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Schweizer Jungfirmen meiden die Börse

Während die Aktien der aussichtsreichsten Schweizer Start-ups unter der Hand weggehen, droht der öffentliche Markt auszutrocknen. Das ist nicht zuletzt für die Pensionskassen ein Dilemma.
Daniel Zulauf
Die Software-Jungfirma WayRay entwickelt Technologie, die das Erweitern oder Überlagern der Realität mit digitalen Daten erlaubt. (Bild: Nodia Ilya/PD)

Die Software-Jungfirma WayRay entwickelt Technologie, die das Erweitern oder Überlagern der Realität mit digitalen Daten erlaubt. (Bild: Nodia Ilya/PD)

Schweizer Jungfirmen sind als ­Investitionsobjekte so begehrt wie seit 20 Jahren nicht mehr. Dies zeigt der «Swiss Venture ­Capital Report», den die Swiss Private Equity & Corporate ­Finance Association (Seca) seit 2012 jährlich herausgibt. Mehr als 1,2 Milliarden Franken an frischem Eigenkapital haben die technologiegetriebenen Start-up-Firmen im vergangenen Jahr in aller Welt unter spezialisierten Investmentfonds, Grosskonzernen und betuchten Privatpersonen eingesammelt, heisst es im Bericht der auf die Förderung von Risikofinanzierungen ausgerichteten Branchenvereinigung.

Doch im Unterschied zum letzten grossen Start-up-Boom, der 2001 mit dem Platzen der ersten Internet- oder «Dotcom»-Blase abrupt zu Ende ging, bleiben die Investoren heuer weitgehend unter sich. Zwar haben sich 2018 insgesamt zwölf Unternehmen für das breite Anlegerpublikum geöffnet und ihre Aktien im Rahmen sogenannter Initial Public Offerings (IPOs) in den Handel an der Schweizer Börse eingeführt. Aber nur vier dieser Gesellschaften sind Schweizer Jungfirmen, die sich zur Finanzierung ihres künftigen Wachstums für diesen Kanal entschieden haben.

Im Jahr 2000 zählte die Schweizer Börse nicht weniger als 28 IPOs, darunter auch viele Start-ups. Doch dieser Kanal trocknet allmählich aus. «Heutzutage finden die Eigentümerwechsel bei drei von vier Schweizer Jungfirmen unter der Hand statt», sagt der Zuger Bankenprofessor und Seca-Geschäftsführer Maurice Pedergnana. Immer weniger Start-ups kommen deshalb an die Börse. Nebst ­spezialisierten Investmentfonds positionieren sich zunehmend auch Grosskonzerne frühzeitig, um die innovationsstarken Firmen zu übernehmen, wenn sie den nötigen Reifegrad erreicht haben.

Ein Beispiel ist die in ­Zürich ansässige Software-Herstellerin WayRay, die im vergangenen Jahr von zahlreichen renommierten Grossunternehmen wie Porsche, Hyundai oder Alibaba 77 Millionen Franken erhalten hat. WayRay entwickelt auf Basis der Augmented-Reality-Technologie (AR) neuartige Navigationssysteme für das Auto.

Kosten für Anwälte, Banken und Revisionsfirmen

Das Marktpotenzial einer Firma wie WayRay ist riesig. Die Beratungsfirma IDC erwartet, dass in den kommenden drei Jahren auf der Basis dieser Erweiterten-Realitäts-Technologie (AR) mehr als 25 Millionen Geräte mit einem weltweiten Umsatz von gegen 50 Milliarden US-Dollar verkauft werden können. Nach Pedergnanas Einschätzung ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass das breite Anlegerpublikum gar nie die Gelegenheit erhalten wird, selber und direkt in solche Firmen zu investieren.

Der Gang an die Börse ist für jede Firma eine kostspielige und bisweilen auch nervenaufreibende Angelegenheit. Die Kosten für Anwälte, Banken und Revisionsfirmen lassen den Preis für ein IPO schnell einmal in die Millionenhöhe steigen. Hinzu kommen die mit dem Börsengang verbundenen Publikationspflichten sowie die Reputationsrisiken für den Fall, dass bestimmte Leistungsziele nicht in der erwarteten Frist erreicht werden. «Die Börse hat an Attraktivität verloren», konstatiert Pedergnana, umso mehr, als das Geld auch auf anderen Kanälen verfügbar sei.

Unternehmer mit Visionen bekommen das Kapital heutzutage auch gut auf nichtöffentlichen Wegen. «Privates Kapital war noch nie so einfach erhältlich wie in dieser Zeit», sagt Pedergnana. Einigermassen besorgniserregend ist an dieser Feststellung der Umstand, dass auch die Schweizer Pensionskassen noch kaum Geld in solche Zukunftsfirmen investieren. 2018 waren es gemäss Seca gerade einmal 0,3 Prozent. Damit entgehen den Vorsorgeinstitutionen nicht nur potenziell lukrative Investitionen in zukunftsträchtige Sektoren. Vielmehr bleiben Pensionskassen und das breite Anlegerpublikum auf das Sortiment angewiesen, das die Börse feilbietet.

Und genau dort scheint sich so etwas wie eine negative Selektion abzuspielen. Während die Aktien der aussichtsreichsten Firmen unter der Hand weggehen, kommt nur noch die zweite Wahl an die Börse. «Ich befürchte, die Jungfirmen, die noch ein IPO machen, sind häufig nicht mehr erste Qualität», sagt Pedergnana. Erfahrene Risikokapitalinvestoren wissen indessen, dass sie langfristig nur mit erster Qualität Erfolg haben können, denn viele Jungfirmen bleiben auf dem Weg von der Erfindung bis zum Markt stecken und werden für die Investoren zum Misserfolg.

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