Euro-Krise

Schweizer Firmen greifen trotz Rezessionsgefahr nicht zum Kahlschlag

Die Euro-Krise ist noch lange nicht ausgestanden - im Gegenteil: Eine Rezession droht; Und diese könnte auch die Schweiz mit voller Wucht treffen. Dennoch planen neun von zehn Schweizer Firmen (noch) keinen Stellenabbau.

Ruedi Mäder
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Konjunktur

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Keystone

Die Stimmung im Land ist schlechter als die Lage. Auf diesen einfachen Nenner lässt sich die jüngste Arbeitsmarktbeurteilung des Jobvermittlers Manpower Schweiz und der Konjunktur-Auguren der Credit Suisse bringen.

Im Rahmen der traditionellen vierteljährlichen Globalstudie liess Manpower Ende Oktober/Anfang November 2011 auch gut 750 Arbeitgebern in der Schweiz den Puls fühlen. 90 Prozent gaben zu Protokoll, sie planten im ersten Quartal 2012 keinen Arbeitsplatzabbau.
«Schweiz auf hohem Niveau»

Sicher werde die Konjunkturabschwächung zunehmend spürbar und die Unsicherheit auf dem Stellenmarkt sei mittlerweile stark ausgeprägt. Aber gleichwohl sei man «weit davon entfernt, von einer Rezession zu sprechen», kommentierte Urs Schüpbach, Chef von Manpower Schweiz, am Dienstag im Rahmen eines Mediengesprächs. Namentlich mit Blick auf die stabile Binnenwirtschaft und das gute Konsumverhalten bewege sich die Schweiz im europäischen Vergleich nach wie vor «auf sehr hohem Niveau». Die Nahbetrachtung zeigt einige bemerkenswerte Unterschiede:
Stichwort Regionen: In drei von sieben Regionen rechnen die Firmenchefs mit einer positiven Entwicklung der Beschäftigung (vgl. Grafik). Im «Espace Mittelland» schlägt in erster Linie der solide Geschäftsgang im Uhrenmetier positiv zu Buche. In der Region Zürich gilt dies vor allem für die Finanz- und Dienstleistungsbranche. Demgegenüber hängt die negative Prognose für die Nordwestschweiz sowohl mit der misslichen Entwicklung einiger grösserer Chemiefirmen zusammen als auch mit markanten Umsatzeinbussen grenznaher Einzelhändler.

Personalausbau geplant

Stichwort Sektoren: Die aussagekräftigere saisonbereinigte Vorhersage zeigt nach Anzahl Sektoren ein Patt: In fünf von zehn Teilbranchen ist ein Ausbau der Personalbestände geplant. Am meisten Optimismus konnte im Sektor «Banken, Versicherungen, Immobilien und Dienstleistungen» geortet werden. Die ebenfalls deutlich positive Prognose für den Energiesektor ist prima vista erklärungsbedürftig, haben doch in den zurückliegenden Wochen mehrere Stromproduzenten und -händler teilweise fühlbare Restrukturierungen angekündigt.

Des Pudels Kern ist darin zu suchen, dass der Abbau mehrheitlich nicht kurzfristig erfolgt. Im Sektor Service public und Sozialwesen ist der Bedarf an zusätzlichem Personal insbesondere im Gesundheitswesen nach wie vor gross.
Düsternis im Detailhandel

Im Branchenbild sticht ein Zweig klar negativ heraus: Der Detailhandel, für den 2011 als «negatives Ausnahmejahr» in die Annalen eingehen werde, wie sich Nicole Brändle Schlegel, die Leiterin Branchenanalysen des Credit Suisse Economic Research, ausdrückte. Der Handel weist mit einem Minus von 15 Prozent das schlechteste Ergebnis seit dem dritten Quartal 2009 auf; beim Gastgewerbe (-4 Prozent) gilt es, den niedrigsten Wert seit dem Schlussquartal 2009 festzuhalten. Im Detailhandel schrumpften die Preise im Schnitt um über zwei Prozent und damit so stark wie seit 40 Jahren nicht mehr.

Wie berichtet, hat auch die Credit Suisse ihre Konjunkturprognose überarbeitet. Nach einem realen Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 1,9 Prozent im laufenden Jahr wird für 2012 nunmehr ein Plus von 0,5 Prozent erwartet. In diesem Zusammenhang betonte auch die CS-Ökonomin, man müsse von einer Delle, allenfalls einem «Stillstand» ausgehen, der spätestens Ende 2012 überwunden sein sollte.

Mehrere positive Faktoren dürften nicht übersehen werden, beispielsweise der anhaltend robuste Privatkonsum. Sie erinnerte aber auch daran, dass die Schweizer Exporte stärker unter einer ausländischen Konjunkturabschwächung litten als unter der Wechselkursentwicklung. Das Basisszenario für die CS-Prognosen: keine globale Rezession, keine Eskalation der Schuldenkrisen und eine europäische Währungsunion, die (mindestens) bis Ende 2012 überlebt.