Skiferien
Schweizer gehen nach Österreich Skifahren - wegen dem Euro

Ein grösseres Problem als der Schneemangel könnte für die heimischen Skiregionen der Rückgang an Gästen aus dem eigenen Land werden: Der tiefe Euro lockt viele Schweizer ins nahe Ausland.

Sabina Sturzenegger
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Rettenbachgletscher in Sölden: Mehr Schweizer auf der Piste. Keystone

Rettenbachgletscher in Sölden: Mehr Schweizer auf der Piste. Keystone

Vielerorts haben die Skiferien begonnen. Die Sonne strahlt, das Skiwetter ist hervorragend. Doch viele fragen sich: Liegt auch genügend Schnee in den Bergen? Die Touristiker geben Entwarnung, und der «Alpenflug» (gestern im «SonntagsBlick») lässt ebenfalls den Schluss zu, dass die meisten Schweizer Skigebiete noch weiss sind, oder zumindest ihre Talabfahrten gut beschneit wurden.

Ein grösseres Problem als der Schneemangel könnte für die heimischen Skiregionen in dieser Saison aber der Rückgang an Wintergästen aus dem eigenen Land werden: Viele österreichische Skiorte melden derzeit hohe Zuwachsraten an Gästen aus der Schweiz. Der tiefe Euro lockt viele für die Ferien ins Nachbarland.

Viele Schweizer Autos unterwegs

Tatsächlich fällt bereits auf den Zufahrtsstrecken zum Arlberg-Strassentunnel auf, dass viele Schweizer Autos unterwegs sind. Sie kommen aus Luzern, Schwyz, St. Gallen, Thurgau, aber auch aus Zürich, dem Aargau oder aus den Kantonen Baselland und Basel-Stadt. Die meisten von ihnen haben Ski oder Snowboards auf dem Dach und den Innenraum ihres Fahrzeugs mit Schneesport-Ausrüstung vollgepackt – ein untrügliches Zeichen, dass sie in die Ferien fahren oder aus den Ferien kommen.

So meldet Vorarlberg Tourismus für die gesamte Region im Dezember gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs an Schweizer Gästen um zwei Prozent oder 1410 Übernachtungen. Die Tiroler Tourismusorganisation verzeichnet im selben Zeitraum gar eine Steigerung von 9,1 Prozent oder 9130 Schweizer Gästen.

Besonders beliebt bei den Schweizern sind in Österreich die folgenden Destinationen:

In St. Anton am Arlberg gab es im Dezember laut dem Tourismusverband «ein Plus von knapp 30 Prozent» bei den Schweizer Gästen. Das ist «eine klar höhere Zuwachsrate als in den letzten Jahren».

Auch das Ötztal verzeichnete im Dezember ein deutliches Plus unter den Schweizern: In der Ötztal-Arena, mit der für seine Après-Ski-Partys bekannten Station Sölden, liegen die Übernachtungen von Schweizern gemäss Tourismusverein bei plus 13,6 Prozent. 6596 Schweizer haben im Dezember in dieser Region ein Hotelzimmer gebucht. Etwas weiter oben im Tal, in Gurgl, lag das Plus sogar bei 18 Prozent.

In den als nobel geltenden Skiorten Lech und Zürs am Arlberg sind im Dezember 18,8 Prozent mehr Schweizer Gäste eingetroffen, wie das örtliche Tourismusbüro meldet. Pia Herbst von Lech Zürs Tourismus: «Wir schätzen, dass in der laufenden Wintersaison der aufsteigende Trend bei den Schweizer Gästen bestehen bleibt. Eine Steigerung ist wahrscheinlich.»

Schweiz wird doppelt getroffen

Von der Euro-Schwäche profitiert aber nicht nur Österreich: Auch in den französischen Alpen werden dieses Jahr mehr Schweizer ihre Skiferien verbringen. «Wir spüren das», bestätigt der Walliser Hotelier Andreas Furrer. Der Sohn von Art Furrer, der mehrere Hotels auf der Riederalp betreibt, glaubt zudem, dass der Schweizer Wintertourismus dieses Jahr doppelt getroffen werde: «Für die ausländischen Gäste ist die Schweiz 15 bis 20 Prozent teurer als vorher, und für die Schweizer ist der Euroraum billiger.»

Vom Schweizer Zuwachs in den ausländischen Wintersportorten auf einen allgemeinen Trend zu schliessen, wäre allerdings verfehlt. Die traditionell starken Nationen halten sich nämlich mit Skiferien – zumindest in Österreich – bis anhin zurück: Die Deutschen und die Niederländer haben laut der Dezember-Statistik sowohl die Tiroler als auch die Vorarlberger Alpen weniger besucht als im gleichen Monat des Vorjahres.