Schweizer CNN-Konkurs wirft Fragen auf: Wie ehrlich wurde Patrizia Laeri über die Finanzprobleme informiert?

Dem Wirtschaftssender ist das Geld ausgegangen. Dies hatte sich aber offenbar schon länger abgezeichnet. Dennoch wurde im Frühling mit SRF-Moderatorin Patrizia Laeri ein prominenter Neuzugang verkündet.

Benjamin Weinmann, Genf
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Patrizia Laeri begann erst im Juli bei CNN Money Switzerland als Chefredaktorin. Wie lange die Sendungen noch ausgestrahlt werden, ist derzeit nicht bekannt.

Patrizia Laeri begann erst im Juli bei CNN Money Switzerland als Chefredaktorin. Wie lange die Sendungen noch ausgestrahlt werden, ist derzeit nicht bekannt.

Cnn Schweiz

Der Name versprach viel Renommee, viel Glanz. Doch am Schluss bleibt nur ein Scherbenhaufen. «CNN Money Switzerland», vor zweieinhalb Jahren gestartet, ist Konkurs. Dies gab der private Wirtschaftssender am Montagabend via Communiqué bekannt. Wie CH Media bereits am Freitag berichtete, hatte der Verwaltungsrat für Sonntag eine Krisensitzung angesetzt. Denn seit Juli wurden den 25 Angestellten die Löhne nicht mehr ausbezahlt. Und zahlreiche Gläubiger sind gegen den Sender wegen ausstehender Rechnungen rechtlich vorgegangen.

Im Communiqué wird als Grund nur die Corona-Krise genannt, welche die Werbe-Einnahmen zum Erliegen brachte. Doch der Westschweizer Medienunternehmer und Gründer Christophe Rasch dürfte sich mit dem Sender übernommen haben, wie Insider berichten. Er baute teure Studios in Zürich und Gland VD und erkaufte sich den teuren CNN-Lizenznamen vom US-Sender. Zudem kam von seinen beiden Hauptinvestoren, den Sikder-Gebrüdern aus Bangladesh, zuletzt wohl kein Geld mehr. Laut Medienberichten sind sie in Thailand auf der Flucht, nachdem sie einem Banker mit Mord gedroht hatten.

Zwei Monatslöhne gehen flöten

Dem Vernehmen nach müssen die Angestellten ihre Juli- und August-Löhne abschreiben. Und da es sich nicht um eine Massenentlassung handelt, gibt es offenbar keinen Sozialplan, wie Rasch am Montagabend via Videotelefonie seinem Personal erklärte. Flankiert wurde er dabei von seinem Anwalt. Die meisten Angestellten seien gefasst gewesen, heisst es intern. Man habe schliesslich schon länger mit dem baldigen Ende gerechnet. Es habe immer wieder Anzeichen dafür gegeben, dass der Firma das Geld ausgegangen sei.

Was überrascht: Laut Communiqué war Rasch bereits seit Mai «in ständigem Kontakt» mit dem eingesetzten Sachwalter. Ihm obliege es nun, die Liquidation der Firma in die Wege zu leiten. Mit den Behörden werde man versuchen, den Schaden für das Personal und die Partnerfirmen zu begrenzen.

Fragt sich, wie transparent Rasch sein neues Aushängeschild Patrizia Laeri über die finanzielle Lage des Senders informiert hatte. Erst im April, nur einen Monat vor der Einsetzung des Sachwalters, gab Rasch den Wechsel der einstigen «SRF Börse»- und «Eco»-Moderatorin zu CNN Money Switzerland bekannt. Laeri startete als Chefredaktorin im Juli - als die Löhne bereits nicht mehr ausbezahlt wurden.

Sowohl Laeri als auch Rasch liessen Interviewanfragen von CH Media unbeantwortet.

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