Inmitten des ewigen Bankengerangels

In den vergangenen 30 Jahren haben sich die Grossbanken auf beiden Seiten des Rheins immer wieder beschnuppert. Zum Glück blieb es dabei. Denn Auslandübernahmen im Bankenmarkt sind ein heisses Eisen.

Daniel Zulauf
Drucken
Teilen
Der Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt. (Bild: Michael Probst/Keystone (1. Februar 2018))

Der Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt. (Bild: Michael Probst/Keystone (1. Februar 2018))

Wie die informellen Gespräche über eine Fusion zwischen der Deutsche Bank und der Commerzbank ausgehen werden, dürfte bis Ende April klar sein. Jedenfalls halten die beiden Institute am 22. und am 23. Mai ihre Hauptversammlungen ab. Und obschon es den Anschein macht, dass die deutsche Regierung mit ihrem 15-Prozent-Anteil an der Commerzbank eine starke Präferenz für die Grossfusion hat, wird sie mindestens den Aktionären ihres mutmasslichen Wunschpartners ein starkes Mitspracherecht einräumen müssen.

Unbestritten ist, dass die Sache schnell vorankommen muss. Denn vor allem die Deutsche Bank kämpft mit beträchtlichen Ertragsproblemen, deren Lösung keinen Aufschub mehr zulässt. Eine andere Frage ist, ob die beiden Banken durch den Zusammenschluss tatsächlich gestärkt werden können. Beobachter sind sich einig, dass dazu ein tief greifendes Restrukturierungsprogramm nötig wäre. Es geht die Rede, dass die Institute, die zusammen mehr als 140000 Angestellte zählen, Zehntausende von Stellen abbauen und Hunderte von Filialen im ganzen Land schliessen müssten. Ob der sozialdemokratische Bundesfinanzminister Olaf Scholz für eine solche Rosskur Hand bieten will, erscheint eher unwahrscheinlich.

Interessanterweise geisterte vor einigen Monaten in Frankfurt wieder einmal die Idee herum, dass sich die Deutsche Bank eine Holdingstruktur geben könnte. Möglicherweise steckten da schon die jetzt publik gewordenen Planspiele dahinter. Allerdings weckt die Holding-Idee den Verdacht, dass die beiden Grossbanken auch nach einem Zusammenschluss möglichst selbstständig weiter bestehen sollen. Damit liessen sich kurzfristig vielleicht die schlimmsten Folgen einer Fusion für die Belegschaft verhindern, gleichzeitig wären dann aber auch die betriebswirtschaftlichen Vorteile geringer.

Zusammenschlüsse blieben trotz Interesse bisher aus

So oder so scheint die Politik bei Bankfusionen in Europa immer ein gewichtiges Wort mitzureden. Während die Bankaufseher bei der Europäischen Zentralbank schon seit geraumer Zeit lautstark für grenzüberschreitende Fusionen werben, sind solche bis heute weitgehend ausgeblieben. Auch zwischen der Schweiz und Deutschland ist es nie zu einem grösseren Bankenzusammenschluss gekommen, obschon solche Ideen in den vergangenen 30 Jahren immer wieder diskutiert worden waren. So hatte die Schweizerische Kreditanstalt (heute Credit Suisse) schon 1990 bei der Commerzbank Übernahmeinteressen angemeldet.

Zwei Jahre später stand die Schweizerische Volksbank im Abseits und musste unbedingt ­einen Käufer finden. Am 21. Dezember 1992, als hierzulande die grosse Immobilienkrise wütete, traf sich SVB-Chef Werner ­Rüegg mit Hilmar Kopp, dem damaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, zu einem «Geheimgespräch». Dies schreibt Credit-Suisse-Historiker Joseph Jung in seiner Biografie über den früheren CS-Chef Rainer Gut. Kopp soll nach ­Rüeggs Urteil «ein echtes, sogar grosses Initialinteresse» gezeigt haben. Doch für einen sofortigen Entscheid war Kopp doch nicht zu haben. Ein Jahr später ging die Volksbank in den Besitz der Credit Suisse über. 2002 äusserte der damalige Credit-Suisse-Chef Oswald Grübel erneut Interesse an den deutschen Banken. Die Übernahme einer Bank oder Sparkasse sei eine «strategische Option» meinte er, bis er vom Verwaltungsrat zurückgepfiffen wurde.

Fusionsgelüste wurden auch der UBS nachgesagt

Im Herbst des gleichen Jahres wurden erneut Gerüchte über eine schweizerisch-deutsche Annäherung ruchbar. Diesmal hiess es, die UBS könnte Interesse an einem Zusammengehen mit der Deutschen Bank haben. Doch UBS-Präsident Axel Weber winkte alsbald ab und heute sagt die UBS zu den Spekulationen: «Dieses Gerücht entbehrt jeglicher Grundlage. Herr Weber hat in zahlreichen Interviews wiederholt gesagt, dass wir vor allem auf organisches Wachstum setzen und keine grösseren Akquisitionen planen.»

Auslandübernahmen im Bankenmarkt sind ein heisses Eisen, vor allem wenn die Institute im breiten Privatkundengeschäft tätig sind und damit die Grundversorgung eines Landes tangieren. Dann sind die Banken definitiv «Gegenstand nationaler Interessen», wie eine UBS-Sprecherin die ergebnislose Flirterei schon vor 15 Jahren begründet hatte.