Schweizer Börsengänge
On hat Roger Federer, Sportradar Michael Jordan

Im Schatten des Schuhherstellers On hat die St.Galler Sportdatenfirma diese Woche ein etwas holpriges Début an der US-Börse Nasdaq hingelegt. Doch das Wachstumspotenzial ist gross.

Roman Schenkel
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Sportradar-Mitbesitzer: Die US-Basketballlegende Michael Jordan.

Sportradar-Mitbesitzer: Die US-Basketballlegende Michael Jordan.

Charles Rex Arbogast / AP/AP

Die Amerikaner lieben Sportstatistiken über alles. In den beliebtesten US-Sportarten Baseball, Football, Basketball und Hockey wird jedes Detail gesammelt, aggregiert und den TV-Zuschauern und Internetusern unter die Nase gerieben. Die Legalisierung von Sportwetten 2018 führte zu einem neuen Boom von Statistiken über Spieler, Spiele, Mannschaften und Leistungen. Allein in den ersten sieben Monaten dieses Jahres haben die Amerikaner laut der American Gaming Association Sportwetten im Wert von mehr als 27 Milliarden Dollar abgeschlossen.

Dabei gibt es zwei Sportdatenunternehmen, welche diesen Informationsschatz hüten: Genius Sports und die St.Galler Firma Sportradar. Die beiden Unternehmen haben die Lizenzen von Hunderten professionellen Sportwettbewerben wie der National Football League, Major League Baseball, englischen Premier League oder der PGA Golftour. Sie bündeln diese Daten und verkaufen sie an Wettplattformen und Medienunternehmen, die sie wiederum nutzen, um Wetten anzubieten oder um sie während ihrer Übertragungen einzublenden.

Beide Unternehmen sind seit kurzem an der Börse. Das in London ansässige Unternehmen Genius ging im April dieses Jahres an die Börse und wird mit 3,8 Milliarden US-Dollar bewertet. Die Schweizer Firma Sportradar hat diesen Dienstag den Sprung an die US-Börse Nasdaq gewagt. Dabei wurde das Unternehmen mit 8 Milliarden Dollar bewertet. Anders als beim Schweizer Turnschuhhersteller On verlief der Start holprig.

Sportradar-Börsenstart

Börsenkurs der Sportradar-Aktie, in US-Dollar
14.09.202115.09.202116.09.202117.09.2021Datum01020302727

Am ersten Handelstag startete die Aktie bei einem Ausgabepreis von 27 Dollar, sogleich ging es runter auf 25 Dollar. Bis Freitag erholte sich die Aktie wieder, sie stand bei Redaktionsschluss beim Ausgabepreis.

Nur wenige Aktien im Streubesitz

Der laue Börsenstart ist auf die Besitzverhältnisse zurückzuführen. Der Streubesitz ist relativ gering. CEO Carsten Koerl kontrolliert die Firma mit ihren 2300 Mitarbeitenden. Er hält einen Stimmrechtsanteil von mehr als 80 Prozent. «Diese Besitzstruktur hat den Vorteil, dass die Entscheidungswege im operativen Tagesgeschäft sehr kurz sind», sagte Koerl zum Nachrichtendienst AWP. Wie bei On mit Roger Federer gibt es aber ein paar illustre Minderheitsaktionäre. So zählt unter anderem Basketballlegende Michael Jordan zu den Mitbesitzern von Sportradar. Er liess es sich nicht nehmen, zusammen mit CEO Koerl die Glocke zum Börsenstart zu läuten.

Der Hauptsitz von Sportradar, das im vergangenen Jahr einen Umsatz von 405 Millionen Euro und 15 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet hat, soll weiterhin in St.Gallen bleiben. Die Geschäftszahlen sind wegen Corona mit Vorsicht zu geniessen: Im ersten Semester 2021 konnte Sportradar den Umsatz im Vorjahresvergleich um 42 Prozent steigern.

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