Studie
Schweizer sind ihren Geldinstituten treu – diese Banken lieben sie besonders

Eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer will von einem Wechsel zu einer anderen Bank nichts wissen. Wie sich das ein Bankenprofessor erklärt.

Daniel Zulauf
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Viele Schweizer sind ihrer Bank gegenüber loyal.

Viele Schweizer sind ihrer Bank gegenüber loyal.

Keystone

Scheiden tut weh. Niemand in Europa weiss das besser als Herr und Frau Schweizer. Doch so leicht wie die Eidgenossen bereit sind, ihr Ehegelübde zu brechen (Scheidungsrate von 52 Prozent), so loyal sind sie gegenüber ihrer Bank. Das Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern hat im Rahmen seiner jährlichen Studie zum Zustand und zu den Perspektiven des Schweizer Bankenmarktes die Kundenzufriedenheit erforscht. Dazu hat das IFZ einen repräsentativen Ausschnitt der Bevölkerung befragt.

Das Ergebnis: Von den 2482 Befragten planen gerade mal 28, also etwas mehr als ein Prozent, ihre Hauptbank zu wechseln. Fünf Prozent spielen immerhin mit dem Gedanken, diesen Schritt zu vollziehen. Aber 57 Prozent sagen ohne Umschweife: «Ich habe keine Absicht, meine Hauptbank zu wechseln.»

Erstaunlich sind die Aussagen der Unentschlossenen: 23 Prozent sagen, sie würden sich interessante Konkurrenzangebote anschauen. Aber wechseln würden sie höchstwahrscheinlich nicht. Nur 13 Prozent geben an, dass sie sich den Wechsel bei einem interessanten Angebot einer anderen Bank überlegen würden.

Woher kommt diese unglaubliche Loyalität? Studienleiter Andreas Dietrich meint, es sei die generell hohe Kundenzufriedenheit. Auf einer Skala von 1 (ganz unzufrieden) bis 10 (ganz zufrieden) gaben die Befragten ihrer Bank im Durchschnitt die Note 7,8. «In der Schweiz sind die Bankkunden offensichtlich sehr zufrieden», resümierte der Bankenprofessor am Donnerstag.

Raiffeisen besonders beliebt

Zwar gibt es gewisse Unterschiede zwischen den einzelnen Bankengruppen. Die Raiffeisenbanken schwingen sowohl in puncto Zufriedenheit (Note 8,2) also auch in Bezug auf die Kundentreue (69 Prozent wollen nicht wechseln) obenauf. Doch auch auf den hintersten Plätzen dürfen sich die beiden Grossbanken, Credit Suisse und UBS, über sehr zufriedene (Note 7,2 Prozent) und treue (43 Prozent) Kunden freuen.

Angesichts der negativen Publicity mit der die Banken und insbesondere die Grossbanken seit Jahren leben müssen, liessen einige Branchenvertreter im Publikum während der Studienvorstellung Zweifel an den gezeigten Umfragewerten erkennen. Es gebe auch so etwas wie eine resignative Loyalitätsbekundung. Etwa im Sinne, dass es anderswo ohnehin nicht besser sei, bemerkte ein Zuhörer. Dietrich wollte diesen Einwand unter Verweis auf die hohe Zufriedenheitsrate aber nicht gelten lassen.

Die Zweifler unter den anwesenden Bankern bilden allerdings eine verschwindend kleine Minderheit. Denn ein Grossteil der 203 Geschäftsleitungsmitglieder, welche sich in der Studie über die Zufriedenheit mit der eigenen Leistung geäussert haben, zeigen sich noch zufriedener als ihre Kunden. Dieses Selbstverständnis hält Dietrich allerdings für gefährlich. Es könnte sein, dass ein Technologieriese irgendwann mit ehrgeizigen Plänen direkt im Teich der Banken zu fischen beginnt. Und dabei mit Angeboten lockt, die den Kunden die Augen öffnen.

Ein solches Szenario ist in der Tat nicht abwegig. Technologiekonzerne sind bereits aktiv dabei, einen Fuss in den Zahlungsverkehr zu setzen. So gesehen, könnte man die hohe Zufriedenheit und die Treue der Schweizer Bankkunden auch als Ausdruck mangelnder Fantasie begreifen. Dass sich im Schweizer Bankenmarkt nach Jahren der Krise immer noch etwas gewinnen lässt, belegt die vergleichende Analyse über den Zustand von 94 Instituten. Gemäss diesem Vergleich hat sich die Rentabilität der Banken im Vorjahresvergleich nur minim verschlechtert, obschon die Zinsmargen im Hypothekargeschäft weiter gefallen sind.

Bezahlen per App entwickelt sich nur langsam

Etwas mehr als 0,2 Prozent der Zahlungen in der Schweiz werden über eine Smartphone-App getätigt. Diesen Marktanteil schätzt das Institut für Finanzdienstleistungen Zug in seiner Retail-Banking-Studie 2017. Trotz diesem niedrigen Anteil sieht das Institut durchaus eine positive Entwicklung für diese Bezahlmöglichkeit. Dass die Marktentwicklung von Mobile Payment in der Schweiz teilweise belächelt wird, hänge primär mit überhöhten Erwartungen zusammen. Das zögerliche Umsteigen auf die neuen Dienste sei normal. Die Adoptionsgeschwindigkeit von Innovationen im Bereich des Bezahlens verlaufe vor allem in der Anfangsphase immer sehr langsam. (sda)