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Schweizer Wirtschaft schrumpft: Vorbote einer Konjunkturflaute

Zwar ist der unerwartete Rückgang der Schweizer Wirtschaftsleistung im dritten Quartal auch ein Ergebnis diverser Zufälle. An der Grundrichtung der Statistik gibt es dennoch wenig zu rütteln.
Daniel Zulauf
Das Wachstum der Schweizer Wirtschaft ist im 3. Quartal überraschend unterbrochen worden. (Bild: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Das Wachstum der Schweizer Wirtschaft ist im 3. Quartal überraschend unterbrochen worden. (Bild: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Die Aussagekraft einer Statistik ist abhängig von der Qualität der Daten, die sie repräsentiert. Ist die Menge der zugrundeliegenden Beobachtungen klein oder ist das Gewicht (der Einfluss) einzelner Beobachtungen auf die ganze Datenreihe besonders gross, kann die Statistik unerwartete Ergebnisse produzieren.

Die Schweizer Wirtschaftsstatistiken sind anfällig für solche Verzerrungen, wie der überraschende Rückgang der Wirtschaftsleistung im dritten Quartal wieder einmal deutlich zeigt. Die Ökonomen des Bundes hatten mit einem fortgesetzten Wachstum etwa im Rahmen des bisherigen Jahresverlaufes von durchschnittlich etwas mehr als 0,7 Prozent pro Trimester gerechnet. Daraus wären bis zum Jahresende die vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) erst gerade im September prognostizierten 2,9 Prozent geworden, die das Bruttoinlandprodukt 2018 zulegen soll.

Sport-Organisationen verzerren Statistik

Doch die Statistik hat den Prognostikern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Statt weiter zu wachsen, ist die Schweizer Wirtschaft im dritten Quartal zum Erstaunen aller Auguren um 0,2 Prozent geschrumpft. Doch die Statistik sagt oft nur die halbe Wahrheit, weiss der erfahrene Prognostiker Yngve Abrahamsen von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. Er nennt diverse Faktoren, die zu dem erklärungsbedürftigen Ergebnis geführt haben: Nicht zum ersten Mal haben hierzulande ansässige Organisationen wie die Fifa oder das IOC mit der Verbuchung der Lizenzeinnahmen aus den weltweiten TV-Übertragungsrechten für statistische Verwirrung gesorgt. Während die Einnahmen, die tatsächlich vor allem buchungstechnischer Natur sind, in den ersten zwei Quartalen des Jahres für eine Aufblähung der Exporte von Dienstleistungen gesorgt hatten (insbesondere durch die Olympischen Winterspiele in Südkorea im Februar), führte das Ausbleiben solcher Einnahmen im dritten Quartal zu einem statistischen Einbruch.

Auch die Pharmaindustrie, die einen Grossteil der Wertschöpfung im Export verantwortet, sorgt immer wieder für erratische Bewegungen in der Ausfuhrstatistik. So waren die Exporte im dritten Quartal ungewöhnlich niedrig, was aber noch lange keine längerfristige Trendaussage zulässt. Schliesslich führte der niedrige Wasserstand im Sommer zu einer geringeren Stromproduktion.

Wirtschaft hat den Zenit hinter sich gelassen

Abrahamsen schätzt, dass die Schweizer Wirtschaft ohne die genannten Sondereinflüsse im Berichtsquartal nicht geschrumpft, sondern um vielleicht 0,2 Prozent gewachsen wäre. Allerdings ist auch dieser Wert noch ziemlich tief, denn um die Seco-Prognose erreichen zu können, hätte die Wirtschaft im zweiten Halbjahr gegen 1,5 Prozent wachsen sollen. Von diesem Zielpfad ist sie also ziemlich weit abgekommen. Deshalb sagt Abrahamsen, er werde seine eigene Prognose für das Schweizer BIP im laufenden Jahr von 2,9 Prozent demnächst nach unten revidieren müssen. Eine dramatische Korrektur werde er nicht vornehmen müssen, aber immerhin eine, die deutlich genug anzeigt, dass die Schweizer Wirtschaft den Zenit des vor gut zwei Jahren in Gang gekommenen Zwischenhochs bereits wieder hinter sich gelassen hat.

So gesehen mag das vorliegende Quartalsergebnis als Vorbote für den weiteren Konjunkturverlauf etwas vorlaut erscheinen, aber in der Tendenz ist das Quartal durchaus im erwarteten Trend. Der Chor der Konjunkturauguren rechnet für das nächste Jahr mit einer moderaten Wachstumsverlangsamung sowohl in Europa als auch in den USA und damit auch in der Schweiz. Doch viele Ökonomen warnen, dass die Prognoserisiken vor dem Hintergrund des weiter schwelenden Handelskrieges und der hohen globalen Verschuldung weit höher sind als üblich und allfällige Überraschungen vor allem negativer Natur sein dürften.

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