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Schweizer Start-up hilft, Risiken im Windenergiemarkt zu managen

Der europäische Windenergiemarkt ist komplizierter geworden. Abnahmegarantien gibt es nicht mehr. Betreiber von Windparks gehen hohe Risiken sein. Ein Schweizer Start-up hilft, diese zu managen. Auch hierzulande erhofft man sich mehr Kundschaft.
Andreas Lorenz-Meyer
Windturbinen in Vierkirchen nahe der bayerischen Landeshauptstadt München im Sonnenuntergang. Bild: Florian Gaertner/Getty (18. November 2018)

Windturbinen in Vierkirchen nahe der bayerischen Landeshauptstadt München im Sonnenuntergang. Bild: Florian Gaertner/Getty (18. November 2018)

In der Vergangenheit befanden sich Europas Wind- und Solarparkbetreiber in komfortabler Lage. Sie bekamen garantierte Abnahmeverträge über eine Laufzeit von 15 bis 25 Jahren. Marktrisiken gab es da keine nennenswerten. Nun verändert sich ihre Situation aber zunehmend. Die staatlich subventionierten fixen Preise fallen weg. An ihre Stelle treten Auktionsverfahren, wo Beihilfen im Wettbewerb ermittelt werden.

In Deutschland zum Beispiel müssen Planer gemäss «Erneuerbare Energien Gesetz 2017» einen Vergütungsbetrag je Kilowattstunde angeben, zu dem sie bereit wären, den Windpark zu bauen. Das niedrigste Gebot erhält den Zuschlag, und der Staat zahlt am Ende die Differenz zum Marktpreis dazu. Auch in Spanien, Polen und den Niederlanden geht die Entwicklung in Richtung staatliche Ausschreibungen. «Der Handel von Strom aus erneuerbaren Energien wandelt sich von einem stabilen, vorhersehbaren zu einem offenen Markt, der viel komplexer, technischer und volatiler ist», stellt Michael Waldner fest.

Früher mussten Betreiber ihre Kunden nicht kennen

Waldner, vorher bei Axpo Trading im Bereich Energiehandel tätig, hat im August 2017 zusammen mit Luca Pedretti und Florian Müller das Start-up Pexapark gegründet. Das Geschäftsmodell konzentriert sich auf den Windenergiemarkt. Man hilft Windparkbetreibern und Investoren, die erhöhten Marktrisiken besser zu verstehen und zu managen, ­indem man Daten zu den Risikofaktoren verschiedener Investments bereitstellt und auf Modellrechnungen basierende Vor­hersagen zur künftigen Rentabilität eines Parks erstellt.

Die Risiken im neuen Markt haben sich erhöht, weil die Marktpreise grossen Schwankungen unterliegen. Und von den Marktpreisen hängen ja die Abnahmepreise ab. Die Kunden kommen aus ganz Europa: Spanien, Italien, Deutschland, Polen, Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark, Benelux, Grossbritannien, Irland, Portugal, Frankreich, Lettland. Insgesamt hat man im Jahr 2018 über 2,2 Gigawatt an Anlagen in Europa unterstützt.

Als noch jede produzierte Megawattstunde zum festen Preis vergütet wurde, mussten Betreiber den Markt und ihre Kunden nicht kennen, erklärt Waldner. Das könne man sich heute nicht mehr leisten, jedoch fehle den Akteuren oft das Wissen über den aktuellen Markt. «Es ist eine neue Welt, die sie erst verstehen lernen müssen.» Das betrifft zum einen den Verkaufsprozess. Klassische Ausschreibeverfahren seien nicht ideal. «Der Verkaufspreis ist abhängig vom gehandelten Marktpreis, der eine grosse Volatilität aufweist.» Daher komme es auf den Zeitpunkt des Abschlusses an.

Schweizer Markt bleibt durch Tarife dominiert

Bei Strompreisen gebe es keinen Mengenrabatt. Im Gegenteil: Wird gleichzeitig viel Volumen verkauft, könne das den Preis drücken. Zweiter Punkt sind die Risiken. Pexapark bietet ein Monitoring für deren regelmässige Überwachung an. Risikomanagement heisst für Waldner nicht, jedes Marktrisiko auszuschalten. Vielmehr geht es darum, sich als Betreiber der Risiken bewusst zu sein. Die Faktoren müssten einzeln geprüft werden. Wichtige Fragen: Was ist meine Position? Was sind die Treiber der Risiken? Ist es der Standort? Die Technologie? «Wer die Risikotreiber versteht, kann sie neutralisieren, indem er eine Gegenpartei findet, die die Risiken übernimmt.»

Das Vermarktungsinstrument dafür nennt sich Power ­Purchase Agreement. PPAs sind langfristige Stromabnahmeverträge, die Erzeuger und grosse unternehmerische Verbraucher direkt abschliessen. Abnehmer sind Industrieunternehmen wie Norsk Hydro. Der norwegische Aluminiumhersteller vereinbarte mit dem Windturbinenbauer GE Wind Energy, seinen Strom 19 Jahre lang zum festen Preis aus dem riesigen 650-Megawatt-Windpark Markbygden in Nordschweden zu beziehen. Abnehmer können aber auch Tech-­Giganten wie Microsoft oder Google sein, die auf Strom aus erneuerbaren Quellen umstellen. In Deutschland, Schweden, Grossbritannien, Spanien sind solche Direktvermarktungsverträge mittlerweile gängig.

Laut Managementberatung Horváth & Partners werden bis 2020 rund 80 Prozent der nicht mehr geförderten Anlagen solcherart vermarktet. Auch Pexapark setzt PPAs für seine Kunden auf. Das Europa-Geschäft läuft sehr gut, hierzulande sind die ­Aktivitäten dagegen «eingeschränkt». Der Schweizer Strommarkt ist immer noch sehr tarif-dominiert, so Waldner. Den Bezug zum Heimatland hat man vorerst nur über Schweizer Investoren, die ihr Geld in ausländische Windparks stecken. Das könnte sich aber ändern. Waldner sieht auch hierzulande die Entwicklung vom tarifbasierten zum offenen Markt. Die Kundenbasis in der Schweiz würde sich dadurch erweitern.

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