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Robuste deutsche Autobauer stärken Schweizer Zulieferbetrieben den Rücken

Schweizer Automobilzulieferer trotzen dem teuren Franken und den hohen Löhnen mit beachtlichem Erfolg. Die Branche investiert wieder mehr in neue Anlagen und Märkte. Doch die Zukunft wird nicht einfacher.
Daniel Zulauf
Schweizer Firmen liefern zahlreiche Maschinen oder Teile in die deutsche Autoindustrie wie in das Audi-Werk in Ingolstadt. (Bild: Andreas Gebert/Getty 14. März 2018)

Schweizer Firmen liefern zahlreiche Maschinen oder Teile in die deutsche Autoindustrie wie in das Audi-Werk in Ingolstadt. (Bild: Andreas Gebert/Getty 14. März 2018)

Unser nördliches Nachbarland Deutschland ist noch immer das Mass aller Dinge in der Automobilindustrie. Ein Unternehmen, das sich als Zulieferer der grossen Automobilhersteller in München, Stuttgart und Wolfsburg behauptet, darf sich getrost mit dem Etikett «wettbewerbsfähig» schmücken. Solche Firmen gibt es etliche in der Schweiz. Die in der vergangenen Woche veröffentlichte Branchenstudie des Swiss Center of Automotive Research der Universität Zürich stellt der hiesigen Industrie ein gutes Zeugnis aus.

Obwohl sich der Kurs des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro seit der ersten Studie im Jahr 2008 um fast 30 Prozent verteuert hat und die Löhne in der Schweiz in dieser Zeit deutlich stärker gestiegen sind als in den umliegenden europäischen Ländern, sind die Schweizer Automobilzulieferbetriebe in unverändert grosser Zahl im Land vorhanden und im Durchschnitt erfreuen sie sich einer guten Gesundheit.

Innovation wie zu Zeiten vor der Finanzkrise

574 Firmen haben die Forscher gemäss der Studie ausfindig gemacht, die in der Schweiz Bestandteile und andere Leistungen herstellen, deren Endabnehmer schlussendlich ausländischen Automobilhersteller sind. Zusammen bringen die Unternehmen einen Jahresumsatz von über 12 Milliarden Franken auf die Waage. Rund 34000 Personen sind in diesen Unternehmen und Konzernen angestellt. Die Branche ist in der Tat ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, der mit seiner klaren Exportorientierung auch einen besonderen Beitrag zum Wohlstand des Landes liefert. Erfreulicherweise hat sie ihre Position in den vergangenen zehn Jahren erfolgreich gehalten. Und das ist nicht selbstverständlich.

Erstaunlicherweise produzieren Schweizer Zulieferbetriebe nämlich nicht nur teure Spezialteile, sondern auch solche mit grosser Stückzahl und mit geringer Komplexität und damit zu entsprechend tiefen Verkaufspreisen pro Stück. Mit guter Qualität und hoher Zuverlässigkeit allein kommt eine Firma unter den erschwerten Bedingungen in der Schweiz aber nicht mehr weit. Innovativ müssen die Schweizer Unternehmen deshalb auch in der Entwicklung von Produktionstechnologien und effizienten Produktionsprozessen sein. Offensichtlich sind bei vielen Betrieben auch die dafür nötigen Mittel vorhanden. Gemäss der aktuellen Studie wenden die Autozulieferfirmen im Durchschnitt 6,3 Prozent des Umsatzes für Forschung und Entwicklung auf. Nach einem Einbruch im Jahr 2013 (4,7 Prozent) sind sie damit auf das Vorkrisenniveau zurückgekehrt.

Allerdings scheint sich in der Industrie derzeit ein Graben aufzutun. Bei einem knappen Drittel der entsprechenden Unternehmen bewegen sich die Investitionen zwischen null und drei Prozent, während ein Drittel der Firmen weit über dem Durchschnitt liegende Investitionen von über zehn Prozent des Umsatzes tätigt. Dieser Befund deckt sich ebenfalls mit den Erkenntnissen des Verbandes der Schweizerischen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (Swissmem), nach denen ein Drittel der Schweizer Unternehmen im Zug der schockartigen Aufwertungswellen des Frankens in die Verlustzone abgerutscht sind. Viele verfügen heute kaum mehr über die nötige Substanz, um zukunftsweisende Investitionen finanzieren zu können. Grössere Unternehmen scheinen dabei besser gewappnet, die mit dem Schweizer Produktionsstandort verbundenen Herausforderungen zu meistern. Ein Hinweis darauf gibt auch die Studie mit der Feststellung, dass die Firmen ihre Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten in der Schweiz zwar kontinuierlich ausbauen, gleichzeitig aber auch stärker internationalisieren. Dieses Privileg bleibt vielen kleinen Firmen vorenthalten. 60 Prozent sind gemäss der Befragung ausschliesslich in der Schweiz tätig.

Ähnlich verhält es sich auch bei der Planung der Produktionskapazitäten der Firmen. 40 Prozent der befragten Unternehmen planen in den nächsten fünf Jahren einen Ausbau in der Schweiz. Darunter befinden sich grosse Unternehmen wie der Zürcher Zahnradspezialist Reishauer oder der Luzerner Kabelverarbeitungsmaschinenbauer Komax. Die Investition in den Schweizer Produktionsstandort sind gemäss der Studie oft mit einer Erhöhung der Automatisierung verbunden. Die Mehrzahl der befragten Firmen weist noch einen relativ geringen Automatisierungsgrad von unter 50 Prozent auf. Dass nur rund 50 Prozent die Absicht bekunden, diesen in den nächsten fünf Jahren weiter zu erhöhen kann ebenfalls als Indiz für den grösser gewordenen Wohlstandsgraben in der Industrie genommen werden.

Neue Chancen durch die Elektromobilität

Die Herausforderungen werden für die Firmen in Zukunft wohl nicht kleiner werde, wie die Studie ebenfalls deutlich zeigt. Im Blick auf den Wandel der Antriebstechnologien bewertet die Hälfte der Unternehmen ihre Geschäftsaussichten kritisch für den Fall, dass sie sich nicht auf den Wandel einstellen. Viele sehen die Zukunft aber auch skeptisch, wenn sie sich aktiv auf dies vorbereiten, denn der Spielraum für Anpassungen ist bei Firmen, die sich auf Produkte für Verbrennungsmotoren spezialisiert haben naturgemäss gering. Immerhin rechnen sich 40 Prozent der Firmen von der Entwicklung der Elektro-Mobilität neue Chancen aus.

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