Medikamentenproduktion
Schweizer Börse erhält milliardenschweren Zuwachs – und ein Schweizer Unternehmen grosse Konkurrenz

Das schwedische Chemieunternehmen Polypeptide ist dem Weltmarktführer Bachem auf den Fersen. Jetzt will es den Schritt an die Schweizer Börse wagen.

Daniel Zulauf
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Polypeptide, ein schwedischer Hersteller von pharmazeutischen Wirkstoffen mit Sitz in Zug, strebt an die Schweizer Börse. Die Publikumsöffnung sei ein «natürlicher Schritt» in der Entwicklung des Unternehmens, lässt sich dessen Chefin Jane Salik in einer am Montag verbreiteten Mitteilung zitieren. Die Schweiz sei einer der weltweit attraktivsten Standorte für Forschungsunternehmen im Gesundheitssektor, erklärt die Managerin die Wahl des Marktes für die Börseneinführung.

Polypeptide ist auf die Herstellung von Peptiden spezialisiert. Dabei handelt es sich um eine besondere Art von kleinen Molekülen, die als Wirkstoffe in der Medikamentenherstellung eingesetzt werden. Mit einem Jahresumsatz von 223 Millionen Euro verfügt die Firma nach eigenen Angaben über einen Weltmarktanteil von 20 Prozent bis 25 Prozent. Führend in dem Geschäft ist die Baselbieter Firma Bachem. Sie erwirtschaftete 2020 einen Umsatz von 402 Millionen Franken, was je nach Marktdefinition einen Weltmarktanteil von 25 Prozent bis 30 Prozent ergibt.

Peptid-Riesen im Vergleich

Polypeptide Bachem
Umsatz 223 Mio. Euro 402 Mio. Fr.
Betriebsgewinn (Ebitda bereinigt) 62 Mio. Euro 123 Mio. Fr.
Anzahl Mitarbeitende 910 1475
Weltmarktanteil 20% bis 25% 25% bis 30%
Hauptaktionär F. Paulsen jr. P. Grogg

Die Bachem-Aktien haben in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 90 Prozent an Wert zugelegt. Finanzchef Alain Schaffter zeigt keine Angst, dass ihm die Mitbewerberin die Show an der Börse stehlen könnte. «Die Gerüchte über den Börsengang von Polypeptide kursierten schon länger und wir freuen uns, dass es nun bald soweit ist», sagt er. Das neue Listing schaffe mehr Transparenz und Visibilität für die Investoren. «Zudem sehen wir den Börsengang als Bestätigung dafür, dass wir in einem guten Geschäft tätig sind».

Frederik Paulsen Jr., Hauptaktionär von Polypeptide.

Frederik Paulsen Jr., Hauptaktionär von Polypeptide.

Bild: ferring.com

Polypeptide dürfte sich einen Vorteil von der bereits sehr hohen Börsenbewertung von Bachem versprechen. Die Investoren bewerten Bachem aktuell mit 5,8 Milliarden Franken, was gemessen am Gewinn von 78 Millionen Franken im Jahr 2020 extrem hoch erscheint. Doch der Markt für Peptide erlebt gerade ein überaus starkes Wachstum. Polypeptide nennt ein Wachstum des globalen Marktes von sieben Prozent pro Jahr über die nächsten fünf Jahre. In dem engeren Marktsegment, in dem das Unternehmen tätig ist, rechnet die Firma für sich selbst sogar mit jährlichen Umsatz-Steigerungsraten von zehn Prozent bis 2025.

Vor diesem Hintergrund dürfte auch der Schweizer Börsenneuling rasch einen hohen Zuspruch der Investoren erhalten. Allerdings weisen die Schweden eine geringere Betriebsgewinnmarge aus als die Schweizer, was dem Unternehmen einen gewissen Bewertungsabschlag eintragen dürfte. Dennoch steht der Schweizer Börse das erste milliardenschwere IPO (Intitial Public Offering) seit April 2019 bevor. Damals waren mit Stadler Rail, Alcon und Medacta gleich drei Börsengänge mit Volumina in Milliardenhöhe vollzogen worden.

Polypeptide hofft, die Börsenöffnung noch im laufenden Quartal über die Bühne bringen zu können. Die Firma will 40 Prozent der Aktien im Publikum platzieren. Der Rest soll im Besitz von Frederik Paulsen Jr. bleiben. Das Vermögen des in der Westschweiz lebenden Milliardärs basiert auf dem Erfolg des 1950 gegründete Pharmaunternehmens Ferring, dass Frederik Paulsen von seinem Vater geerbt hatte. In der Person des Schweizer Chemielaboranten Peter Grogg ist der Gründer von Bachem nach wie vor auch Hauptaktionär.