Aktionäre verhalten sich an den Generalversammlungen besonders passiv.
Daniel Zulauf
Kaum bedeutende ausländische Aktionäre: Roche. Im Bild zu sehen: der Roche-Tower in Basel. (Bild: Michele Limina/Bloomberg (1. Februar 2017))

Kaum bedeutende ausländische Aktionäre: Roche. Im Bild zu sehen: der Roche-Tower in Basel. (Bild: Michele Limina/Bloomberg (1. Februar 2017))

Wem gehören die Unternehmen, deren Aktien an der Schweizer Börse kotiert sind? Die Frage ist von einiger politischer Brisanz, und sie hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) veranlasst, den Fakten auf den Grund zu gehen. Die Behörde beauftragte die beiden Finanzmarktforscher Yvonne Seiler Zimmermann von der Hochschule Luzern und Heinz Zimmermann von der Universität Basel mit einer entsprechenden Untersuchung. Und das Ergebnis ihrer Studie widerspricht dem gängigen Klischee der ausländischen Dominanz.

Die beiden Wissenschafter haben die Besitzverhältnisse der nach Börsenwert 46 bedeutend­sten Unternehmen an der SIX Swiss Exchange analysiert. Sie stützten sich auf die börsenrechtlichen Pflichtmeldungen, die für Aktionäre nach dem Überschreiten gewisser Schwellenwerte vorgeschrieben sind. Berücksichtigt wurden auch die teilweise über diese Meldepflicht hinausgehenden Informationen in den Geschäftsberichten. Das Resultat: Der Schweizer Aktienmarkt ist fest in Schweizer Hand. Von den namentlich bekannten Besitzern des Schweizer Aktienmarktes liegen 66 Prozent der Anteile in Schweizer Hand.

Auf Platz zwei und drei folgen die USA und Europa

Stark ins Gewicht fallen bei dieser nach dem Marktwert der untersuchten gewichteten Betrachtungsweise die besonders wertvollen Firmen mit einem hohen Anteil an einheimischen Eigentümern. Das gilt allen voran für den Basler Pharmakonzern Roche, der den höchsten Börsenwert aufweist. Dessen Stimmen sind mehrheitlich in Familienhand. Auch der Lokalrivale Novartis hält einen Anteil von 33 Prozent. Bei Roche sind keine ausländischen Eigentümer gemeldet. Das heisst: Wenn es diese dennoch geben sollte, wovon angesichts der internationalen Bedeutung des Konzerns natürlich auszugehen ist, dann halten diese durchwegs weniger als 3 Prozent der Stimmrechte.

Die marktkapitalisierungsgewichtete Betrachtung lässt zum Beispiel Aussagen zu, wohin die jährlichen Dividendenzahlungen der Schweizer Börsenfirmen fliessen. Heuer dürften die un­tersuchten Unternehmen mehr als 50 Milliarden Franken an ihre Eigentümer ausschütten. Wenn zwei Drittel der Eigentümer Schweizer sind, dann bleiben mehr als 33 Milliarden Franken im Land.


  • 66 Prozent der Anteile von den namentlich bekannten Besitzern des Schweizer Aktienmarktes sind in Schweizer Hand.
  • Knapp 80 Prozent der Schweizer Aktientitel befinden sich im Streubesitz.
  • 33 Milliarden Franken an Dividenden bleiben laut der Studie in der Schweiz.

Aber selbst in einer reinen Durchschnittsbetrachtung, in der die hohen Anteile der Familien Hoffmann und Oeri an der Firma Roche nur noch eine von 46 gleichgewichteten Beobachtungen darstellen, bilden die Schweizer Investoren die mächtigste Eigentümergruppe am heimischen Aktienmarkt. Zusammen halten sie im Mittel 46 Prozent der bekannten Stimmrechte. 31 Prozent der Anteile befinden sich in amerikanischen und 13 Prozent in europäischen Händen – ohne Schweiz.

Einheimische Dominanz hat zugenommen

Die Ergebnisse kontrastieren stark mit den Ergebnissen einer Untersuchung, welche die NZZ vor drei Jahren in Zusammenarbeit mit der UBS aufgrund von Daten des Finanzinformationsdienstleisters Bloomberg durchgeführt hatte. Jene Untersuchung war zum Schluss gekommen, dass nur noch 17,8 Prozent des Schweizer Aktienmarktes in den Händen von einheimischen institutionellen Investoren seien, während sich 43 Prozent der Anteile in amerikanischen Händen befänden.

Präzise Aussagen über die Eigentumsverhältnisse von Pu­blikumsgesellschaften, deren Aktien an der Börse gehandelt und von vielen Investoren gehalten werden, bleiben aber naturgemäss ein Ding der Unmöglichkeit. Seiler Zimmermann und Zimmermann verweisen darauf, dass nur 21,4 Prozent aller Stimmrechte der untersuchten Firmen bekannten Aktionären zugeordnet werden konnten. Für die Besitzer der verbleibenden knapp 80 Prozent der Stimmrechte lägen keine Meldungen vor, die Titel befinden sich im sogenannten «Streubesitz». Auch lässt die Untersuchung keine zuverlässige Aussage über die typischen Besitzverhältnisse der Schweizer Börsenfirmen zu. Während die namentlich bekannten Aktionäre bei Roche 83 Prozent aller Stimmrechte auf sich vereinen, halten die bekannten Adressen beim Sanitärausrüster Geberit lediglich 5 Prozent der Stimmen.

Die Schweizer Dominanz im Aktionariat der einheimischen Firmen hat in den vergangenen Jahren aber offenkundig zugenommen. Zu sehen ist dies anhand der zunehmenden Präsenz der Aktionäre an den Generalversammlungen. Bei der Zurich Insurance zum Beispiel erreicht der Stimmenanteil der namentlich bekannten Aktionäre gemäss der vorliegenden Studie zwar nur 7 Prozent. Doch der Konzern hat im vergangenen Jahr registriert, dass fast 50 Prozent der unter dem Jahr im Aktienbuch ein­getragenen Beteiligungstitel in Schweizer Händen sind – deutlich mehr als fünf Jahre zuvor.

Die Zahl lässt zwar nur bedingt eine Aussage über die Stimmkraft der Schweizer Aktionäre zu, weil insbesondere angelsächsische Investmentfonds ihre Titel aus technischen Gründen häufig nur auf den Zeitpunkt der Generalversammlung registrieren und sich danach sogleich wieder austragen lassen. Doch selbst unter der extremen Annahme, dass alle unterjährig nicht registrierten Aktien der ­Zurich in ausländischem Besitz wären, würden die Schweizer ­Investoren auf einer Generalversammlung mehr als ein Viertel aller Aktienstimmen auf sich vereinen. Ähnliche Aussagen lassen sich für viele andere Schweizer Grossunternehmen machen.

Institutionelle Investoren stimmen unkritisch

Allerdings verhalten sich die Schweizer Investoren auf den Generalversammlungen typischerweise besonders passiv. So zeigen etwa Untersuchungen der Zürcher Stimmrechtsberatungsfirma Swipra, dass es vor allem Schweizer Pensionskassen und andere institutionelle Aktionäre sind, die den teilweise umstrittenen Empfehlungen professioneller Stimmrechtsberater wie Ethos oder ISS besonders unkritisch folgen. In Zeiten, in denen die Politik laut über staatliche Investitionskontrollen für Firmen nachdenkt, ist die Eigentumsfrage von hoher Relevanz. Eine andere Frage ist aber, was die einheimischen Investoren mit ihren Stimmrechten bewirken wollen. Swipra-Chefin Barbara Heller sagt, die insti­tutionellen Investoren aus der Schweiz mässen den Stimmrechten erfahrungsgemäss eine relativ geringe Bedeutung bei.

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